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Landsberger Kulturverein «dieKunstBauStelle». Überraschungen am „Tisch der Generationen“ Landsberg: generationsübergreifender Austausch über den Schulanfang mit der Privatlehrerin von Goebbels Kindern in Bekenntnisklassen

Rechts im Hintergrund fotografiert Initiator Wolfgang Hauck. Foto: Conny Kurz

Landsberg am Lech/Augsburg – „An meinem ersten Schultag wurde ich als Nicht-Katholischer in einer Klasse untergebracht mit den Kindern aller Zwangsarbeiter und Flüchtlinge. Meine Lehrerin kam direkt vom Berghof, wo sie die Privatlehrerin von Goebbels Kindern gewesen war. Von uns gingen dann aber wesentlich mehr Kinder ins Gymnasium als aus der katholischen Parallelklasse" erinnerte sich einer der Teilnehmer des Tischs der Generationen an seinen 1. Schultag 1955 zur Zeit der Bekenntnisklassen. Ein 1961 Eingeschulter erzählt von seiner riesigen Schultüte und von der Strafe des Podest-Kniens. „Da ich zudem Ministrant war und damit ständig knien musste, sind meine Knie heute ruiniert und ich bekomme von der Kirche monatlich 300 Euro Schmerzensgeld deswegen". Eine 1941 geborene Dame konnte sich an ihren ersten Schultag gar nicht mehr erinnern, weil der im unter Trümmern begrabenen Berlin keine besondere Relevanz hatte. Dafür aber waren ihr die von den Amerikanern für deutsche Kinder eingerichteten Freizeit-Clubs in guter Erinnerung, in denen ihr viel beigebracht worden war.

Zu der von Wolfgang Hauck vom Landsberger Verein „dieKunstBauStelle" initiierten Veranstaltung am vergangenen Wochenende waren insgesamt 14 Teilnehmer von 16- 80 Jahren zum zwanglosen Austausch zusammengekommen. Aus Landsberg und Schondorf wurden Teilnehmer diesem hybriden Format per zoom zugeschaltet. Wegen Abstandsregelungen war die Veranstaltung kurzfristig statt in Schondorf beziehungsweise Landsberg in den Bahnpark Augsburg verlegt worden. Die Einstieg waren die Fragen zum ersten Schultag oder das Vorgehen bei der Berufswahl, aber auch das „größte Geschenk" oder „das Wichtigste in meinem gegenwärtigen Leben". Dabei stellte sich heraus, dass auch Vertreter derselben Generation das gleiche Ereignis sehr unterschiedlich erlebt hatten und der Austausch darüber ihren Horizont erweiterte. Die Jüngeren kamen bei den Erzählungen aus dem Staunen kaum heraus: Der von den Anwesenden um seinen Beruf beneidete Lokführer war nur rein zufällig zu dieser Tätigkeit gekommen: „Als ich von der Schulabschlußzeugnisvergabe kam hing da ein Plakat, dass Lokführer gesucht werden. Da habe ich mich dann beworben und es ein Leben lang gerne gemacht". 

Kein Praktikum, keine Beratungen und keine langen Planungen: Der 30-jährigen This, der sich gerade im Stadium der Familiengründung befindet, kommentiert sichtlich verblüfft: „Ich habe meine Berufsentscheidung jetzt erst gerade getroffen und weiß nicht, wie lange ich das machen werde." „Ein sehr bereichernder Austausch" kommentiert Projektleiter Wolfgang Hauck. Er plant, dieses hybride Format in Coronazeiten vermehrt anzubieten. „Gerade für Senioreneinrichtungen ist diese Art des sozialen Austauschs im Moment ideal." Das Vorhaben wurde durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) finanziert. Bei der Technik konnte der Verein auf neue Tabletts, Kameras und Ausstattung zurückgreifen, die ebenfalls von der DSEE gefördert wurden.

Nun soll trotz den Einschränkungen durch Corona der Gesprächsfaden der Generationen nicht nur aufgenommen, sondern intensiviert werden. Der Bedarf in Schulen aber auch den Seniorenorganisationen ist besonders groß, aber auch die Hemmechwellen zur Kontaktaufnahme. Deswegen wurde bereits Gespräche mit den Gymnasien in Landsberg und Seniorenorganisationen geführt, um die nächsten Fortsetzung in Landsberg und Schondorf sind in Planung. Interessierte Einrichtungen und Personen können sich melden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Links unten auf dem Bildschirm Leopold Ploner und Adela Ploner. Foto: Conny Kurz
Maggie Jane aus Greifenberg, Foto: Conny Kurz

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