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"Nürnberger Klassik Open Air 2021" und "Stars im Luitpoldhain" finden nicht statt. Die weltberühmte Dießener Sopranistin Juliane Banse äußert sich im Interview mit aloys.news zu dieser Absage

Juliane Banse wohnt am Ammersee. Foto: Susie Knoll

Dießen – Bis zu 80.000 Menschen kommen jährlich zu den Klassikveranstaltungen "Nürnberg Klassik Open Air" und "Stars im Luitpoldhain" in Nürnberg. Voriges Jahr sagten die Organisatoren wegen der Corona-Pandemie die beiden Festivals ab. Vor kurzem verkündete Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König das Aus für die beliebte Veranstaltung heuer. Drei Konzerte mit klassischer Musik hätten am Samstag, 24. Juli, Sonntag, 25. Juli, sowie am Samstag, 7. August stattfinden sollen. Das Sicherheits- und Hygienekonzept sah einen komplett parzellierten, umzäunten Luitpoldhain vor. Statt Zehntausender Besucher sollten maximal 8.000 Gäste sich auf dem Freiluftareal versammeln. Mit 140.000 Quadratmeter Fläche hätte es genügend Platz mit genügend Abstand für das Publikum gegeben. Allerdings wurde dann die Zahl der Besucher auf 1.500 beschränkt.

Alois Kramer von aloys.news hat die Dießener Sopranistin Juliane Banse um eine Stellungnahme gebeten. Lesen Sie im Folgenden das Interview mit der weltberühmten Künstlerin.


aloys.news: Sie haben sich auf Facebook zu der Absage von "Nürnberg Klassik Open Air" geäußert?

Juliane Banse: Ja, das habe ich,beziehungsweise teile ich immer mal kluge Beiträge von Kollegen, oder eben diesen Beitrag über den Luitpoldhain. Gerade jetzt, wo die Fussballstadien voller Fans ausser Rand und Band sind, erscheinen solche Entscheidungen umso absurder. Es wird immer noch ignoriert, dass viele Künstler am existentiellen Abgrund stehen!


aloys.news: Ihre Künstlerkollegin Anne-Sophie Mutter wurde vor einiger Zeit zu einer Talkrunde zugeschaltet, in der es um Corona und Konzerte ging.

Juliane Banse: Es gibt inzwischen ungefähr sechs oder sieben große Studien zur Ansteckungsgefahr in Konzerten. Das Ergebnis ist, dass die Gefahr gegen Null geht! SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hielt Anne-Sophie Mutter in der Talkshow dann entgegen, dass diese Studien nicht belastbar seien, da. die Leute sich bewußt besonders sorgsam verhalten hätten, weil sie beobachtet wurden.

Was sollen wir dann von den Fans in den Fußballstadien halten? Hier gibt es kaum Sanktionen bei Verstößen gegen die Hygieneregeln. Wir sehen jetzt natürlich auch bei der Europa-Meisterschaft, dass die Inzidenzen steigen, wenn die Fußballfreunde aus den Stadien wieder nach Hause kommen. Das ist ja nur logisch, wird aber von der Politik einfach unkommentiert hingenommen.


aloys.news: Sie meinen, es wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Juliane Banse: Aber sicher. Die UEFA hat doch unglaublich viel Geld. Da sind wir Kulturschaffende kleine Lichter. Unsere Lobby ist viel zu unwichtig. Am Mittwochabend kamen 65000 Zuschauer ins Wembley-Stadion in London. Haben Sie einen Maskenträger gesehen? Ich nicht. Mitte August startet die Deutsche Bundesliga ihre neue Saison. So weit ich das mitbekommen habe, lassen die einzelnen Bundesländer bis zu 25.000 Besucher in die Sportarenen.


aloys.news: Sie waren mit Ihren Äußerungen was die Pandemie betrifft, bisher immer sehr zurückhaltend, .

Juliane Banse: Stimmt. Ich bin auch nicht so betroffen wie andere Kollegen und empfinde mich als sehr privilegiert durch meine Professur am Mozarteum in Salzburg. Aber das ändert ja nichts am Sachverhalt. Es gab ja zum Beispiel die Popularklage der Vereinigung „Aufstehen für die Kunst" , die vom Verwaltungsgericht sofort abgeschmettert wurde. Den Kollegen ging es nur darum, zu klären, warum während des „Lockdown light" alles mögliche öffnen durfte, nur die Theater und Konzertsäle nicht. Aber das war auch den Medien auch nur eine Randbemerkung wert. es geht um etwa 1,2 Millionen Beschäftigte in dieser Branche.


aloys.news: Frau Banse, ich bedanke mich für das Gespräch.  


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