2 Minuten Lesezeit (379 Worte)

„Es sieht nicht japanisch aus. Doch in Wirklichkeit habe ich noch nie so etwas Japanisches gemacht", schreibt Vincent van Gogh. Die Nr. 6 des "Kunstfensters" beschäftigt sich mit fernöstlicher Malerei.

Bei genauerer Betrachtung kristallisieren sich vor allem durch die flächigen Formen japanische Einflüsse in der Malerei des Dießener Künstlers Martin Gensbaur heraus. Foto: Martin Gensbaur

Dießen – Die Japanmode, auch „Japonismus" genannt, war Ende des 19. Jh. dabei, die Sichtweise der westlichen Welt zu revolutionieren. Nachdem Vincent van Gogh bei dem Kunsthändler Siegfried Bing japanische Farbholzschnitte kopiert hatte, verlässt er im Frühjahr 1888 Paris. „Mein Japan" soll er ausgerufen haben, als er das erste Mal die Fenster seines neuen Refugiums in Arles öffnete. Das war vor mehr als 130 Jahren. Der „Blutstropfen", der laut Siegfried Bing damals in das Blut der europäischen Malerei „eingedrungen" war, wirkt bis heute. „Es sieht nicht japanisch aus. Doch in Wirklichkeit habe ich noch nie so etwas Japanisches gemacht", schreibt Vincent van Gogh in einem seiner Briefe. Die Japanbegeisterung unserer Vorfahren wurde nach der Jahrhundertwende von der Bewunderung chinesischer Kunst abgelöst. Clara Gensbaurs Aufsatz im Heft Nr. 6 der Reihe "Kunstfenster" befasst sich mit der Entstehung der ostasiatischen Kunstgeschichte in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Großonkel des Dießener Künstlers Martin Gensbaurs wanderte nach dem Ersten Weltkrieg nach Tokio aus und versorgte die Familie mit nicht wenigen Erinnerungen an Japan. Der Japonismus und die Chinabegeisterung unserer Vorfahren wirken bis heute nach und gewinnen in Zeiten der Globalisierung erneut an Bedeutung. Unser heutiges Sehen besitzt, auch wenn wir selbst nie im fernen Osten gewesen sind, Einflüsse der ganz anderen Kultur Ostasiens. Die Bilder Martin Gensbaurs sehen europäisch aus. Sie sind aber nicht völlig unabhängig von der Kunst Ostasiens. 

Dem gehen die Herausgeber Ulrike und Martin Gensbaur in der 6. Ausgabe der Schriftenreihe "Das Kunstfenster" nach. Als Gäste beteiligen sich der Uttinger Maler Dieter Finzel, der mehrere Jahre bei einem japanischen Meister ausgebildet wurde und die taiwanische Berg-Wasser-Malerin Jiang Sanshi. Das Buch ist im scaneg-Verlag München erschienen. ISBN 978-3-89235-246-4

Corona hat die ursprüngliche Planung leider über den Haufen geworfen. Eine für den Frühsommer 2020 geplante Ausstellung mit dem Titel "mein Japan" wurde ebenso abgesagt wie eine parallel dazu vorgesehene Ausstellung in München. Ob und in welcher Form je eine Ausstellung zu dem Thema des Hefts Nr. 6 vom "Kunstenster" stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen. Das Kunstfenster in der Hofmark befindet sich zur Zeit im "Standby- Modus" und empfängt Besucher nur nach vorheriger Anmeldung.

Kunstfenster, Hofmark 13, 86911 Dießen / www.kunstfenster-diessen.de / 08807948088

Das Kunstfenster in der Dießener Hofmark ist der Ausstellungsraum des Malers Martin Gensbaur. Foto: Martin Gensbaur

Ort (Karte)

0
Schatten aus Wien, Oberstdorf, Landsberg, Bregenz....
Starnberger Jugendlicher durch Messerstiche schwer...

Ähnliche Beiträge

 

Kommentare 1

Gäste - tristan tröger am Freitag, 20. November 2020 18:00

vielen dank für diesen interessanten artikel. tt

vielen dank für diesen interessanten artikel. tt
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Dienstag, 28. September 2021

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://aloys.news/

Beliebteste Artikel

15. Oktober 2020
Kultur
Landsberg am Lech –  Seit mehr als 40 Jahren ist Johannes Skudlik Kantor an der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg. Seit 1984 gibt es den „Landsberger Orgelsommer". Die Kon...
4664 Aufrufe
27. September 2021
Aktuelles
Ammersee West – Der Sommer ist vorbei, aber es gibt noch schöne Tage. Daher informieren wir Sie wieder auf aloys.news wie warm oder auch wie kalt aktuell die Seen sind. Die Temperaturen können an...
4614 Aufrufe
09. April 2021
Aktuelles
Landkreis Landsberg am Lech – Antigen-Schnelltests haben ihren Namen daher, weil das Ergebnis schnell vorliegt. Sie können nur durch geschultes Personal durchgeführt werden – dafür wird ähnlich w...
3878 Aufrufe
23. Juni 2021
Aktuelles
Starnberg/Herrsching – Folgende Pressemitteilung bekam aloys.news gestern von der Gemeinde Herrsching: Liebe Bürger*innen, derzeit häufen sich wieder die Hinweise auf Zerkarienbefall bei Badenden. Vor...
3219 Aufrufe
15. August 2021
Meinung
In eigener Sache – Es wird keinen Lockdown mehr geben, versprechen uns die Politiker. Statt dessen kommt 3G. Gekauft, gekühlt, getrunken? Schön wär's. Geimpft, genesen, getestet. Ich als Eure Gastgebe...
2994 Aufrufe