Landsberg – Alex Dorow ist in seinem Büro – gleichsam über den Dächern von Landsberg und doch im Herzen der Lechstadt. Er teilt sich die Räumlichkeiten an der Ludwigstraße mit seinem Bundestagskollegen von der CSU, Michael Kießling. Der ehemalige Moderator vom Bayerischen Fernsehen und studierte Historiker ist gut gelaunt.
aloys.news: Anpacken statt Ankleben ist ihr Motto auf Wahlplakaten, das ist eine eindeutige Botschaft?
Alex Dorow: Ja, durchaus. Ich halte das Ziel, das die Klimakleber, wie sie gemeinhin genannt werden, vertreten, definitiv für ein Zukunftsthema. Aber sie erweisen damit der guten Sache einen Bärendienst. Denn ich kann nicht aufgrund privater Vorstellungen andere Menschen nötigen, in Gefahr bringen oder einfach Gesetze brechen. Ich fand diesen Slogan, der übrigens nicht von mir persönlich stammt, deswegen auch so passend, weil er eigentlich von einem Hersteller von Solarpaneelen stammt. Der hat sich massiv geärgert über die Klimakleber und diesen Slogan dann irgendwann an die Öffentlichkeit gebracht. Begründung: Angesichts des Fachkräftemangels, den wir haben, wäre der ganzen Sache viel mehr geholfen, wenn die Aktivisten ihm helfen würden, die Solarpaneele aufs Dach zu bringen, antstatt sich sinnlos festzukleben. Ich finde das eine sehr einleuchtende Begründung.
aloys.news: Die CSU im Landkreis Landsberg und im Wahlkreis Fürstenfeldbruck-West der dazu gehört, ist gut aufgestellt. Es hängt mit Ihrer Person zusammen und natürlich auch mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Kießling
Alex Dorow: Das ist richtig. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander und arbeiten eng zusammen. Ich bin auch einer seiner Stellvertreter als Kreisvorsitzender. Michael Kießling macht eine sehr aktive Politik und wir sind bestens vernetzt im Landkreis. Wir ergänzen uns gegenseitig.
aloys.news: Eine Ihrer neuesten oder jüngsten Aufgaben ist, dass Sie zum medienpolitischen Sprecher ihrer Landtagsfraktion ernannt worden sind. Worin besteht die Aufgabe genau?
Alex Dorow: Die Fachsprecher sind das Sprachrohr ihrer jeweiligen Fraktion zu den Verbänden und in die Öffentlichkeit. Das geht in meinem Fall vom politischen Tagesgeschäft bis hinein in die Kreativwirtschaft. Gleichzeitig führen die Fachsprecher in der Regel den Vorsitz der jeweiligen Arbeitskreise, in meinem Fall also jenen des AK Medien. Wir alle wissen, dass wir eine sehr vielfältige Medienlandschaft haben. Das ist zunächst einmal ein Vorteil, bedarf aber auch einer ständigen Anpassung an die Erfordernisse der Zeit. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind eine Säule der Demokratie, strukturell aber auch ein ausgesprochen altes Konstrukt aus der Nachkriegszeit des letzten Jahrhunderts. Gleichzeitig hat jeder Bürger die Pflicht, unabhängig von seiner Nutzung einen nicht gerade geringen Monatsbeitrag zu zahlen. Ich denke, dass die Öffentlich-Rechtlichen mittlerweile einfach zu teuer geworden sind. Es geht aber ausdrücklich nicht darum, sie abzuschaffen – das wäre das Kind mit dem Bade auszuschütten. Eine der großen Stärken der öffentlich-rechtlichen Medien ist zum Beispiel das Korrespondentennetz. Das ist unbedingt erhaltenswürdig. Aber andererseits müssen wir klar und verständlich machen, dass die Berichterstattung vielfältiger und weniger einseitig sein muss und dass wir zwar an den Strukturen sparen müssen, aber nicht am Inhalt.
aloys.news: Denken Sie da an einen bestimmten Zeitraum?
Alex Dorow: Ich denke, das ist eine Zukunftsaufgabe, die nur mittelfristig gelöst werden kann. Da dies Entscheidungen erfordert, die von den Ländern nur im Einvernehmen, sprich einstimmig getroffen werden müssen, wird das nicht einfach. Dazu müssen diese Entscheidungen mit den privaten Medien, die mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Medienlandschaft geworden sind, abgestimmt werden. Da wartet in den nächsten Jahren eine Herkulesaufgabe auf uns.
aloys.news: Sie kennen ja die Rundfunk Landschaft und die Fernsehlandschaft in- und auswendig da Sie sehr viele Jahre als Moderator im bayerischen Fernsehen zu sehen und zu hören waren.
Alex Dorow: Ja, das ist bei dieser Aufgabe natürlich ausgesprochen hilfreich. Wir werden nicht darum herumkommen, dass wir bei den Strukturen zusammenlegen, Synergien schaffen. Das Einsparpotential auf diesem Gebiet ist enorm. Ich hielte es aber für einen großen Fehler, bei den Mitarbeitern zu sparen, die zuallermeist ausgezeichnete Arbeit machen.
aloys.news: Was sind die Schwerpunkte Ihrer Landtagsarbeit?
