Dießen/Berlin – Zehntausende von Wissenschaftler*innen sind überzeugt, dass uns nur noch wenige Jahre bleiben, um den Klimawandel abzubremsen. Andernfalls würde eine „Heißzeit" die menschliche Zivilisation, wie wir sie kennen, zerstören, fürchtet der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Die gewaltigen Feuersbrünste in Kalifornien und Australien geben einen Vorgeschmack ebenso die Stürme oder die Überflutung im Ahrtal. Dürreperioden gefährden die Versorgung mit Trinkwasser und den Anbau von Nahrungsmitteln und können Milliarden von Menschen das Leben kosten. Trotzdem ändert sich kaum etwas. Abgesehen von Lippenbekenntnissen, Aktionismus und Umweltkosmetik haben die Politiker*innen wenig zu bieten. Daran hat auch die Bewegung Fridays for Future wenig geändert.
Auf die Frage, warum diese Kluft zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Handeln besteht, gibt das Buch „Das Klima des Kapitals", das soeben im Dietz-Verlag Berlin erschienen ist, ein paar Antworten. Der Sammelband wird von Valeria Bruschi und Moritz Zeiler herausgegeben und enthält Aufsätze zur Umweltzerstörung, Klimawandel und den Folgen aus einer dezidiert linken Perspektive. Für die Autor*innen steht fest, dass der Kapitalismus der wesentliche Treiber ist. Denn in einer Marktwirtschaft wird nicht für den unmittelbaren Bedarf produziert, sondern es geht darum, immer mehr Waren zu verkaufen und der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen. Wachse oder weiche lautet das Prinzip. Es basiert darauf, mehr und/oder günstiger herzustellen, als die Konkurrenz, auf Kosten der menschlichen Arbeitskraft und der Natur, wie Karl Marx bereits vor mehr 150 Jahren feststellte.
Die Autor*innen behandeln den exzessiven Raubbau durch die kommerzielle Landwirtschaft, den Krieg um seltene Erden und die politische Ökologie von Großbränden. Sie setzen sich mit den Perspektiven gewerkschaftlicher Umweltpolitik und den Arbeiter*innen als Subjekten der Veränderung auseinander oder beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Marx zur Ökologie. Kritisch unter die Lupe genommen werden die Grünen als zahme Bio-FDP sowie ein Green New Deal, der bestenfalls zur Modernisierung des Kapitalismus führt, jedoch keinen Ausweg aus der Klimakrise bietet. Peter Bierl und Jan Hoff aus Dießen setzen sich mit der Legende von der Überbevölkerung (Bierl) sowie ökosozialistischen Tendenzen (Hoff) auseinander. Die Autor*innen plädieren für eine Produktion, Verteilung und Konsum nach menschlichen Bedürfnissen und in respektvollem Umgang mit der Natur.
Valeria Bruschi & Moritz Zeiler (Hrsg.), Das Klima des Kapitals. Gesellschaftliche Naturverhältnisse und Ökonomiekritik, 2022, Dietz Verlag Berlin, 312 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-320-02391-1. Mit Beiträgen von Martina Backes, Maximilian Becker, Peter Bierl, Valeria Bruschi, Mike Davis, direction f, Alexander Dunlap, Silvia Federici, Julia Fritzsche, Ehrenfried Galander, Jan Hoff, Daniel Hofinger, Stefanie Hürtgen, Guillaume Pitron, Nora Räthzel, Christian Schmidt, Rainer Trampert und Markus Wissen.
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