Artemed-Klinik Dießen vom Heimatverein zum „Haus des Jahres 2020" gewählt: "Der Denkmalschutz wurde von den Planern in vorbildlicher Weise berücksichtigt".

Plakettenübergabe in der Artemed-Klinik  Dießen. V.l.: Chefarzt Professor Dr. Bert Theodor te Wildt, Inga Drummer von der Klinikleitung, sowie Nue Ammann, Josef Graf und Uschi Radaj vom Vorstand des Heimatvereins Dießen.  Foto: Alois Kramer

Dießen – „Der ehemalige Klosterbereich ist die geschichtsträchtigste Stelle des Marktes Diessen", diesen Satz des Kunsthistoriker Dr. Thomas Raff zitierte Nue Ammann, Vorstandsmitglied vom Heimatverein Dießen am Freitag bei der Übergabe der Plakatte „Haus des Jahres 2020" an die Artemed-Klinik. Der Heimatverein Dießen vergibt die Auszeichnung bereits seit 38 Jahren und hebt damit besonders gute Architektur und Umbauten in der Marktgemeinde hervor. Voriges Jahr ging die Plakatte gleich an drei Häuser. Im Jahr 2018 wurde ein das Ortsbild prägendes Haus mit Türmchen in der Schützenstraße geehrt. Jetzt hat der Verein mit der begehrten Auszeichnung an die Artemed-Klinik auf die besondere Bedeutung des Ortes sowie auf die Verantwortung für denselben hingewiesen. „Insofern ist es mehr als erfreulich, dass der Denkmalsschutz in so vorbildlicher Weise bei den kürzlich vorgenommenen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen des Klostergebäudes berücksichtigt wurde", so Nue Ammann bei der Zeremonie im barockmäßig angelegten Garten mit den hübschen Buchsbaumhecken und dem im Sommer wasserspendenden Brunnen. „Dass dieses Schmuckstück so erhalten wurde, ist ein Geschenk für den Markt Dießen, ein Geschenk für die Bürger von Dießen und alle Besucher, seien sie jetzt Patienten oder Touristen", freute sich Nue Ammann. Geplant und geleitet wurden die Maßnahmen an dem Objekt das vom Kloster bis zur Brauerei und Gasthaus und Alters-Residenz für Klosterschwestern viele Veränderungen im Laufe seiner fast 900jährigen Geschichte gesehen hatte, vom Architektenbüro „Worbs & Neuner" aus München.

Der Übergabeort für die bronzene, quadratische Tafel hatten Klinikleitung und Heimatverein gut gewählt. Die Verleihung im Freien war zwar den Corona-Regelungen geschuldet, hatte aber den Nebeneffekt auch einen guten Blick auf das komplett renovierte Gebäude freizugeben. Chefarzt Professor Dr. Bert Theodor te Wildt nahm diese Auszeichnung mit großer Freude entgegen, ebenso Inga Drummer von der Geschäftsführung. Professor te Wildt betonte, wie froh er sei, dass er die Baumaßnahme von Anfang an mitbekommen hatte. Die „Urzelle" zum Umbau des Gebäudes war wie ein „Startup" mit wenigen Mitarbeitern in einem Zimmer des Klosters. Dann wies er auch auf die Komplikationen hin, die es während der Bauphase gab. Zum Beispiel, die unglaublich aufwendigen Fenster, die komplett neu hergestellt und nach Maß gefertigt wurden. Dann verwies er auf den Keller, dort habe es kein Fundament gegeben. „Wir hören das jeden Tag von unseren Patienten, wie heilsam dieser Ort ist. Für viele ist ein großes Glück hier sein zu dürfen. Das strahlt natürlich auf uns Mitarbeiter ab. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht sage: ,Und das ist Dein Arbeitsplatz'".Es sei auch wunderbar, dass die Patienten die Geschichte des Hauses, in dem sie einige Wochen verbringen, immer präsent sei. „Ah, das ist das Refektorium, oder hier war eine Kapelle", hört er sie oft sagen. Zudem erinnerte er daran, wie auf die Eröffnung alle zusammen gearbeitet haben: Ob beim Putzen oder Möbeltragen.

Zwischen August 2016 und März 2018, so erwähnte Nue Ammann den Architekten Hans Neuner, wurde der Klosterkomplex „mit durchweg 30, meistens 60 bis 70, in der Endphase bis 99 Handwerkern pro Tag vor Ort" seiner neuen Bestimmung als Klinikgebäude zugeführt. Der von außen kaum sichtbaren, aber im Inneren grundlegenden Sanierung und Ertüchtigung der Bausubstanz zu einem modernen Klinikgebäude mit 90 Einzel- und vier Zweibettzimmern sowie 18 Einzel- und Gruppentherapieräume, folgte die Innenausstattung, welche durch das Unternehmen „Pilati Interior & Design", gestaltet wurde. Weiter begründete das Vorstandsmitglied des Heimatvereins die Entscheidung für die Klinik folgendermaßen: „Besonderes Augenmerk wurde daraufgelegt, die historische Substanz und Gegebenheiten der Klosterräume zu bewahren und mit den Ansprüchen einer Klinik zu kombinieren. Eingängige Farbkonzepte, ausgesuchte Materialien und individuell gestaltete Lösungen sorgen nunmehr dafür, den Gästen ein Wohlfühlerlebnis während ihres Aufenthalts zu ermöglichen". 


