Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Landsberg: Avigdor Neumann aus Israel erzählt online wie er das Grauen überlebt hat.

Der gebürtige Tscheche Avigdor Neumann kam mit 13 Jahren ins Konzentrationslager. Bildschirmfoto: aloys.news

Landsberg am Lech – Bundesweit und international wird am heutigen 27. Januar an die Opfer das Nationalsozialismus erinnert. An diesem Tag vor 76 Jahren befreite die russische Arme überlebende Juden im Konzentrationslager Auschwitz. Birkenau, Bergen-Belsen und Auschwitz sind nicht nur Ortsnamen sondern stehen für das schlimmste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte. Auch in Landsberg fand eine Gedenkfeier statt, einem Ort, der wie Kaufering mit seinen Außenlagern in die Vernichtungsmaschinerie der Nazis integriert war. Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl, ihr Kollege aus Kaufering, Erster Bürgermeister Thomas Salzgeber, sowie die evangelische Pfarrerin von Landsberg Jutta Krimm begingen die Feier am Mahnmal für den Todesmarsch von Juden am 28. April 1945 heute vormittag an der Neuen Bergstraße. Der ging auch durch die Lechstadt. Wegen Corona wurde das Gedenken online abgehalten. Etwa 44 Teilnehmer aus Israel, USA, Landsberg und München verfolgten live an ihren Bildschirmen die Feier. Moderiert hatte sie Stefan Albrecht, die Online-Gedenkfeier eröffnete Michael Imhof vom Verein "Gedenken in Kaufering". Erschütternd die Worte von Avigdor Neumann, der Auschwitz überlebt hatte. Er sprach online zu den Teilnehmern aus seiner Wohnung in Israel. Als 13-Jähriger wurde er zunächst ins KZ Birkenau verschleppt. Mit ihm dabei sein großer Bruder und sein Vater. In ergreifender Nüchternheit und nahezu perfektem Deutsch erzählte der gebürtige Tscheche, Jahrgang 1931 von der Ankunft im Konzentrationslager. Drei Tage reisten er und etwa 80 bis 100 andere Juden ohne Licht, Wasser und Toiletten in einem Waggon, um in Birkenau sofort in zwei Lager geteilt zu werden. Frauen und Kinder wanderten vom Zug direkt in die Gaskammern, er kam mit anderen arbeitsfähigen Männern als erstes in ein Waschhaus und wurde neu eingekleidet, nachdem sie stundenlang nackt in der Kälte ausharren mussten. Im Jahr 1945 befreiten ihn die Amerikaner in Mauthausen. Vater und Bruder wurden von den Nazis erschossen. Er geht zurück in seinen Heimatort in der Tschechei und trifft dort seine Schwester wieder. Beide beschließen nach Israel auszuwandern. Heute ist er stolz auf seine zwei Kinder, sieben Enkel und 30 Urenkel. Doch abschließend bemerkt er: "Meine Rache an Hitler ist dass wir einen starken Staat haben und eine starke Armee". Wenn es ihm möglich ist, kommt er einmal im Jahr nach Kaufering mit anderen Überlebenden der Shoah, geht in die Schulen und erzählt jungen Menschen von seinem Schicksal. 

Der Münchner Rabbiner Steven Langnas konstatierte, dass Erinnern und Gedenken einen eher abstrakten Charakter besitzen, wogegen Gedenkveranstaltungen konkret seien, weil sie mit Mühe und Arbeit verbunden sind. Schließlich erzählt Rabbi Langnas von der Geschichte eines jungen jüdischen Mädchens das bei einer Kontrolle durch die Gestapo durch den Mut und die Entschlossenheit ihres deutschen Sitznachbarn auf wundersame Weise gerettet wurde. 

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