Die Pressekonferenz des Kanzler, bei der es ja eigentlich um seine Aussagen gehen sollte, machte abermals deutlich, dass ihm beziehungsweise seinen Beratern schöne Bilder genau so wichtig sind. Sie wurde nicht einfach im dafür errichteten „Briefing center" neben dem Hotel abgehalten, so wie das Angela Merkel 2015 getan hatte, sondern auf einer Wiese mit Hotel Elmau im Hintergrund in Szene gesetzt. Dafür waren eigens an die zweihundert Sitzkissen angekauft (geliehen?) worden, auf denen die Journalisten Platz nehmen konnten. Hätte das Wetter nicht mitgespielt, wäre der ganze Aufwand umsonst gewesen.
Der Kanzler nahm nun nicht etwa den kürzesten Weg vom Hotel zu seinem Rednerpult, sondern marschierte stattdessen mit drei Mitarbeitern zügigen Schrittes fast einen halben Kilometer ein Sträßchen entlang, so dass die Fernsehkameras ihn dabei filmen konnten und die Fotografen mit ihren Teleobjekten Fotos von dem dynamischen Team schießen konnten.
Wie bereits gesagt, war auch die Pressekonferenz eine Inszenierung, doch der Hauptdarsteller blieb blass. Was der Kanzler sagte, hatte alles Hand und Fuß, aber er tat es in einem so nüchternen, völlig emotionslosen Ton, als ginge es um Änderungen im Steuerrecht. Seine Gesten beschränkten sich auf ein paar knappe Handbewegungen. Er hielt sich streng an sein Manuskript und las mehr ab als dass er frei sprach. Selbst bei wichtigen Aussagen hob er nicht die Stimme. Als es um die militärische Unterstützung der Ukraine ging und er sagte: „Wir liefern Waffen, was viele andere Staaten tun", wurde er sogar leiser, anstatt diese Aussage zu betonen.
Der Kanzler hatte auf der Pressekonferenz natürlich nichts Neues mitzuteilen, sondern fasste zusammen, was die Staats- und Regierungschef in einem 28 Seiten langen Communiqué niedergelegt hatten. Drei Botschaften gingen von dem Gipfel aus: Die G7 steht in ihrer Unterstützung für die Ukraine zusammen – Die G7 bekämpft den Hunger in der Welt gemeinsam – Die G7 wird ihre langfristigen Aufgaben nicht aus dem Blick verlieren.
In der Fragerunde wurde der Kanzler etwas lebendiger, hielt sich aber seine Methode, Fragen nicht wirklich zu beantworten, sondern auf schon Bekanntes zu verweisen und bei heiklen Themen, ließ er den Frager einfach abblitzen. Beim G7 Treffen war zwischen den Staatschef auch darüber gesprochen worden, dass die Ukraine nach dem Krieg, wenn es zu einem Friedensschluss mit Russland gekommen sei, Sicherheitsgarantien erhalten müsse, um vor einem erneuten Angriff sicher zu sein. Als eine Journalistin fragte: „Könnten Sie die Sicherheitsgarantieren für die Ukraine konkretisieren", antwortete der Kanzler mit einem kurzen „Ja" und fügte nach einer gewissen Pause mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Das könnte ich". Dann erneut Stille. Sein Pressesprecher Steffen Hebestreit machte das Spiel geschickt mit und gab dem nächsten Sprecher das Wort und die Fragerin stand etwas düpiert da.
Nach einer halben Stunde waren längst nicht alle Journalistinnen und Journalisten ihre Frage losgeworden, auch der Berichterstatter von Aloys News nicht. Mit einem leichten Donnergrollen im Hintergrund und ersten Regentropfen hatte der Pressesprecher einen guten Grund, die Befragung des Kanzlers zu beenden. (Die Pressekonferenz samt der Fragen ist auf der Internetseite „Die Bundesregierung" als Video verfügbar, Länge 45 Minuten)
Auf die Frage, die ich dem Kanzler gerne gestellt hätte, werde ich in einem ausführlicheren Bericht zum Ergebnis des G7 Teffens zurückkommen. Sie lautet: „Warum hat Putin von sich aus nicht Deutschland schon längst den Gashahn zugedreht?". Wenn man darüber nachdenkt, erkennt man den entscheidenden Schwachpunkt in der westlichen, speziell der deutschen Strategie in der Auseinandersetzung mit Russland im Ukrainekrieg.
Hans Dieter Sauer berichtete exklusiv für aloys.news vom G7-Gipfel in Elmau. Der Dipl.-Phys. lebt in Pähl
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