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fsff: Schauspielerin Birgit Minichmayr mit dem Hannelore-Elsner-Preis geehrt. Preisskulptur von Dominik Elstner gestiftet. Von Maren Martell

Birgit Minichmayr mit der drei Kilogramm schweren Skulptur. Foto: fsff/Jörg Reuther

Starnberg – Die international gefeierte österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr hat den diesjährigen Hannelore-Elsner-Preis des Fünf Seen Filmfestivals (fsff) erhalten. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Samstag (21.8) Open Air direkt am Starnberger See überreicht. Stifter des Hannelore-Elsner-Preises ist erstmals Dominik Elstner, der Sohn der im April 2019 verstorbenen Schauspielerin. Gestaltet wurde die vergoldete, drei Kilogramm schwere, einen halben Meter hohe Skulptur in Form einer stilisierten Maske von dem Bildhauer Ruben Zickmann, ein enger Freund von Dominik Elstner. Ursprünglich sollte der Preis von Dominik Elstner persönlich überreicht werden. Dieser hatte sich aber krank entschuldigt. Der Veranstaltung wohnte aber Hannelores Bruder Bernd Elstner bei.

Festivalintendant Matthias Helwig begründete die Preisentscheidung: „Ein Film oder ein Theaterstück mit Birgit Minichmayr ist ein Ereignis, das einem lange im Gedächtnis bleibt. Birgit Minichmayr fasziniert einen sofort mit ihrer Präsenz auf Bühne oder Leinwand, ihrer Stimme und der intensiven Schauspielkunst, die alle Facetten eines Protagonisten punktgenau wiedergeben kann, ob laut oder leise, komödiantisch oder dramatisch, heiter oder traurig, derb oder filigran, gedemütigt oder hochfahrend. In Filmen wie ALLE ANDEREN, GNADE, DREI TAGE IN QUIBERON, DER KNOCHENMANN oder DAS WEISSE BAND, hat sie das Kinopublikum begeistert und wurde bereits mehrfach dafür ausgezeichnet. Es ist dem FÜNF SEEN FILMFESTIVAL eine Ehre, dieser Ausnahme-Schauspielerin für ihre andauernde und ungebrochene Intensität ihrer Darbietungen den Hannelore-Elsner-Schauspielpreis 2021 zu verleihen."

Die Film- und Theaterschauspielerin Bibiana Beglau, die bei den Salzburger Festspielen mit Minichmayr in Schillers Drama MARIA STUART auf der Bühne steht, würdigte ihre Kollegin in einer Videobotschaft als „großartige Künstlerin und feinen Menschen. Es ist ein großes Geschenk, dass ich Dich kenne." Die Bayern2-Kulturjournalistin Jutta Prediger, die den Abend moderierte, hob die herausragenden Leistungen und die darstellerische Wandelbarkeit der 44-jährigen Minichmayr hervor. „Es ist toll, dass Sie da sind, denn Sie stehen fast jeden Abend auf der Bühne." Weiter erinnerte Prediger an die „unvergessliche und unvergessene" Hannelore Elsner. Minichmayr berichtete vor den 500 Festivalgästen von ihren beeindruckenden Begegnungen und ihrer Zusammenarbeit mit Hannelore Elsner, die „wild und intensiv spielen konnte."

Im Anschluss an die Preisverleihung wurde das Schweizer Familiendrama WANDA, MEIN WUNDER von Bettina Oberli gezeigt. Birgit Minichmayr spielt darin mit großer Spielfreude die Tochter des bettlägerigen Rentners und Familienpatriarchen Josef. 2019 war der Hannelore-Elsner-Preis für bedeutende Schauspielkunst erstmals verliehen worden. Erste Preisträgerin war die Ausnahmeschauspielerin Barbara Auer. Im vergangenen Jahr erhielt ihn die international bekannte Schauspielerin Nina Hoss.

Birigt Minichmayr gilt als eine der profiliertesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. In zahlreichen Kinofilmen konnte die 44-Jährige ihr Können auf vielfältige Weise unter Beweis stellen, so in der Roman-Adaption DAS PARFÜM (2006) von Tom Tykwer, in Doris Dörries KIRSCHBLÜTEN HANAMI (2008), in DAS WEISSE BAND (2009) von Michael Haneke, in Wolfgang Murnbergers DER KNOCHENMANN (2009), in Maren Ades ALLE ANDEREN, in GNADE (2012) von Matthias Glasner oder in Greg Zglinskis TIERE (2017). Seit 2014 arbeitet die Österreicherin frei an den renommierten Theaterbühnen in Wien, München, Berlin und Hamburg. Sie spielte unter anderem unter der Regie von Frank Castorf, Klaus Maria Brandauer, Dimiter Gotscheff, René Pollesch, Stephan Kimmig, Luc Bondy und Martin Kušej.

Mehrfach wurde sie ausgezeichnet, unter anderem 2019 mit dem Großen Schauspielpreis auf dem Grazer Filmfestival DIAGONALE, mehrfach mit dem Nestroy-Theaterpreis (2000, 2004, 2009), mit dem Ulrich-Wildgruber-Preis (2003) und der Kulturmedaille des Landes Oberösterreich (2009). Für ihre Rolle in Maren Ades Beziehungsdrama ALLE ANDEREN, in dem sie an der Seite von Lars Eidinger spielte, wurde Minichmayr 2009 von der Berlinale mit dem Silbernen Bären geehrt und zudem Schauspielerin des Jahres. 2013 bekam sie den Kurt-Meisel-Preis und 2018 erhielt sie den Deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle im Romy-Schneider-Porträt DREI TAGE IN QUIBERON von Emily Atef. Jüngst brillierte sie erneut als Sängerin mit ihrer ergreifenden Stimme. Mit dem Pianisten Bernd Lhotzky sowie Quadro Nuevo vertonte sie neun Shakespeare Sonette. Das Debutalbum „As an unperfect Actor" ist gerade erschienen.

Hannelore Elsner war 2011 Ehrengast auf dem Fünf Seen Filmfestival und hat in den folgenden Jahren das Festival wieder und wieder besucht.So entstand eine besondere Bindung zwischen ihr und dem Fünf Seen Filmfestival. Festivalleiter Matthias Helwig: „Hannelore Elsner war nicht nur eine überragende und unvergesslich bleibende Schauspielerin, sondern vermochte vor allem durch ihre Ehrlichkeit und Offenheit zu begeistern. Dass sie als Ehrengast einfach eine Einladung von mir in einen unbekannten russischen Film annahm und dann voller Enthusiasmus mit dem Regisseur debattierte, zeigte ihre Neugierde und ihre stete Suche nach möglichem Leben und Erleben jenseits aller Allüren. Es war für mich fast eine Selbstverständlichkeit, ihr zu Ehren diesen Preis 2019 ins Leben zu rufen."

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