Folge 77: London kann in Island liegen, oder Bjørk ist die Underberg-Fee Bjørk
Bowle also: ein riesengroßer, unförmiger Schweizer mit einem Faible für teure Maßanzüge, die naturgemäß schlecht zu seinem derangierten Körper passen. Er trug den teuren Zwirn dennoch stoisch und mit einer gewissen Würde. Und wenn Bowle sein bezaubernd-schüchternes, etwas linkisches Lachen aufsetzt und zwischen die stets perfekt rasierten Bartteile klemmt, ist eh alles gerettet. Bowle jedenfalls war da, die übliche Verbrüderungs-Umarmungs-Zeremonie begann – Männer begrüßten sich, die wissen, dass sie in den nächsten paar Tagen dem Irrsinn ihrer Branche wie der Welt gemeinsam ins Auge blicken würden. Und die sich exakt darauf freuten. Wir schnappten uns ein Taxi und ließen uns ins Pembridge Court Hotel chauffieren, wie immer, wenn wir gemeinsam in London sind.
Es war später Nachmittag, als wir eincheckten, danach gingen wir für eine Stunde auf unser Zimmer, rauchten, tranken ein bisschen, hauten uns kurze Zeit aufs Ohr. Wir wussten, es würde eine äußerst lange Nacht werden, deswegen bereiteten wir Experten uns entsprechend darauf vor. Gegen sieben Uhr abends trafen wir drei uns in der Hotel- Lobby, um uns gleich darauf ein üppiges Abendessen in einem indischen Restaurant einzuverleiben. Bowle teilte uns währenddessen behutsam mit, dass das Gespräch mit Miranda Sex Garden zumindest für diesen Abend gestrichen war. Bart und ich hatten kein Problem damit, Arbeit hätte diesen launigen Abend unter Freunden garantiert nur gestört.
Um es vorwegzunehmen: Wir haben dieses Interview nie geführt. Es spielte auch keine Rolle. Die Band floppte kolossal, sie war auch nicht sonderlich talentiert und ich hatte keinen Abnehmer für eine Story über sie. Immerhin kriegte ich einige Monate später eine Konzertkritik in einem ordentlichen Magazin unter. Das war mehr, als man bei einer Band mit dem bescheuerten Namen Miranda Sex Garden erwarten durfte. Ich hatte jedenfalls kein schlechtes Gewissen wegen dieser Aktion.
Gegen zehn ließen wir uns via Taxi ins Herz von London chauffieren, stolperten etwas ungelenk die wenigen Treppen in den SM-Schuppen runter – und wurden von rund 500 Menschen erwartet, alle fiebrig auf eine heiße Show, alle fickrig, weil sie zu schnell zu billige und zu schlechte Drogen in sich reingeballert hatten. Ich hatte das alles auf einen Blick durchschaut, doch für mich ging das in Ordnung – ich kenne mich aus mit schlechten, billigen Drogen, auch wenn ich sie nicht mag.
Morgen geht's weiter mit Björk
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