Bach auf der Marimba! Auweia, ob das gut geht?

Cristóbal Gajardo spielt Foto: Julian Welter

Landsberg – Cristóbal Gajardo fühlt sich wohl in der Lechstadt. Der Musiker aus Chile hat hier einen Freundeskreis aufgebaut. Er unterrichtet und spielt als freiberuflicher Schlagzeuger. „Eine schöne Ecke zum Wohnen und eine reizvolle Stadt ist Landsberg für mich"

Sein Deutsch ist grammatikalisch perfekt, den leichten Akzent seiner südamerikanischen Heimat hört man ein bisschen heraus. Man könnte meinen, er habe deutsche Wurzeln. Das stimmt nun nicht. Wenn Wurzeln, dann „höchstens spanische", wie er gesteht.

Am Samstag, 31. Oktober ab 20 Uhr gibt der Künstler aus Santiago de Chile ein Solokonzert „Beim Dorfwirt" in Schwifting. Die Aktion läuft unter dem Titel „Kultur und Gastronomie helfen sich gegenseitig. Essen für den Köper und Musik für die Seele" Die Besucher haben die Möglichkeit vor dem Konzert in der Wirtschaft etwas zu essen und dann im Saal den Schlaugzeuger zu hören. Er wird auf der Marimba die Cello-Suite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach interpretieren. Allein die Wahl des Instruments für diese berühmte Barockkomposition wird für eine musikalische Überraschung sorgen. Dazu gibt er auf der Marimba das Werk eines chilenischen Freundes von ihm im 7/8-Takt und zwei weitere Stücke auf kleinen Trommeln. Eins davon integriert ein Metronom, wie er verrät. „Ich freue mich sehr, wieder vor Zuhörern zu spielen", konstatiert der Musiker. Allerdings ist wegen der Abstandsregeln die Zahl der Besucher auf 50 begrenzt. Der Auftritt dauert etwa 45 bis 50 Minuten und wird vom Interpreten selbst moderiert.

Cristóbals Liebe zur Musik geht über Schlaginstrumente. Diese haben ihn schon als kleines Kind fasziniert, wie ihm seine Mutter erzählte. Es scheint, behauptet er, schon im Mutterleib angelegt worden zu sein. Denn da hatte er Herzprobleme. Dieses Organ schlug unregelmäßig. Nach der Geburt war aber alles vorbei.

Cristóbal als Schlagzeuger zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen. Am Peabody-Institut in Baltimore an der Ostküste der USA, hat er den Bachelor of Art (B.A.) in Musik gemacht, ging dann anschließend an die berühmte Yale-Universität um dort den Master of Music (M.M.) zu bekommen. „Das Lehrangebot in Yale war einfach großartig", erinnert er sich: „Mein Theorielehrerin war eine Studentin von Olivier Messiaen". Bereits in Santiago de Chile hatte er das Musikstudium aufgenommen, sein Schlagzeuglehrer hatte in den USA studiert und Gajardo wurde wiederum von dessen Lehrern unterrichtet, so kam die Verbindung zustande. Nach Deutschland gelangte der Chilene über das Schleswig-Holstein-Festival. Gegründet von Leonard Bernstein und fortgeführt von Christoph Eschenbach gehört diese Veranstaltung zu den renommiertesten musikalischen Sommerfestspielen in Deutschland. Dort spielte er zum ersten Mal im Jahr 2010 im Orchester mit. „So lernte ich Deutschland kennen und ich muss sagen, es gefällt mir sehr, hier zu sein". Sein Plan stand noch in Yale fest, nach Deutschland oder einem anderen Land in Europa zu übersiedeln. Deutschunterricht hatte er noch in Yale genommen. Als er dann nach München kam, schrieb er sich an der dortigen Musikhochschule ein. Sein dortiger Lehrer war Peter Sadlo, der noch unter dem Stardirigenten Sergiu Celibidache im Orchester der Münchner Philharmoniker die Solopauke spielte. Er hatte den jungen Chilenen nachhaltig geprägt. Seit dem Ende des Studiums hatte Gajardo Engagements in München, Wien und in Passau.

Wer nun meint, Pauke sei gleich Pauke, der irrt sich gewaltig. Das erklärt der Neu-Landsberger in wenigen Worten. Es gebe einen großen Unterschied zwischen der deutschen und der us-amerikanischen Tradition dieses Schlaginstruments. Die deutsche Schlagzeugschule gehört zu den bedeutendsten in Europa. „Aber selbst in Wien gibt es eine Tradition, die ein bisschen anders ist als in Deutschland". Amerikanische Schlaginstrumente werden häufig mit Kunststoff überzogen, die europäischen mit gegerbten Tierhäuten. Aber langsam setzen sich die Tierfelle auf amerikanischen Pauken durch. Außerdem befindet sich die große Pauke in Deutschland auf der rechten Seite in den USA auf der linken Seite. Es gibt auch einen Unterschied im Klang zwischen den beiden Traditionen, der Klang in den USA ist eher scharf und direkt in Deutschland eher größer und nicht so unmittelbar, sondern eher etwas verzögert. Die europäische Tradition kommt eher von der Marschmusik. Die USA haben eine Drumline-Tradition. Da ist höchste Genauigkeit in den Tempi gefragt. Amerika ist durch die Rocktradition beeinflusst. Grundsätzlich gilt der Satz, den die Paukisten sowohl in Europa wie in Übersee gerne betonen: „Der Dirigent dirigiert das Orchester von vorne, aber die Musiker hören auf die Pauke, die hinter ihnen geschlagen wird".

Den Lockdown hat er genutzt um eine große Trommel zu restaurieren. Das sieht er als das Positive an der Pandemie. „Man muss einfach schauen, was man daraus machen kann". Auch einige Projekte hat er online veröffentlicht. Der Vergleich von Schlagzeug art zu spielen von drei verschiedene Länder: die USA, Österreich und Deutschland.

Wenn er nicht Musik macht, dann trainiert er für Marathonläufe. „Gerne", wie er sagt, „Richtung Pössinger Au oder nach Augsburg". Manchmal geht's nach Reichling oder Pürgen. Auch eine Art, die Gegend zu erkunden, meint der Paukist. 

Es gibt keine Karten für das Konzert, denn es läuft auf Spendenbasis. Cristóbal Gajardo bittet um Voranmeldung, damit Plätze reserviert werden können. Kontakt unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder mobil unter  0176 874 59 063

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