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6 Minuten Lesezeit (1192 Worte)

Eine Studienreise in's Heilige Land. Ein sehr persönlicher Bericht vom 91-jährigen Dießener Ernst Rudolf Hofmann. 2. Tag, 3.5.2019, Freitag

Das Innere der Verkündigungskirche mit der Wohnung Mariens, in der ihr der Erzengel Gabriel verkündet haben soll, dass sie Jesus empfangen werde. Alle Fotos: Ernst Rudolf Hofmann
Folge 3, Freitag, 3. Mai 2019
Haifa stand als erster Besuch auf dem Programm, wo wir nur zur Besichtigung einer wunderschönen Gartenanlage (Weltkulturerbe der UNESCO) kurz den Bus verließen und in der Ferne Akko und die libanesische Grenze erkennen konnten. Haifa verfügt über einen großen Seehafen und hier wird wohl der Großteil der Im- und Exporte Israels abgewickelt. Nach einer Rundfahrt durch Haifa und das ehemalige deutsche Viertel, wie an den Aufschriften alter Gebäude noch erkennbar, ging die Busfahrt weiter nach Akko. Die Stadt beherbergt die monumentalste Kreuzritterburg des Nahen Ostens. Sie ist ein absolutes „Muss" eines jeden Israel-Reisenden.
Dort angekommen, folgte ich einem Teil unserer Reisegruppe und fragte mich, wo die ohne unseren Reiseführer wohl so zielstrebig hingingen. Ich bekam es bald heraus: Es war ein Örtchen mit der Aufschrift „Toilets". Nun gut, wenn mal schon mal da war. Die Mahlzeiten bekamen wir immer automatisch gestellt, alles andere oblag unserer eigenen Initiative, wie diese. Bei der Rückkehr zu unserem ausgemachten Treffpunkt kam ich an einem Türschild vorbei, das keinem aufgefallen war, auch dem Reiseleiter nicht: es war ein Hinweis auf das Gefängnis der israelischen Widerstandskämpfer gegen die britische Besatzungsmacht. Gleich darüber mehr.
Die Festung selbst ist ein weitläufiges, gewaltiges Bauwerk mit meterdicken Mauern, kathedralenartigen Gewölben, in dem es kreuz- und quer, rauf und runter, durch Säle und Gänge ging, welche letztere nur gebückt und schulter-eng durchlaufen werden konnten. Letzteres war wohl sehr beklemmend und man brauchte wirklich nicht an Klaustrophobie zu leiden, denn man musste durch, es gab keinen Weg zurück, die Massen drängten nach. - Leider habe ich nur einen russischen Lageplan erwischt. Orientieren kann man sich daran, aber am Verständnis der russischen Sprache hapert es bei mir ein bisschen, bzw. ist es gleich null. - Innerhalb der Gewölbe bzw. in der Burg selbst ist bei weitem noch nicht alles ausgegraben, teilweise ruhen noch viele archäologische Schätze unter den Schuttmassen.
Im Lauf des Rundgangs kamen wir auf einen Innenhof, einer Art Exerzierplatz des britischen Hauptquartiers. Der Innenhof lag zunächst unter einer meterhohen Schuttschicht und wurde noch vor der britischen Mandatszeit auf das heutige Niveau ausgegraben. Hoch oben auf dem Dach eines Nebengebäudes führte ein unscheinbares Treppchen zu einem Nebenraum, in dem an die elf israelische Widerstandskämpfer der Hagannah und Irgun kurz nach dem zweiten Weltkrieg hingerichtet wurden. Im Hinblick auf die kurz bevorstehende Unabhängigkeit Israels eine ziemlich unnütze und blutrünstige Maßnahme, wohl ausgelöst durch die Sprengung des King David Hotels.

Was geschah damals in Acco?

Nach jahrelangen wechselvollen militärischen Erfolgen sowohl auf Seiten der Kreuzfahrer als auch der Muslime ließ Richard Löwenherz nach einer nochmaligen abgebrochenen Verhandlung mit Saladin kurzerhand und vertragswidrig am 20.8.1191 2700 Gefangene (Männer, Frauen und Kinder) töten. Ja, zimperlich warn's net, unsere lieben christlichen Mitbrüder.
Man muss die Festung gesehen haben, sonst fehlt ein wichtiger Teil der Reise!

