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"I will clean up Your ears". Gestern spielte der weltberühmte Organist Wayne Marshall beim Orgelsommer in Landsberg.

Wayne Marshall hält die Landsberger Orgel für eine der besten der Welt. Foto: Alois Kramer
Landsberg am Lech – Es ist nicht das erste Mal, dass Wayne Marshall in Landsberg weilt und auf der Orgel spielt. Bereits im Jahr 2005 gehörte der jetzt 60-jährige gebürtige Brite der Jury zum internationalen Wettbewerb "Orgelstadt Landsberg" an. Seither ist der Dirigent, Komponist, Ehrendoktor der Universität Bournemouth, Chefdirigent des WDR-Rundfunkorchesters, Mitglied des "Order of the British Empire" und des Royal College of Music in London mehrmals in Mariae Himmelfahrt aufgetreten. Bereits 2007, 2012 und 2013 konzertierte er in Landsberg. Wie vom Impresario des 36. Landsberger Orgelsommers, Johannes Skudlik, immer zu hören ist, hält Marshall, der zur Zeit auf der Insel Malta lebt und arbeitet, das Instrument der Stadtpfarrkirche neben der Orgel der Westminster Cathedral für die beste der Welt. Ein Lob, auf das die Einwohner mit Recht stolz sein können und das dem jahrzehntelangen Kantor von Mariae Himmelfahrt, Skudlik und seiner Hartnäckigkeit für die ständige Überarbeitung der Orgel zu verdanken ist. Kontinuierlich wurde die musikalische Zierde der Pfarrkirche verbessert. Nun hat Marshall heute wieder mal aufregende Werke der Orgelliteratur interpretiert. Beim Fototermin kurz vor Beginn der Matinee auf der Empore sagte er mit einem Lächeln. "It's getting loud today. I will clean up Your ears." – "Es wird heute laut werden. Ich werde Eure Ohren ausputzen" Das tat er dann auch. Laut wurde es vor allem bei dem vorletzten Stück der Symphonie Nr. 2 von Marcel Dupré. Die Komposition begann mit einem sehr verspielten Preludio, sehr farbig durch die Registrierung mit Flöten, Schalmeien und Oboen. Spannend, wie in der Toccata sich eine Melodielinie im Bass entwickelt. 

Dem Motto "Bach & Bibel" entsprechend gab es eine kleine Meditation vom Landsberger Urgestein Sepp Wörsching. Er brachte die beiden beherrschenden Pole bachscher Musik, das "Jauchzet frohlocket" des Weihnachtsoratorium mit der Johannespassion, dem Leiden des Herrn bis zum Tode in Verbindung. Leider, und das war auch schon beim vorigen Konzert so, war der Sprecher nicht zu sehen. Seine Stimme klang sozusagen aus dem Off. Das ist sehr schade, denn man möchte gerne wissen, wie der Mensch hinter den Worten aussieht. Vielleicht wird es beim nächsten Mal anders. 

Großartig dann Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach (1785 bis 1850) in a-moll, Bachwerkeverzeichnis 543. Ein eminent schweres Stück aus seiner Weimarer Zeit (1708 bis 1717), das durch einen lang anhaltenden Basston charakterisiert ist und durch ungewöhnliche Läufe im Pedal. Hervorragend interpretiert durch Wayne Marshall.

Freilich begann die Matinee mit einem modernen Stück vom kanadischen Komponisten Andrew Ager, das bereits in seinem Titel "Toccata und Fuge" auf die barocke Kompositionstradition verweist. 

Den Schluss krönte eine herrlich farbenfrohe verzierte Improvisation über den Choral von Martin Luther "Eine feste Burg ist unser Gott". Sie schien gar nicht zu enden. Die rund 200 Zuhörer spürten wie sehr sich Marshall freut, auf diesem einzigartigen Instrument zu konzertieren. Übrigens hätten gut und gerne noch 100 Zuhörer mehr den Organisten gehört. Allein Corona ließ es nicht zu. 

Bravorufe, stehende Ovationen und nicht enden wollender Applaus brandete hinauf zur Empore, wo sich Wayne Marshall mit einer tiefen Verbeugung vor dem Publikum bedankte. 

Nächste Woche, Samstag, 24. Juli, spielt Paolo Bougeat aus Aosta ab 11.15 Uhr eigene Werke und Werke von Johann Sebastian Bach. 

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