Tutzing – Nichts deutet von außen auf die bunte Zauberwelt hin, welche die Besucher bei Dr. Dieter Mueller-Harju in Tutzing erwartet. Er lebt im zweiten Stock eines unscheinbaren Wohnblocks mit zwei Dutzend Parteien und kann, wenn er an seinem Schreibtisch sitzt, hinaus auf den Starnberger See schauen. Faszinierender als dieser Blick ist aber das farbenfrohe Sammelsurium in sämtlichen Räumen: Unzählige Bilder und Bücher, Figuren und Musikinstrumente, Spiegel und Souvenirs aus aller Welt hängen, liegen und stehen im Reich dieses liebenswerten Lebenskünstlers.
Mit seiner Mütze und dem charakteristischen Bart wirkt er wie eine Mischung aus dem bayerischen König Ludwig und dem argentinischen Revolutionär Che Guevara. Der 69-jährige ist Autor, Betriebswirt, Maler, Musiker, Soziologe und Psychologe und sagt "Karriere hat mich nie wirklich interessiert!" Dass er trotzdem promovierte und zehn Jahre lang als Dozent an der Universität Frankfurt zu Themen wie Unternehmenskultur und Berufswahl forschte und lehrte, lag schlicht daran, dass ihm die Arbeit Spaß machte.
Nach seiner Tätigkeit in Frankfurt eröffnete er 1991 eine Praxis für Lebenswegberatung und schrieb Bücher über "Acht Schritte in ein neues Leben", über Beruf und Lebenssinn sowie über das Leben seiner schwerkriegsbeschädigten Mutter Agnes. Sein aktuelles Werk "Adonis Adamos - auf der Suche nach der geheimnisvollen Skala des Mannes" ist vor wenigen Tagen erschienen. "Die 388 Seiten sind fast ein Märchen für Erwachsene", so der Autor.
Seine erste Veröffentlichung als 26-jähriger hatte den Titel "Surreales aus der Wirklichkeit - als die Gedanken laufen lernten". Quer zum Mainstream zu denken, war ihm immer wichtig "und ich finde es schade, dass durch die Diskussionen der vergangenen Monate Querdenker zu einem Schimpfwort geworden ist". Außer seinem neuen Buch hat er auch eine CD mit eigenen Kompositionen mit dem Titel "Lebens-Zeit" produziert. Das erste Lied kann als Statement des umtriebigen Künstlers gelten: "Ich liebe mein Leben" singt er und ist sich bewußt, dass er mit seiner Leichtigkeit des Seins bei manchen Zeitgenossen Argwohn weckt. "Die finden mich anstrengend und fühlen sich überfordert!"
Seine Bilder nennt Harju "Malographien" und gibt ihnen Titel wie "Ausflug des Mondelephanten an den Odys-See". In der Tradition Joseph Beuys "Jeder Mensch ist ein Künstler" entwickelte er für sich ein Verständnis von Kunst, bei dem es nicht um die Erfüllung bestimmter Regeln, Stile und Techniken geht, sondern um das Influsskommen schöpferischen Potenzials. "Ich sehe mich als Brückenbauer zwischen Wissenschaft, Kunst und Spiritualität im Alltags- und Berufsleben und darüber hinaus."
Leben ist für ihn das einzig wahre Kunstwerk und so ermutigt er Menschen, den Künstler in sich zu entdecken, sensibel zu werden für die eigenen Sehnsüchte, um ihnen Lebensräume und Wege zu öffnen. Sein eigener Weg führte ihn von seinem Geburtsort Andernach am Rhein über Frankfurt nach Griechenland, Indien, Thailand, Amerika, Spanien, Marokko, Kroatien und andere Länder bis zum Starnberger See, wo er seit 2004 das Erlebte in seinen Kunstwerken verarbeitet.
Er spüre tiefe Dankbarkeit für sein Leben, sagt er und genießt es am liebsten bei einem gepflegten Guinness-Bier zur Musik seiner Lieblingsband Jethro Tull. "Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute", zitiert er den irischen Satiriker und Pazifisten Bernard Shaw, "seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben!"
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