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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Teil 3: Hat sich mein Leben gelohnt? Folge 73

Jetzt wohnt Ernesto R. Hofmann in Scheveningen. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 73

Ich rief nochmals bei ihrem Rechtsbeistand an und bat um Einlass. Er behauptete jedes Mal, er habe keinen Schlüssel. Um das zu testen fuhr ich jeden Abend vorbei, die Balkontür war immer noch angelehnt. Als es mir dann nach vier Tagen zu dumm wurde, schenkte ich ihm reinen Wein ein und sagte ihm, es sei in seiner Verantwortung, wenn die Balkontür jetzt nicht geschlossen werde. Eine halbe Stunde später war die Tür zu!


Sicherlich auf sein Anraten zeigte mich meine Mutter bei der Polizei wegen Einbruchs in ihre Wohnung an. Ich erzählte die ganze Geschichte abends bei Tisch in unserer Herrenrunde. Einer der Herren saß merkwürdig schweigsam da und hörte aufmerksam zu. Als meine Geschichte zu Ende war, sagte er nach einer langen Pause des Schweigens: „ Sie brauchen sich wegen der Anzeige keine Sorge zu machen, denn Sie sind in ihre eigene Wohnung eingestiegen, haben Ihre eigenen Sachen herausgeholt, haben eine Liste Ihrer eigenen Sachen hinterlassen und haben anschließend den juristischen Beistand Ihrer Mutter informiert. Ich kann Sie beruhigen, denn ich bin von Interpol".

Was lag näher, als uns schnellstmöglich zu verloben und ein halbes Jahr später zu heiraten. Zu dieser Feier spendierte unsere Wirtin eine Flasche Champagner. Über dem Tisch hing noch eine hundertjährige Stofflampe mit einer Kordel in der Mitte. Der Korken schoss quer durch die Lampe an die Decke und ein Staubregen rieselte auf den Tisch herab. Die arme Dame bekam nicht mit, weshalb wir uns kringelten vor Lachen.

René, unser Erstling, wurde genau neun Monate später geboren. Er hielt sich strikt an die gebotenen Anstandsregeln. Ich war bei der Geburt dabei, ein Erlebnis, das ich jedem werdenden Vater nur empfehlen kann. Jetzt zum ersten Mal war Familientreffen angesagt. Mutter war da, denn sie war neugierig auf den Stammhalter, und meine Schwester aus München. Es herrschten eitel Friede, Freude, Eierkuchen. Warum nicht gleich?

Inmitten des Fischerdorfs Scheveningen erwarben wir durch die Vermittlung eines Pfarrers, der wiederum eine philanthropische Reedersfrau kannte, ein kleines Fischerhäuschen. Wir wunderten uns von Anfang an, warum es im Haus so penetrant stank, konnten aber die Ursache nie ergründen.

Eines Tages rief Wera mich im Büro in Rotterdam an und sagte, wenn ich schon Erdnüsse essen wolle, dann solle ich gefälligst auch die Schalen in der Küchenschublade aufräumen. Ich beschwor sie, keine Erdnüsse gegessen zu haben und kurz darauf kam ihr zweiter Anruf. Sie sagte ganz entsetzt: „Wir haben Mäuse!" Ich fragte sie, wie denn die Maus aussah? Ja, wie halt eine Maus aussah, mit einem gaaanz langen Schwanz. Um Gotteswillen, das waren keine Mäuse, das waren Ratten! Und ich wunderte mich schon die ganze Zeit, woher denn die Pfötchen auf dem Toilettenboden herkamen. Nun wurde Alarm geschlagen. Pfarrer und Reedersfrau sprangen wieder ein und die Bohlen vom Fußboden in der Küche, wo es am meisten stank, wurden aufgerissen. Was wir da als normale Menschen sahen, die Ratten nur vom Hörensagen kannten, drehte uns den Magen um. Vom Nachbarhaus verlief dessen Toilettenabflussrohr im 90 Grad Knick unter unserer Küche durch. Ein Rohr konnte man das nicht mehr nennen, es war nur noch ein Scherbenhaufen aus Ton auf der blanken Erde. Alles floss brühwarm unter unserem Küchenboden durch, die Ratten hatten dort ihre Nester gebaut und feierten fröhliche Urständ. Seitdem bin ich rattengestört. Und das mit einem Baby im Haus.


Forsetzung folgt

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