Geschichtlicher Überblick von Nue Ammann nach Dr. Thomas Raff

Die Anlage des Dießener Klosters fällt in die Zeit um 1110/20, als die Grafen von Dießen hier zwei Klöster gründeten das Augustiner-Kanonissen-Stift St.Stephan und das Augustiner-Chorherren-Stift „Ad Sanctam Mariam". Während das Frauenkloster bereits im 14. Jahrhundert erlosch, hatte das Augustiner-Chorherrenstift bis zur Säkularisation 1802 Bestand.

1802 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben und ging in den Besitz des Bayerischen Staates über. Jedoch bereits 1804 wurde das Kloster an Medizinalrat Dr. Franz Xaver Häberl verkauft. Häberl nutzte das Kloster für sich und seine Familie als weitläufigen Landsitz und ließ den möglicherweise schlicht überflüssig gewordenen Nordflügel und nördlichen Westflügel, sprich die Propstei und die angrenzenden Bereiche abbrechen.

Nach dem Tode von Medizinalrat Häberl wurde das Gebäude vererbt und wenig später wiederholt veräußert. Erst im Besitz von Johann Baptist Span, der 1874 die Konvent- und Ökonomiegebäude erworben hatte, verblieb das Anwesen mehr als 35 Jahre. Ihm diente die Klosteranlage als Gasthaus und Brauerei, mit süffigen Bier, einer schönen Wirtstochter und einer zünftigen Kegelbahn. Als solches fand der Ort in zahlreichen Schriftstücken, unter anderem in den Briefen des Dichters und Literaten Otto Julius Bierbaum lobende Erwähnung.

1917 schrieben die Nachkommen Johann Baptist Spans das Anwesen zur Versteigerung aus, und so gelangte es am 11.Juni 1917 in den Besitz der Barmherzigen Schwestern vom HI. Vinzenz von Paul. Obwohl das Anwesen mit der Absicht gekauft worden war, das Mutterhaus von Augsburg nach Dießen zu verlegen, rückte man aufgrund des schlechten baulichen Zustands davon ab.

In der Folgezeit wurde zunächst der Ostflügel notdürftig renoviert, so dass vier Schwestern dort leben konnten, hauptsächlich, um die landwirtschaftliche Fläche des Klosters zu bewirtschaften. Eine damals von einer der Schwestern verschickte Postkarte endete mit dem denkwürdigen Satz: „Der Haushund Marko hat in ¼ Stunde im neuen Heim 11 Ratten gefangen."

Gebraucht wurde das Kloster Dießen indes nicht nur als Landwirtschaft, sondern immer dringender zur Entlastung des Mutterhauses, um Exerzitien der Schwestern abzuhalten und für das seit 1918 vorgeschriebene, einjährige Noviziat. Die Novizinnen waren es auch, die kleinere Instandsetzungsmaßnahmen in die Hand nahmen, doch der bauliche Zustand der Gebäude stellte sich bald als weit schlechter heraus als gedacht, sodass man die selbsttätige Renovierung aussetzte und weite Teile der Anlage ungenutzt ließ.

1934 wurde die Platznot jedoch zu groß und der Orden entschied sich den von Dr. Franz Xaver Häberl abgerissenen Westflügel wiederaufzubauen, um Schwesternschlafräume und Büros darin unterzubringen. In der Gestaltung der Außenfassaden orientierte man sich an den Bestandsgebäuden, mit Ausnahme der nach Osten und damit zum Innenhof weisenden Balkone, so dass die Anlage bis heute einen baulich geschlossenen Eindruck vermittelt.

Mit Beginn des zweiten Weltkriegs 1939 diente das Kloster Dießen bis 1967 als Mutterhaus des Ordens. In Vorbereitung dessen war bis dahin nach und nach der gesamte Konventbau für diesen Zweck umgebaut worden.

Technische Nachrüstungen erfolgten in den 1960er Jahren, so erhielt das Gebäude zwei Aufzüge, neue Nasszellen und eine neue Küche im Untergeschoss und Erdgeschoss. Schließlich baute man Teile im 2. Obergeschoss zu Kranken- und Altenpflegestationen aus.

Rund 55 Jahre verblieb es dabei, bis sich 100 Jahre nach dem Kauf die letzten Vinzentinerinnen aus Dießen verabschieden.

Die Übergabe des Klosters Dießen an ein Team psychotherapeutisch tätiger Mediziner, Psychologen und Pflegekräfte erfolgte eingedenk dieser Kernaufgabe, die mit den Visionen und Zielen der Artemed-Kliniken eine Schnittmenge bildet. 

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