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"Er hatte sie alle". 50 Interviews, Reportagen, Porträts von den Stones, Kraftwerk, Rio Reiser... vom Dießener Pop-Journalisten Michael Fuchs-Gamböck. Folge 14: Die Toten Hosen. Heiliger Bimbam oder: Der Kirchentest zum Weihnachtsfest mit den Toten Hosen

Die Toten Hosen in den 80ern https://www.dietotenhosen.de/fotos/die-80er-jahre

Folge 14

Sieben Jahre später, pünktlich zum Osterfest, hatten die bösen Buben eine Maxisingle auf den Markt geschmissen, die ein Gemälde von Peter Paul Rubens zierte, auf dem die Kreuzigung Jesu abgebildet war – allerdings mit kleiner Änderung. Anstatt der Kreuzesinschrift I.N.R.I. lasen wir D.T.H. (= Die Toten Hosen), darunter den Titel des Songs: Alles wird gut.

Monsignore Klinkhammer aus Düsseldorf rotierte und geißelte das Cover als Gotteslästerung. „Statt ehrfürchtig zu sein", schäumte er, „versinken diese Menschen in Dreck und Schmutz." So viel Kampfbereitschaft musste einen klerikalen Hintergrund haben, und die „Hosen" hielten damit nicht hinterm Berg. Trini erzählte: „Ich war früher Messdiener und bis zum Vorschulalter bin ich jeden Tag, den ... ähm ... Gott gab, mit meiner Oma zum Frühgottesdienst gestiefelt.

Dann gabs da eine Story, an die ich mich bis heute erinnere. Unsere Klasse hatte einen Religionslehrer namens Scholz. Der warf eines Tages meinem besten Schulkameraden vor, er hätte ihn nicht bei der Morgenmesse gesehen. Ich aber wusste, dass er da gewesen war, und mein Freund sagte die Wahrheit, als er behauptete, er hätte die Andacht besucht. Doch Scholz blickte nicht durch und warf meinem Kumpel vor, dass er ihn anlog. Plötzlich holte Scholz aus und scheuerte ihm eine, dass er über zwei Bänke flog. Nach dieser Aktion war die Glaubensfrage für mich gegessen." Bassist Andi bekannte: „Die meisten von uns kommen aus ziemlich gläubigen Familien. Und für die Eltern von uns war es von Anfang an ein ziemlich harter Schlag, dass wir uns mit der Kirche angelegt haben." Das hatten sie bis dato nämlich alle – bis auf Gitarrero Breiti, der folgerichtig als einzige Tote Hose seine Mittäterschaft an der WIENER- Story verweigert hatte.

Aus folgendem Grund: „Ich bin Christ", sagte er, was man einem Punk kaum abnehmen will. „Deshalb habe ich zwar nichts dagegen, die Kirche zu kritisieren, weil die für mich den christlichen Glauben nicht repräsentiert. Aber ich würde mich nie in irgendeiner Form über Religion lustig machen, weder über christliche noch über jüdische noch über sonst irgendeine."

Campino hingegen meinte: „Die Kirche erinnert mich verdammt oft an die Mafia, die mit allen Tricks versucht, so viel Einfluss wie möglich in diesem Lande zu haben. Ihre ganze Ideologie läuft auf Unterdrückung hinaus – zumindest in Deutschland vermittelt sie kein bisschen Lebensfreude. Du brauchst dir ja nur so manchen Gottesdienstbesucher anzukucken, in welcher demütig-gebückten Haltung der allsonntäglich einläuft! Der kriecht doch mehr, als dass er läuft. Das ist nichts für einen bekennenden Hedonisten wie mich."

Morgen geht's hier weiter mit den Toten Hosen

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