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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Fortsetzungsroman eines bewegten Lebens. Folge 61

Ernesto R. Hofmann aus Dießen ist der Seebär. Foto: aloys.news
Die „PFW“ in der ersten Schleusenkammer der Soulange-Schleuse in Montréal. Foto: Ernst R. Hofmann

Folge 61

In Montreal liefen wir dann in die erste von 28 Schleusen des alten (der neue war noch nicht fertig) St. Lorenz-Kanals ein und 27 weitere sollten, Adam Riese zufolge, folgen. Es war jedes Mal wieder spannend zu sehen, wie passgenau unser Schiff in jede Schleuse passte. Es war auch für die Passagiere ein grandioses Schauspiel. Ich brauchte bloß zu warten, bis wir in der Schleuse waren und ich konnte ans Land steigen und alle Manöver mit der Kamera festhalten. 

Im Übrigen hatten wir ein Riesenglück, denn drei Schiffe hinter uns brach in Montreal das erste Schleusentor und das französische Schiff schlug hart auf den Schleusenboden und dessen Kante auf, wurde hinaus gespült und sank vor der Schleuse. Da war dann erstmal Feierabend.

Die Reise führte weiter durch die Obstplantagen von Ontario und durch das Gebiet der Thousand Islands (1000 Inseln, es sind aber wohlgezählt 1700 Inseln, die sich alle in kanadischem oder amerikanischem Privatbesitz befinden), das große Freizeitresort, das beiderseits der Grenze liegt. Man kam sich vor wie im Urlaub, als wir durch die zahlreichen Inseln hindurch lavierten und die Bewohner winkten uns freundlich zu. Eine völlig andere, irreale Welt, in der man glaubt, zu träumen. Man kann die Schönheit, die über einen hereinbricht, kaum ermessen. Man muss es einfach wahrhaben, in einem völlig anderen Weltteil zu sein. - Es hatte sich im Übrigen herumgesprochen, dass diese die Abschiedsreise unseres Kapitäns sein würde. Überall an beiden Kanalseiten standen Abschiedskomités, die den allseits so beliebten Kapitän mit Blumen und Musik goodbye sagen wollten.

Ohne Lotsen wäre das beziehungsweise die Kanalfahrt nicht zu schaffen gewesen. Mir fiel die Ehre zu, die gesamte Strecke auf der Brücke am Maschinentelegraphen zu stehen, womit die Kommandos des Lotsen an den Maschinenraum weitergegeben werden. Schwummerig wurde es einem, wenn das entgegenkommende und unser Schiff so kerzengerade auf einander zuhielten und erst im allerletzten Moment jeder etwas Steuerbord gab und der Wasserschwall zwischen den beiden gerade mal 1 Meter Freiraum ließ. Nur so konnte man einander in dem schmalen Fahrwasser passieren. - Wenn man diese blühenden Landschaften so sah, dann hatte man keine Vorstellung mehr davon, sich Tage zuvor noch durch das Eis unterhalb von Grönland gekämpft zu haben...

Dieser wunderschöne Schifffahrtskanal mündet in den Ontario-See, an dessen Ufer wir zwei Städte besuchen sollten: Toronto und Hamilton.

Schwesterherz hatte in München eine Freundin. Sie waren zusammen bei der KLM und Letztere ist nach ein paar Jahren nach Toronto ausgewandert, wo sie einen ukrainischen Chirurgen heiratete und einen Zwilling, zwei Mädchen, und einen Sohn bekam. Doris, so hieß die Freundin, war von jeher schon immer etwas chaotisch, was ich auch bei einem Besuch zur Genüge mitbekam. Zunächst hatten die Eltern für den Zwilling noch gar keine Namen. Der Einfachheit halber wurden sie „A" und „B" genannt, was aber ein Dauerzustand zu werden drohte. Eine von beiden drohte gerade vom Wickeltisch zu fallen, während die andere gerade ein Fotoalbum auf dem Fußboden zerlegte. Die Wickeltischdame konnte ich gerade noch im Fall auffangen, das Fotoalbum konnte ich nicht mehr retten. Unter Doris' Haustreppe wohnte ein ganz süßes Stinktier, das sich ab und zu bemerkbar machte. - Doris riet mir jedenfalls, auch die nahe gelegenen Niagara-Wasserfälle zu besuchen. Dass ich keine Dollars hatte, war weiter nicht schlimm, sie lieh mir die 4 Dollars für den Greyhound, die sie aber auf Heller und Pfennig wieder von mir zurückverlangte.

Fortsetzung folgt

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