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Ammersee Actors: Alles auf Anfang

Chris Filser hat zwei Leidenschaften: Theater und Computer. Foto: Alois Kramer

Dießen – Es hätte so schön werden können. Chris Filser und seine sechs Darsteller von den Ammersee Actors wären gerne nächste Woche im Gasthaus Drexl in Raisting auf der Bühne gestanden. Premiere für ihr neues Stück„Resturlaub im Ladyhort" sollte am Freitag, 30. Oktober sein. Daraus wird nun nichts. Wegen Corona. Alois Kramer von aloys.news hat sich mit dem umtriebigen Dießener Impresario unterhalten. In seinem Büro in der Fischerei – mit Abstand. Da sich die beiden seit Jahren gut kennen, duzen sie sich.

aloys.news: Ihr hättet am nächsten Freitag Premiere mit dem Stück „Resturlaub im Ladyhort" von Bernd Spehling. Ihr habt alles abgeblasen. Wie fühlst Du dich dabei?

Chris Filser: Ja, hätten wir gerne. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Wir von den Ammersee Actors sind basisdemokratisch eingestellt und die Mehrheit hat den Beschluss gefasst, dass wir nicht auftreten. Wir können doch nicht so tun als wäre nichts los, wenn man auf den Untermüllerplatz nur noch mit Maske kommt. Das geht nicht. Wäre ein falsches Signal. Außerdem ist kurz nach unserer Entscheidung verordnet worden, dass nur noch Gruppen bis zu zehn Personen erlaubt sind. Aber es ist schade, denn wir haben seit über einem halben Jahr – praktisch auch im Lockdown – fleißig geprobt und freuten uns sehr, wieder einmal eine Komödie auf die Bühne zu bringen. Das ist kein gutes Gefühl. Du hast Erwartungen. Wir hatten ein Hygienekonzept. Normalerweise gehen in den Saal im Gasthaus Drexl gut 80 Leute. Wir hätten bei sechs Vorstellungen vor 50 Zuschauern gespielt. Alle schön mit Abstand platziert. Reservierungen hatten wir an die 150, also gut die Hälfte. Übrigens bleiben die reservierten Karten bestehen. Wir haben ein treues Publikum. Selbst wenn die Aufführung erst im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres stattfinden wird. Die Leute mögen uns. Dann ist eben alles wieder auf Anfang, wie die Filmleute sagen. 

aloys.news: Wie soll das gehen, Ihr habt seit dem Lockdown „geprobt"? Ihr habt Euch doch nicht etwa heimlich getroffen?

Chris Filser: Nein, natürlich nicht. Es war ganz einfach. Jeder von den Darstellern hat einen Rechner und wir haben über Skype-Video den Text gelesen. Das ist das übliche Vorgehen bei der Theaterarbeit. Zuerst einmal muss der Text sitzen, bevor man sich auf die Bühne begeben kann. Hört sich kompliziert an, war es aber nicht. So konnten die Schauspieler ihre Rolle gut einstudieren. Leseproben macht man im Theater häufig, wenn man keine Probenbühne hat.

aloys.news: Wieder eine Komödie?

Chris Filser: Exakt. Dieses Mal haben die Mitglieder der Truppe das Stück gemeinsam herausgesucht und für „Resturlaub im Ladyhort" gestimmt. Die Auswahl habe meistens ich getroffen. Aber wie gesagt: Wir sind basisdemokratisch und da kann jeder mitreden. Jede und jeder von ihnen hat das Internet nach geeigneten Bühnenstücken durchsucht, Vorschläge gemacht und so sind wir fündig geworden. Ich habe auch an dem Text nichts geändert. Dafür bin ich bekannt, dass ich gerne mal Textstellen umschreibe. Aber dieses Mal sind meine Darsteller ganz textgetreu. Bei „Opas heiße Hütte" von Hans Christian Müller, das wir voriges Jahr aufgeführt haben, lief das anders. Ich hatte den Text aktualisiert. Damals gab es die Diskussion um's Riedberger Horn. Es lag nahe, einen aktuellen Bezug herzustellen. Hans Christian Müller hat's gut gefallen, obwohl er zunächst von den Änderungen nichts wusste. Wir hatte auch nicht erwartet, dass er zu den Aufführungen kommt. Er ist nicht mehr der Jüngste. Eine Woche vor der Premiere hatte er sich angemeldet. Ich bin echt ins Schleudern gekommen. Aber alles lief bestens und der Autor hat sich gefreut.

aloys.news: Wie ging's dann nach den Skype-Video-Proben weiter?

Chris Filser: In Raisting beim Drexl bekamen wir im Keller einen Probenraum, der uns seither ständig zur Verfügung steht. Da haben wir eine Bühne aufgebaut. Für Aufführungen nehmen wir sie mit in den Saal im Erdgeschoss und bauen sie dort wieder zusammen. Die Zuschauer sitzen gemütlich an Tischen und können vor Beginn der Vorstellung gemütlich essen. Wenn der Vorhang aufgeht, sollten sie mit dem Essen aufgehört haben, aber das sehen wir auch nicht so eng. Für unsere Zwecke ist die Zusammenarbeit mit dem Gasthaus Drexl ideal. Er bekommt Gäste, wir Publikum. Nebenbei bemerkt: Das Stück ist mit fünf Frauen besetzt. Also deutlich frauenlastig. Aber damit komme ich schon zurecht. Ursprünglich sind in der Besetzung drei Männer vorgesehen, einer musste krankheitshalber aussteigen. Das konnten und mussten wir kompensieren. „Resturlaub im Ladyhort" geht auch nur mit zwei Männern.

aloys.news: Chris, ich danke Dir für das Gespräch. 

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Kommentare 1

Leopold Ploner am Mittwoch, 28. Oktober 2020 14:15

Ich drücke den Ammersee Actors die Daumen, dass es wenigstens im Frühjahr klappt.

Ich drücke den Ammersee Actors die Daumen, dass es wenigstens im Frühjahr klappt.
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