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"Ich mache ganz normal meine Dienste". Münsterorganist Stephan Ronkov über seine Arbeit in Zeiten von Corona und die Weihnachtsplanung

Stephan Ronkov an seiner dreimanualigen Orgel zuhause. Archivfoto: aloys.news

DießenVielen Menschen hat die Corona-Pandemie einen radikalen Wandel ihrer Arbeitswelt gebracht. Sie dürfen wegen der Ansteckungsgefahr nicht ins Büro und müssen von zuhause aus arbeiten. „Homeoffice" ist neben „Corona", „Virus" und „Pandemie" wahrscheinlich einer der meistgebrauchten Ausdrücke des Jahres 2020. Das Wort, das vor einem Dreivierteljahr noch wenigen Menschen über die Lippen kam, ist nun gängiger Sprachgebrauch. Stephan Ronkov gehört nicht zu denen, die in ihrer Wohnung am Schreibtisch sitzen müssen. Der Münsterorganist ist zwar von der Pandemie betroffen, aber anders als die meisten Menschen. „Ich mache meine Dienste ganz normal, so wie es gerade notwendig ist". Unter „Dienst" versteht der Musiker sein Spiel auf der Orgel in Dießen. In Musikerkreisen spricht man gerne von „Dienst", wenn man zum Beispiel mit dem Orchester, zu dem man gehört, einen Auftritt hat. Ronkov greift regelmäßig in die Manuale der König-Orgel und gelegentlich in den Kirchen St. Johann, St. Georgen und St. Stephan. 

Er befindet sich sowieso meistens allein auf der Empore des Marienmünsters weitab von den Gläubigen im Kirchenschiff, und zieht dort die Register seiner Orgel. Abstand muss er nicht einhalten, den hat der Organist meterweise sowieso. Unten in den Bänken ist Distanzpflicht. „Singen dürfen die Gottesdienstbesucher nicht wegen der beim Singen auftretenden Aerosolen", meint er. Hier springt gerne als Kantorin, das heißt als Vorsängerin, die weltbekannte Sopranistin Juliane Banse ein. Sie intoniert die Kirchenlieder, die für die Messe vorgesehen sind, auf der Empore allein. Das ist eine kreative Art mit Kirchenmusik umzugehen. An der Vorabendmesse zum Fest Christkönig vor wenigen Wochen hat Ronkov den Gottesdienst mit einem Trio begleitet. Eine Sonate von Georg Philipp Telemann kam zur Aufführung. Das Trio bestand aus Blockflöte, Violoncello und Orgel. 

Weihnachten stellt eine besondere Herausforderung für den Musiker dar. Denn das Fest wird sowohl in der evangelischen wie auch katholischen Glaubenstradition traditionell von prächtiger Musik begleitet. Musik, durch die die Geburt des Herrn gefeiert wird. Das funktioniert nur heuer nicht so gut wegen Corona. „An Weihnachten wird's für mich ein bisschen kompliziert. 

Gemeindepfarrer Josef Kirchensteiner hat insgesamt vier Messen im Marienmünster für den 24. Dezember vorgesehen. Um 23 Uhr singt Juliane Banse. Die Gottesdienstbesucher müssen sich anmelden und werden dann auf die Messen verteilt. Platz ist genug da". Am Freitag, 25. Dezember führt Ronkov eine Kammermusikalische Messe auf. Es ist die Pastoralmesse in G-Dur, KV. 140 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die vier Vokalstimmen werden von Lilli Jordan (Sopran), Ulrike Malotta (Mezzo), Moritz Kugler (Tenor)und Matthias Terplan (Bass) gesungen. Dazu kommen noch solistisch die erste und zweite Violine sowie Violoncello und die Orgel. 

„Somit sind das Vokalensemble wie auch das Kammerorchester optimal ausbalanciert", meint er. Soweit hat sich für Stephan Ronkov wenig geändert, bis auf die wöchentlich stattfindenden Chorproben. Die gibt's für den Münsterchor schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Allerdings treffen sich die Sängerinnen und Sänger trotzdem am Mittwochabend zur gewohnten Probenzeit mittels Zoom. „Da geht es darum, regelmäßig Kontakt zu halten und sich nicht aus den Augen zu verlieren. Die bekommen Noten und Einzelstimmen digital eingespielt von mir, die sie zuhause einüben können und wir sprechen beim Meeting darüber. Mal schalten sich mehr Choristen dazu, mal weniger". Zudem gibt er noch Orgel-Unterricht im Münster: „Ich stehe weit genug weg von der Schülerin oder dem Schüler. Das ist kein Problem". 

Weitere Pläne für Konzerte vom rührigen Dießener Musiker gibt es bereits für das nächste Jahr. Im traditionellen Großen Herbstkonzert im Marienmünster dirigiert er die "Paukenmesse" von Joseph Haydn und dazu das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. „Eigentlich hätte ich gerne den „Messias" von Georg Friedrich Händel dirigiert. Aber, wer weiß, wann wir wieder proben können. Daher der Beethoven. Der ist durch Corona dieses Jahr viel zu kurz gekommen", resümiert er zum 250. Geburtstag des Komponisten. Solist im Beethoven-Konzert ist Ulrich König vom Ensemble Lodron. Mit ihm hat er einen Musiker gewonnen, der seit viele Jahren den Dießener Münsterkonzerten treu ist. Auch ein Konzert in der fränkischen Stadt Dinkelsbühl soll es im Jahr 2021 geben. Es sollte ursprünglich im Juni diesen Jahres mit dem Landsberger Oratorienchor aufgeführt werden. Im Programm steht im Vordergrund die cis-moll Messe von Louis Vierne. Skudlik ist der Organisator dieses Konzertes und seit über 35 Jahren des bestehenden „Landsberger Orgelsommers".

 Als Konzertsolist wird Stephan Ronkov unter anderem in St. Marien in Marburg und St. Gumbertus in Ansbach an der bedeutenden Wiegleb-Orgel auftreten und wenn ein Ende der Pandemie in Sicht ist, in Florenz.


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