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Grafikdesigner Frank Fienbork stellt im raumB1 aus

„Tonnen" – Eine Ausstellung von Frank Fienbork im raumB1

Frank Fienbork aus Utting am Ammersee ist Grafikdesigner und hat alleine von Berufs wegen einen guten Blick für Details. Er schaut genau hin und findet Schönheit auch an ungewöhnlichen, überraschenden Orten. In seiner Ausstellung „Tonnen" zeigt er Bilder von – ja, von was denn eigentlich? Was haben seine Bilder mit Tonnen zu tun? Was für Tonnen? (Wer sich überraschen lassen will, sollte den Artikel nicht lesen.)

Die Motive könnten gemalt sein, man erkennt unterschiedliche Strukturen, Erhebungen, Vertiefungen, Materialität. Doch bei naher Betrachtung sieht man keine Pinselstriche, keinen Hinweis auf ein mögliches Malmittel. Stattdessen erahnt man an rauen Stellen Organisches und die glatten Oberflächen könnten aus Metall sein? Eventuell entlarvt man die Bilder schließlich als Fotografien, deren Herkunft sich jedoch nicht erkennen lässt.

Achtung, Spoiler: Seine Bilder sind Detailaufnahmen von den flachen Seiten jener Tonnen, die man zum Bau von Schwimmpontons verwendet. Frank Fienbork ist fasziniert davon, was jahrelange Verwitterung mit den Oberflächen gemacht hat. Die gleichbleibende Höhe der Wasserlinie hat die runden Flächen halbiert, wobei die untere, dem Wasser ausgesetzte Hälfte andere Spuren der Verwitterung aufweist als die obere. Jedes Motiv zeigt also eine Patina aus Kalk, Rost, Ablagerungen und Verschmutzung. Jene Formate, die besonders deutlich horizontal halbiert sind, lassen Bilder entstehen, die man am ehesten als Landschaften interpretieren kann. Bei einem Foto wird die Wasserspiegel-Markierung zum Horizont, weiße Ablagerungen zur Schneelandschaft, schwarze Verfärbungen zur Baumreihe und die blaue Farbe der Tonne zum Himmel. Und das hier sieht aus wie ein Vogel – es ist aber nur ein Kratzer. Andere Motive erinnern an Felsen, Berge oder Satellitenaufnahmen. Interessant ist die Dynamik zweier scheinbarer Gegensätze: Man macht den Blick enger, geht ins Detail, gleichzeitig schweift man in die Ferne, erblickt neue Horizonte.

Visuelle Erscheinungen, die durch Zufall entstehen, durch die ungeplante Einwirkung der Natur und des Gebrauchs auf Alltagsgegenstände haben es dem Designer angetan. Für „Tonnen" macht er Momentaufnahmen eines Prozesses der Veränderung, führt sie aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und schafft Raum für neue Sichtweisen. Der Fokus auf Ausschnitte und die damit einhergehende Abstraktion regen die Fantasie an und öffnen Fenster zu neuen, individuellen Interpretationen. Dazu passt eine Aussage von Marcus Aurelius: „Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit."

Was eigentlich Alterserscheinung und Zersetzung ist, hat bekanntlich einen besonderen Charme und Frank Fienborks Tonnen zeigen dies auf ihre Weise. Die spezifische Farbpalette und die Strukturen, die sich über viele Jahre auf den Oberflächen entwickelt haben, bilden einen individuellen Charakter, den eine neue Tonne nicht besitzt. Und so darf man sich durch die Bilder dazu anregen lassen, seinen Fokus bewusst zu verschieben, Details mehr Aufmerksamkeit zu widmen, Veränderung und Verfallsprozesse als Teil des Lebens zu betrachten und Schönheit auch dort zu finden, wo man zunächst keine vermutet.

"Tonnen" – Frank Fienbork

Eröffnung: Freitag 16. September um 18 Uhr

Ausstellungsdauer: 16.09. – 09.10.2022
Öffnungszeiten: So. 14 bis 18 Uhr


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