Landsberg am Lech – Den FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Heubisch treffe ich am Nachmittag auf dem Parkplatz vor einer Landsberger Gastwirtschaft, wo er am frühen Abend einen Wahlkampfauftritt für seine Partei hat. Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister (2008 bis 2013) unter Seehofer telefoniert noch. Er sitzt selbst am Steuer seines Wagens. Im Biergarten findet das Interview mit aloys.news stattfindet. Dr. Heubisch ist unkompliziert.
aloys.news: Sie sind mit Ihren 77 Jahren eigentlich doch schon im Ruhestand und machen trotzdem immer noch Politik?
Dr. Heubisch: Naja ich bin ja auch relativ spät in die Politik eingestiegen nachdem ich 25 Jahre in meiner eigenen Zahnarztpraxis tätig war. Also absolut gesehen bin ich noch gar nicht so lang in der Politik und könnte doch noch mal fünf Jahre drauflegen. Ich bin fit, Politik macht mir Spaß und deshalb habe ich mich entschieden noch mal für die Liberalen hier in Bayern anzutreten.
aloys.news: Sie sind ohne Chauffeur nach Landsberg gekommen?
Dr. Wolfgang Heubisch: Ich bin einer der Vizepräsidenten des bayerischen Landtags und da unterscheide ich genau zwischen meiner Aufgabe als Vizepräsident und meiner Parteiarbeit. Bei auswärtigen Terminen fahre ich selbst.
aloys.news: Kommen wir zur Causa Aiwanger. Ihr Fraktionsvorsitzender Martin Hagen hat sich ja eindeutig positioniert gegen Aiwanger.
Dr. Wolfgang Heubisch: Klar haben wir die gleiche Auffassung. Man kann ihm in der Tat nichts vorwerfen und für die Verfehlungen vor 35 Jahren wird man ihn schwer im Verantwortung ziehen können, obwohl ich schon sagen muss, so ein menschenverachtendes Pamphlet hab ich noch nie gelesen. Als ich es gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken runter gelaufen, Aber er hätte sich in einer Form entschuldigen müssen, die diesem Fall auch angemessen ist. Das vermisse ich sehr. Jetzt wollen wir auch mal schauen, was er denn als Wirtschaftsminister gemacht hat und da hab ich große große Zweifel, dass er wirklich Leistung gebracht hat. Wenn ich allein daran denke, dass er Demonstrationen gegen Stromleitungen organisiert hat, damit die großen Stromleitungen nicht nach Bayern kommen, da leiden wir heute noch drunter. Sein Auftritt in Erding ist auch nicht gut bei unseren Partnern angekommen und das ganze Verhalten Aiwangers ist seinem Amt als Wirtschaftsminister in Bayern in keiner Weise angemessen. Daher kann ich nur dringend Ministerpräsident Söder raten Herrn Aiwagner in der neuen Regierung nicht mehr zu übernehmen.
aloys.news: Wie sieht die Zukunft der FDP in einer möglichen Koalition mit der CSU aus, wenn die Freien Wähler tatsächlich nicht so erfolgreich sein sollten, wie sie sich das wünschen?
Dr. Wolfgang Heubisch: Für diese Frage bedanke ich mich. ich will mich hier nicht in Spekulationen ergehen, sondern deutlich machen, dass es möglichst eine Koalition aller bürgerlichen Elemente sein sollte. Also ganz grundsätzlich ist es für mich vorstellbar.
aloys.news: Sprechen wir über den Bereich Bildung der liegt Ihnen auch sehr am Herzen.
Dr. Wolfgang Heubisch: Was mir in diesen Zeiten besonders am Herzen liegt, ist das absolute Bekenntnis zu den Grundwerten der Menschen. Das Individuum steht bei uns in der Mitte mit möglichst breiter Entfaltungsfreiheit, das ist das Ziel. Dazu kommt unser Bekenntnis zu den Klimazielen von Paris. Aber natürlich brauchen wir eine Entwicklung in Bayern, die auch in Zukunft unsere Arbeitsplätze sichert. Dazu gehören Investitionen in Innovation. Wir müssen beispielsweise in Künstliche Intelligenz investieren, das ist ja ein ganz wichtiger Bereich. Bildung ist zum einen natürlich die Schule und ich finde dass in Bayern eine ganz schlechte Schulpolitik gemacht wurde in den den letzten fünf Jahren. Wir haben viel zu wenig Lehrer und wir haben große Probleme, dass wir überhaupt die jungen Leute überzeugen können, dass das ein wunderbarer Beruf ist. Wir müssen mehr Eigenverantwortung in die Schulen geben, die müssen mehr selbst entscheiden können und neben der Schule natürlich auch die Universitäten hier gibt ein paar Hausaufgaben zu machen. Wir haben ja mit der TU München und der LMU München zwei Exzellenzuniversitäten. Aber es gibt auch noch andere wunderbare Hochschulen im ganzen Freistaat Bayern.
aloys.news: Noch ein Wort zur Ampel.
Dr. Wolfgang Heubisch: Ich bin auch sehr unglücklich, dass die Ampel so viel streitet aber andererseits muss ich sagen Gott sei Dank ist Christian Lindner für die FDP als Finanzminister dort vertreten, denn sonst gäbe es Land unter. Ich möchte das so plastisch formulieren. Es ist gut, dass Lindner den Wünschen der einzelnen Ressortchefinnen und -chefs auch deutlich entgegen tritt. Ohne Lindner gäbe es in der Bundesregierung ein totales Chaos und mit Lindner sehe ich eine gute Zukunft und es dauert bestimmt nicht mehr allzu lange, bis man seine Leistung auch ganz ganz offen anerkennt. Noch was: Landesvorsitzender Martin Hagen kommt am Samstag, 7. Oktober nach Landsberg zum FDP-Infostand. Die Bürgerinnen und Bürger können mit ihm von 10 bis 14 Uhr in's Gespräch kommen.
aloys.news: Dr. Heubisch, ich bedanke mich für das Gespräch.
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