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„Kunst hält Wache“ startet Kunstausstellung „Holzwege“ und Sommerbühnenprogramm mit Lyrik, Musik, Comedy, Improtheater und Feuertanz im Frauenwald bei Landsberg.

Malerei von ERWA alias Vincent Gohlich. Foto: Maren Martell

Landsberg am Lech – Der Dachboden wird zu einem lichtdurchfluteten Traumort, aus Ton werden Szenerien vom Paradies bis zum Inferno erstellt, raumgreifende Installationen führen die unvereinbare Vereinbarkeit von Stillstand und Hyperaktivität vor Augen. In der historischen Alten Wache im Landsberger Frauenwald setzen sich zwölf Künstler aus Berlin, München, Wien, Norwegen und der Region mit dem heute so brisanten Thema Nachhaltigkeit auseinander. Auf 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind in den rund 30 Räumen des alten Wachgebäudes einer ehemaligen Munitionsfabrik der Nazis vom 5. bis 15. August 2021 Objektkunst, Zeichnung, Video, Installation, Fotografie und Projektion zu sehen. An dem Ausstellungsprojekt „Holzwege", das Kunst hält Wache im Landsberger Kultursommer veranstaltet, beteiligen sichDoris Trummer aus Schondorf, die koreanische Künstlerin Lee Jiyoun, die in München und am Starnberger See lebende Multimediakünstlerin Manuela Hartel, der Wiener Fotograf Michael Goldgruber, die Münchner Künstler Rita Hensen, Andreas Stetka, Po Zilz und Tam Tam, der Berliner Multimediakünstler Markus Butkereit, der Dießener Bildhauer Matthias Rodach sowie aus Wien Bruno Hoffmann und aus Norwegen Valentin Manz. Allen Künstler wurde angeboten, einen eigenen Raum zu gestalten. Die Ergebnisse sind größtenteils hierzulande noch nicht zu sehen gewesen und „spannen gemeinsam ein weites Netz aus Assoziationen, in dem sich die Alltagslogik verfängt".

Kurator Janos Fischer: „Der Begriff „Nachhaltigkeit" ist vage und vieldeutig. Aber er meint etwas Gutes. Etwas, das uns helfen soll, besser mit der Welt zurecht zu kommen. Etwas, das einen Weg aus der verfahrenen Situation weisen soll. Etwas, das uns aus dem Schlamassel, das wir angerichtet haben, herausführen soll. Es herrscht allgemeine Ratlosigkeit: was ist mit uns passiert? Wie sind wir an den Rand des Abgrunds geraten? Wir fühlen uns bedroht, und am Horizont türmen sich immer mehr dunkle Wolken auf. Woher kommt die Bedrohung? Die Antwort ist einfach: sie kommt aus uns selber. Wir Menschen bedrohen uns selbst."

Außerdem werden in der Ausstellung die Ergebnisse der Kunst hält Wache- Workshops für Jugendliche präsentiert, so von dem Foto-Workshop mit dem international bekannten Fotografen Noah Cohen, von dem Comic-Workshop mit dem Landsberger Illustrator Paul Rietzl und der Kunst-Workshop mit der Inninger Künstlerin Leila Morgenstern.

Zudem hat Kunst hält Wache junge Künstler eingeladen, sich mit eigenen Projekten an der Kunstausstellung zu beteiligen. So sind in den Räumen der Alten Wache die eindrucksvollen Arbeiten von Vincent Gohlich (ERNA), Johanna Krach und Lennart Möller sowie Fabian Husel zu sehen.

Parallel zur Ausstellung veranstaltet Kunst hält Wache ein Sommerbühnenprogramm ein mit Lyrik, Party, Improtheater, Poetry Slam, Konzert, Comedy und Musiksatire. Auftakt macht DJ Rupen am Donnerstag, 5. August. Der Global Beat Guru legt dann seinen einzigartigen Mix aus Global Pop, Oriental, Latin, Afro, Cumbia und Balkan Stiles auf. Am 6. August entführt der in der Region beliebte Cantador Ricardo Volkert sein Publikum in die Gassen des Südens mit andalusischen Volksliedern, Poesie und Flamenco.Im Anschluss veranstaltet die mehrfach preisgekrönte Poetin Leni Gwinner einen offenen Poetry Slam zum Thema Nachhaltigkeit (bewerben kann man sich unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) .

Am 7. August laden die beliebten Landsberger ImproLLetten zum Improtheater ein, im Anschluss daran sorgt das Duo Birkett Hall mit Akustik-Folk-Rock ordentlich für Stimmung.Der Sonntag, 9. August steht im Zeichen der Poesie und des Feuers. Der deutsche Lyrikpapst Anton G. Leitner und Freund*innen präsentieren „Sommerliebe, Poesie zur schönsten Jahreszeit". Im Anschluss wird eine spektakuläre Show mit Feuertanz, Feuerjonglage und Körperfeuer geboten. Am 12. August veranstaltet das irisch-walisische Duo Mark `n Simon ein Comedy-Feuerwerk, bei dem „kein Auge trocken bleibt". Am 13. August bringt der junge erfolgreiche Singer-Songwriter Jakob Mühleisen die Augen zum Leuchten und lässt die Magie des Moments erleben. Davor spielt Nico Schestak mit seiner melodischen Stimme Pop, Dance und Deephouse. Eine Video Performance mit DJ Abend veranstalten Poly Plex & Krach – Caiva & Massagio am 14. August. In Songs, Lyrik und klassischem Kabarett beleuchten die „Veilchen" mit Sybille Engels, Monica Calla und Jan Jankovic am 15. August die lyrische Seite der Macht. Aus den Dekamerones von Oskar Maria Graf liest der Theater- und TV-Schauspieler Robert Valentin Hofmann im Anschluss. Die junge Poetin Anna Münkel liefert dazu Alltagslyrik aus „Lachen geht immer". Zum Abschluss der Bühnentage von Kunst hält Wache wird am 15. August das Filmporträt „Könnte besser nicht sein" über behinderte Menschen von der Schauspielerin und Regisseurin Mirjam Kendler und Fabian Exter gezeigt. Im Anschluss stehen beide zu einem Filmgespräch mit dem Publikum bereit.