Alex Dorow: Da ist einmal der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst. Dazu gehören die Universitäten, die Wissenschaftler, aber auch die Bühnen, der Film und die Künstler. Besonders die Künste sind ein schwieriges Feld, weil diese während Corona unfassbar gelitten haben. Da ist noch längst nicht alles ausgestanden. Andererseits hat dies für mich auch zu neuen Kontakten geführt, für die ich sehr dankbar bin. Das zeigt mir, dass Politik nicht zwangsläufig eine trockene Geschichte sein muss. Da gibt es Schicksale, die einem wirklich zu Herzen gehen. Kurz gesagt, wir brauchen Wissenschaft und Kunst in ihren verschiedensten Ausprägungen und die Wissenschaftler und Künstler sind das Tafelsilber einer Gesellschaft.
aloys.news: Sie haben mit Wissenschaftsminister Markus Blume ein besonderes Projekt nach Landsberg gebracht
Alex Dorow: Ja, sie meinen das Technologie-Transfer-Zentrum in Landsberg. Das ist wirklich eine Entscheidung, für die ich sehr sehr dankbar bin. Wir hatten über 80 Bewerbungen für die TTZ's, aber zunächst nur 13 Standorte zur Verfügung. Dass es mir gelungen ist, es nach Landsberg zu holen, auch mithilfe von Markus Blume, dafür bin ich sehr dankbar. Für Landsberg mit seiner überwiegend mittelständisch geprägten Wirtschaft ist das TTZ ein handfester Standortvorteil, weil es eine sehr gezielte Förderung der Strukturen bedeutet. Hier wurde nicht mit der Gießkanne, nach dem Motto, jeder bekommt ein bisschen was, gearbeitet. Es geht hier vorzugsweise um die beiden Felder Autonome Systeme einerseits und Data Science andererseits. Wir können damit gerade den mittelständischen Firmen, die wir hier haben und die sehr positiv auf das Angebot reagiert haben, sehr gezielt helfen. Hinzu kommt, dass unser kongenialer Partner die Technische Hochschule Augsburg ist, auf diesem Gebiet definitiv eine der besten Adressen in ganz Deutschland.
aloys.news: Ein weiterer Schwerpunkt ist die Europapolitik?
Alex Dorow: Ja, das ist eine interessante Geschichte, weil viele sich wundern, dass man Europa einen so hohen Stellenwert in Bayern einräumt. Gefühlt ist Europa ja eigentlich weit weg. Was viele nicht wissen: Über 70 Prozent aller Gesetze, die wir in Bayern umzusetzen, haben kommen aus Brüssel. Das ist manchmal Fluch und Segen zugleich: Einerseits ist nach den zwei Weltkatastrophen im vergangenen Jahrhundert Europa ein unverzichtbares Friedensprojekt. Es hat uns fast acht Jahrzehnte Frieden in Freiheit beschert. Aber natürlich gibt es auch Schwierigkeiten und Stolpersteine, wo es zwickt und wo Europa sich vielleicht manchmal Dinge anmaßt, die besser ein oder zwei Ebenen tiefer vor Ort gelöst werden könnten. Da pochen wir Bayern dann auf unser Subsidiaritätsrecht und sprechen gegebenenfalls eine entsprechende Rüge aus.. Wir versuchen immer, eine direkte und konstruktive Lösung zu finden und sehr oft gelingt das auch. Die bayerische Vertretung in Brüssel ist dementsprechend auch kein überflüssiger Luxus, sondern als Präsenzvertretung Bayerns dringend notwendig. Ich gebe Ihnen ein aktuelles Beispiel: Vor drei Jahren hat Brüssel versucht, die Einheimischenregelung beim Baurecht zu kippen. Wir leben hier in Südbayern ja in einem bevorzugten Gebiet, wo sehr viele wohnen möchten. Entsprechend astronomisch sind die Preise bei den Grundstücken. Das so genannte Einheimischenmodell, das es seit Jahren gibt, ist eine bayerische Spezialität. Es soll gerade den Kindern von Einheimischen ermöglichen, dass sie dort, wo sie aufgewachsen sind, vielleicht mal ein Grundstück erwerben oder bauen können. Die EU hat das damals anders gesehen, die haben das als eine Diskriminierung von Nicht-Einheimischen definiert. Sie wollten das Einheimischemodell schlicht streichen. Wir haben dann da wirklich fast drei Jahre lang diskutiert, gekämpft und Verbündete gesucht und zum Schluss konnte alles durch Überzeugungsarbeit zum Wohle Bayerns gerettet werden. Das bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass in der Politik jeder neue Tag eine neue Chance ist, etwas im Sinne der Bürger zu erreichen.
aloys.news: Herr Dorow, ich bedanke mich für das Gespräch.
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