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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Fortsetzungsroman eines bewegten Lebens. Folge 62

Ernesto R. Hofmann ist der Seebär. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 62

In der U-Bahn von Toronto nach Scarborough ließ ich meine Handschuhe liegen. Doris meinte, die kannst du abschreiben. Als praktizierender Optimist ging ich zum Fundbüro und bekam meine Handschuhe wieder. In München hätte ich mir die Mühe sparen können. Ich hätte vor Freude das Lied von der Scarborough Fair singen können!

Die Niagara-Fälle muss man selber gesehen haben, sie zu beschreiben, ist fast unmöglich. Ich versuche es trotzdem. Das erste, was mir auffiel, als ich aus dem Bus stieg: Man hörte nur Russisch, Italienisch und Deutsch, kaum Englisch. Die beiden Wasserfälle, die zu den sieben Weltwundern gezählt werden, bieten ein überwältigendes Schauspiel. Am Standort auf der kanadischen Seite steht man ein paar Meter vom Wasserfall entfernt, der mit einem ohrenbetäubenden Getöse 52 Meter in die Tiefe stürzt. Ein Aufzug bringt den Besucher bis zu einer Plattform am Fuße des Wasserfalls unmittelbar seitlich der herabstürzenden Wassermassen. Von dort geht ein Tunnel hinter die Felswand mit weiteren zwei Portalen, an denen man direkt hinter der grünen Wasserwand steht. Die Tunnelwände donnern und vibrieren, dass es einem Angst und Bange wird.

Dem McCarthy Act hatte ich es zu verdanken, dass mir der Zugang zu den Amerikanischen Fällen verwehrt wurde, denn man war sich noch nicht im Klaren, ob ich ein staatsgefährliches Individuum war oder nicht. Dass dem nicht so war, konnte erst später in einem amerikanischen Hafen (Cleveland) geklärt werden. Man sollte damit auch keinen Unfug machen, denn die Amerikaner sind sehr allergisch, wenn man bei der Befragung angibt, dass (1957) der Großvater und der Urgroßvater und deren Hund auch schon Kommunisten waren. Der Betreffende bekam auf der ganzen Reise kein Visum mehr.

Unmittelbar neben Toronto liegt Hamilton, dort, wo die riesigen Welland-Schleusen vom Lake Erie (Erie See) in den Ontario-See münden. Die Schiffe auf den Großen Seen können den Ontario-See nicht verlassen, da die Schleusen des soeben durchfahrenen St. Lawrence-Kanals nur für Nussschalen maximal unserer Größe ausgelegt waren. Außerdem sind die sogenannten Laker nicht seetüchtig, obwohl es auch auf den Großen Seen ordentlich spuken kann. Manch ein riesiger Erzfrachter liegt auf dem Grund der Großen Seen, vor allem dem Lake Superior. Unser Kapitän war lebenslang seekrank auf diesem Binnensee durch den extrem kurzen Wellenschlag, der dort gegen die Schiffswand hämmert. Inzwischen jedoch (1959) hat man den St. Lawrence-Seaway stark vergrößert und fertiggestellt, an dem damals noch gearbeitet wurde. Heute können große Fracht- und Passagierschiffe aus Übersee über den Welland-Kanal bis nach Chicago gelangen. Dieser Kanal hebt bei einer Gesamtlänge von 43.5 Kilometern über acht Schleusenkammern die Schiffe über das Niveau der Niagara-Fälle hinweg. Der Höhenunterschied zwischen dem Erie-See und dem Ontario-See beträgt stolze 100 Meter.

Hamilton ist die stahlverarbeitende Industriestadt Kanadas am Ontario-See. Das Erz kommt vom Oberen See (Lake Superior, Duluth) und wenn man bedenkt, dass die Welland-Schleusen Schiffe von 30.000 Tonnen und mehr aufnehmen können, kann man sich vorstellen, wie verloren wir uns jetzt mit unseren 1.500 Tonnen in solchen Schleusen wiederfanden.

Fortsetzung folgt

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