Mit großer Spannung sahen wir anschließend einem Besuch an Nazareth entgegen. Lange habe ich daheim, nach der Reise, gerätselt, wie es Maria (Mariam, Miriam), die doch von den Eltern Joachim und Anna in Jerusalem geboren wurde, nach Nazareth verschlagen hat, und Ihnen wird es wohl genauso rätselhaft sein. Nun, das apokryphe Evangelium von Jakobus gibt detailliert Aufschluss darüber. Es ist ja auch Sinn und Zweck, sich bei bzw. nach einer „Studien"-Reise zuhause Gedanken über das Erfahrene zu machen und sie zu verarbeiten. Manche Fragezeichen bleiben da stehen und man vergräbt sich dann in die Lektüre. Während der Reise ist das wegen der Überfülle von Eindrucken fast unmöglich.
Nun, Maria aus dem Hause Davids (daher durfte sie im Tempel Jerusalem Dienst tun, ihrer Heimatstadt) wurde bereits im Alter von drei Jahren in die Obhut des Tempels gegeben und da im Sinne Gottes als Tempeldienerin erzogen. Dem Jakobus-Evangelium zufolge wurde Maria in einem komplizierten biblischen Auswahlverfahren dem Zimmermann, einem der rechtschaffensten Männer Israels und ebenfalls aus dem Hause Davids, zugeteilt. Er nahm sie dann sogleich mit in seinen Wohnort Nazareth, wo er sich mit dem Bau von Häusern beschäftigte.
Da Joseph auch jetzt noch anderweitig gebunden war, gab er Maria solange in die Obhut seiner Haushälterin. Maria war durch ihre Zuwendung zum Tempelgeschehen sehr angesehen und sogleich erhielt sie eine weitere Arbeit am Vorhang des Tempels aufgetragen, die sie mit großem Eifer in Nazareth erledigte. Die so geheißene Marienverkündigung, womit Gott den Erzengel Gabriel beauftragt hatte, fand also in Nazareth und nicht in Jerusalem statt, wie viele glauben. Somit steht dann auch die Verkündigungskirche zu Recht in Nazareth, dem Wohnort Josephs, der Maria von Jerusalem nach dort „entführte" hatte, womit auch dieses Rätsel gelöst ist.
In Nazareth ging mein eigener Albtraum schon los: In der Verkündigungskirche verlor ich den Anschluss an die Gruppe, als ich mich mit der neuen Kamera herumärgerte und demnach der Letzte war. Da half nicht einmal mehr der Lumpensammler, der war schon über alle Berge. Es war an der Grotte, in der Maria die Botschaft von Erzengel Gabriel erhielt, dass sie Jesus empfangen würde. Die Gruppe war schon längst außer Sicht und ich sah gerade noch, wie Michaela eine Treppe in den Glockenturm hinauf stürmte, was mich einigermaßen tröstete, denn von oben mussten sie ja auch wieder herunterkommen. Ich stand also, kalt nass geschwitzt vor blanker Angst, im Vorhof der Verkündigungskirche, als mich ein fremder Reiseführer tröstete mit den Worten: "Don't worry, they will come back, this is the only exit". Und nach langer Zeit sah ich einen weißen Schopf mit pastellfarbenem T-Shirt und Hose und die Welt war wieder in Ordnung. Die eigenen Leute kannte man noch nicht so sehr. - Ich hatte mich schon mit dem Gedanken abgefunden, mit dem Taxi nach Tiberias fahren zu müssen. Und wäre ich in Panik zum Ausstiegsort unseres Busses gelaufen, hätte ich diesen verpasst, denn der Bus sammelte uns ganz wo anders wieder ein. Es ist wirklich wahr: auch und vor allem an den heiligen Orten wird man von Engeln geführt. Engel gibt es überall. Später ein anderes Beispiel aus der Grabeskirche.


Was geschah damals in Nazareth?

„Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galilea mit Namen Nazareth gesandt, zu einer Jungfrau. Ihr Name war Maria. Und er kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr ist mit dir. Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte, was für ein Gruß dies sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst guter Hoffnung werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben."
Nazareth war nicht nur der damalige Lebensmittelpunkt von Jesus, sondern auch der Ort, wo ihm die geringste Zuneigung zuteil wurde: „Ein Prophet wird überall geachtet, nur nicht in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie". Er kehrte nie mehr dorthin zurück.

– Dieses war der zweite Tag. 

In der Festung Akko befand sich auch ein von den Engländern eingerichtetes Gefängnis für jüdische Widerstandskämpfer, die auch dort hingerichtet wurden.
Tonnengewölbe in der Festung Akko.
Kreuzgewölbe in der Ferstung Akko.

Ort (Karte)

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