Ausstellung und Bühnenprogramm vom 5. bis 15. August 2021. Alte Wache, Celsiusstraße/Ecke Siegfried-Meister-Str., Landsberg, Frauenwald

Achtung, die genauen Uhrzeiten und weitere Infos: www. kunst-haelt-wache.de. Alle Veranstaltungen sind kostenlos!

Die Künstler der Ausstellung „Holzwege"

5. bis 15. August 2021 in der Alten Wache im Landsberger Frauenwald

Doris Trummer aus Schondorf verwebt organisches Material von märchenhafter Zartheit in menschliche Bekleidung, die in ihrer Verletzbarkeit beim leisesten Zugriff wie eine Fata Morgana sich auflösen würde, und mit leiser Stimme über Schönheit und Bedrohung erzählt.

Die koreanische Künstlerin Lee Jiyoun hat in Paris und München studiert, ihr Blick richtet sich auf das Abgenutzte und Unbrauchbare im täglichen Leben. Ihren Fundstücken gibt sie die verlorene Achtung wieder und formt aus ihnen eine neue Gegenwelt, die nicht mehr den Gesetzen der Ökonomie unterworfen ist.

Manuela Hartel ist Multimediakünstlerin und Performerin. Sie lebt und arbeitet in München und am Starnberger See. Für die Ausstellung hat sie sich den imposanten Dachboden ausgesucht, den sie mittels 15 000 Lumen in einen neuen Traumort verwandeln wird.

Michael Goldgruber ist ein Fotograf aus Wien, der mit seinen Arbeiten in der ganzen Welt unterwegs ist, von Moskau bis New York. Seine Bilder entstehen auf ausgedehnten Exkursionen. Ihr Thema ist die Stille, die Größe und Erhabenheit der Natur, die gewaltig und zugleich schutzlos ausgeliefert wortloses Staunen erzeugt.

Andreas Stetka aus München erforscht mit Geduld und Ausdauer die Widersprüche des Alltäglichen. Mit einem stets neu formulierten Regelwerk gelangt er unbemerkt in Zwischenwelten, die leise sprechen und keine Konformität kennen. Unter seinen Händen kann eine Steuererklärung sich in ein hypnotisches Mandala verwandeln, die Blindenschrift zu den Augen sprechen.

Po Zilz (München) baut aus Ton Szenerien, die in ihrer Komplexität vom Paradies bis zum Inferno reichen. Eine Arche Noah von bedrohlich und zerbrechlicher Irrealität, grotesk, unüberschaubar, beunruhigend.

Markus Butkereit ist ein Multimediakünstler aus Berlin. Seine öffentlichen Projekte waren u.a. in Göteborg, Paris und Rom zu sehen. Butkereit stellt die Welt auf den Kopf. Mit Humor und freundlicher Ironie treibt er den Zufall auf die Spitze, dekonstruiert die Ordnung und dreht Wissen in Spekulation. Für die Ausstellung wird er eigens einen Film drehen.

Matthias Rodach aus Diessen wird eine ausgreifende Rauminstallation zeigen, die sinnfällig die unvereinbare Vereinbarung von Hyperaktivität und Stillstand vor Augen führt.

Valentin Manz lebt in Norwegen und arbeitet seit langem mit Künstlern und Wissenschaftlern am Thema Nachhaltigkeit. Er korrespondiert mit der Zukunft. Was sie auf unsere Fragen für Antworten bereit hält, darüber wird man spekulieren können.

Rita Hensen In diesem Raum entdecke ich rechts, fest an der Wand, ein etwa türgroßes Holzbrett mit lauter unterschiedlich großen runden Löchern. Von ihrer bestimmten Funktion und Ursache befreit, bilden sie nun eine kosmische Ordnung und weiten den Raum, nach außen ins große Ganze und nach innen in unsere Vorstellungskraft. Aus dieser Besonderheit entwickele ich vor Ort eine
Wandzeichnung. Löcher sind Öffnungen sind Punkte sind Anfänge zu Entwicklungen zu Linien zu Richtungen. Sehen Sie selbst, wie hier weitere Agenzien von Offenheit, Empathie und Freiheit
sprechen. Räume sind bewohnbar, wenn manchmal auch nur für Augenblicke.

Aus der TAM TAM Gruppe kommen unter anderem Matthias Stadler und Christian Öttinger. Sie beschreiten den Holzweg um die Wache und heizen drinnen fleißig ein

Außerdem mit dabei: Bruno Hoffmann aus Wien.

Im Rahmen der Ausstellung werden zudem die Ergebnisse der Workshops mit Jugendlichen präsentiert.

Weitere Infos:

www.kunst-haelt-wache.desowie auf facebook und instagram

Kontakt Franz Hartmann: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

#kunsthältwache #kunstundnachhaltigkeit #KS2021LL #NeustartKultur

Der Kultursommer Landsberg 2021 #KS2021LL wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert. 

Achtung Explosionsgefahr: Die Arbeit "Dynamisches Gleichgewicht" von Markus Butkereit. In der Ausstellung ist sie als Videoprojektion zu sehen. Foto: © Butkereit

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