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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Teil 3: Hat sich mein Leben gelohnt? Folge 77

Ernesto R. Hofmann hört auf, bei der MAN zu arbeiten. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 78 

Eines Tages wurde ich zum Leiter des Probestandes gerufen, man benötige einen neuen Prüfstand und ich solle dazu das entsprechende Schneckengetriebe berechnen. Panik stieg in mir hoch: Was, um Gotteswillen, ist ein Schneckengetriebe?? Nerven beherrschen, wozu gibt es einen Mentor? Herr Teufel, hieß dieser Goldmensch. Herr Teufel zeigte mir, wo ein Schneckengetriebe im „Dubel" stand und bemühte sich väterlich, meine flatternden Nerven zu beruhigen. Im Endeffekt war es gar nicht so schwer. Man muss nur wissen, wo es steht und wie es geht. Dann ist alles Weitere ein Klacks. Meine Arbeit habe ich abgeliefert, man darf nur keine Regung zeigen, denn alles hat normal zu sein.

Ich habe jetzt viel erzählt über meine Tätigkeit am Probestand bei MAN, ohne Betriebs- geheimnisse auszuplaudern, denn deswegen hatte ich ein Geheimhaltungsprotokoll unterzeichnet. Es wären noch so viel mehr interessante Besonderheiten zu berichten, aber die fallen tatsächlich unter das Betriebsgeheimnis und die sind bei mir so sicher wie in einem eisernen Topf. Aber eines muss ich noch erzählen. Eines unserer Schiffe hatte in Japan einen Lagerschaden an seinem Motor vom Typ 78/180 und es sollte sofort per Luftfracht ein neues Lager verschickt werden. Ich brachte das viele hundert Kilo schwere Trumm zum Zoll und was macht der Zöllner? In einem unbewachten Moment haut er mitten in die Zinnschicht des Lagers seinen Zollstempel. Ich habe gedacht, mich trifft der Schlag. Ich habe den Mann zusammengestutzt wie noch keinen Menschen zuvor. Der Mann war in dem Moment zu bedeppert um zu begreifen, dass er gerade einen Schaden von mehreren zehntausend DM angerichtet hat. Das Resultat war, dass das Lager ins Werk zurückging, um die Lagerschale auszuschaben und neu auszugießen. Das war für MAN nicht nur ein herber finanzieller Verlust, sondern bedeutete auch für das Schiff in Japan weitere kostenintensive Liegetage.

Wie gesagt, es war einer meiner interessantesten und verantwortungsvollsten Tätigkeiten, die ich nach einem halben Jahr gegen die angeforderte Planstelle eintauschen musste. Diese bestand aus einer trockenen Tätigkeit, die nur aus Zahlen bestand, sprich: Verschlüsselung von bestimmten Motorschäden in Zahlen. Fehlerprotokolle waren das Ergebnis. Ich fiel vom Himmel in die Hölle. Die vier Augsburger, die immer für einen Anschluss an Baden Württemberg plädierten und das damals gerade aktuelle Wort „Vietnam" nicht richtig aussprechen konnten (sie redeten dauernd von „Fiehtnam" und kritisierten als lupenreine Kommunisten fortwährend die Amerika-Politik, was mir dann auf Dauer auch zum Hals heraushing), und hielten zusammen wie Pech und Schwefel gegen einen bekennenden Bayern. Mein Fehlerprotokoll war das dünnste von allen, aber sie fanden immer einen Dreh, mir ihren Mist in die Schuhe zu schieben. Wohlweislich aber hatte ich Duplikate angefertigt, sodass ihre Anschuldigungen nichts anders waren als heiße Luft. Irgendwann war mir auch das zu dumm und ich verabschiedete mich. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Es hat keinen Sinn, zur Arbeit zu gehen, wenn man sich jeden Morgen vorher übergibt. Man nennt das Mobbing.

Zwei kleine Jobs erfreuten mich weniger, bevor ich meinen Traumjob bei BMW antreten konnte. Endlich war ich am Ziel.

Fortsetzung folgt

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