Offener Brief vom Schondorfer Gemeinderat Rainer Jünger: "Schondorf ertrinkt in der Blechlawine. Laut Professor Kurzak kann nur eine Entlastungsstraße das Problem nachhaltig lösen".

Der Verkehr ist zu hoch in Schondorf, konstatiert Rainer Jünger. Foto: Rainer Jünger

Schondorf – Durch den Vortrag von Prof. Dr-Ing. Harald Kurzak habe ich mich in der Gemeinderatssitzung am 24. März vollumfänglich bestätigt gesehen. Die sehr hohe Anzahl an Fahrzeugen, die durch unser Dorf fahren, sind der Kern unseres Verkehrsproblems an der Staatsstraße. Die schiere Masse an Fahrzeugen, die täglich in Schondorf hinein und hindurch fahren, ist weit und breit einzigartig, im ganzen Landkreis haben nur die A96 und die B17 mehr Fahrzeugbewegungen täglich zu bewältigen. Seit den letzten ca. zwei Jahrzehnten ist der Verkehr von 13.000 auf 17.000 Fahrzeuge täglich angestiegen, das ist ein Zuwachs von 30 %. Die Verkehrsprognosen sagen voraus, dass der Zuwachs genau so weiter geht. Die rege Bautätigkeit in den Ammersee Gemeinden lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Übrigens wurde die Verkehrszählung im Corona-Sommermonat August durchgeführt, in dem bereits viele Menschen in den Ferien waren und durch die Pandemiebeschränkungen viele Bewohner des Ammersees im Homeoffice gearbeitet haben. Die Vermutung liegt auf der Hand, dass die realen Zahlen noch höher sind.

Wir wünschen uns zurecht mehr Aufenthaltsqualität im Ortskern, mehr Sicherheit und Bewegungsfreiheit für alle Verkehrsteilnehmer, besonders für Junge und Alte und natürlich weniger Lärm- , Schadstoff- und Feinstaubemissionen. Jedoch handelt es sich um eine Staatsstraße und die Regelungen sind hier sehr klar, Geschwindigkeitsreduzierungen sind z.B. nicht möglich.

Prof. Kurzak hat keinen Zweifel daran gelassen, dass diese Ziele nur durch eine einzige Maßnahme erreicht werden können: den Straßenverkehr um Schondorf herum zu führen. Natürlich sind begleitende Maßnahmen sinnvoll, um den Verkehr erträglicher zu machen, jedoch bleiben diese nur Kosmetik, solange das Grundproblem nicht gelöst ist. Die Blechlawine muss sich reduzieren!

Hierfür gibt es zwei Varianten:

Erstens die klassische Umfahrung bei der am nördlichen Ortsrand der Verkehr Richtung Westen abgeleitet, um Schondorf herum geführt und dann in Süden wieder auf die Staatsstrasse zurückgeleitet wird. Laut Prof. Kurzaks Studien würden auf diese Weise 9000 Fahrzeuge täglich umgeleitet werden, die Entlastung wäre bei dieser Variante am höchsten.

Die zweite Variante ist die so genannte Kamm-Erschließung, bei der der Verkehr parallel zum See natürlich in deutlicher Entfernung, vorbeigeleitet wird. Die Hälfte dieser Strasse ist bereits gebaut: Die Strasse von Entraching bis zur Rotterstasse in Dießen. Für die nördliche Weiterführung gibt es mehre Optionen, die weder durch Siedlungsgebiet noch durch naturschutzrechtlich relevante Bereiche führen würden. Diese Variante würde Schondorf um 7000 Fahrzeuge täglich entlasten, etwas mehr, wenn wir innerorts das Tempo reduzieren würden und so die Umfahrung attraktiver machen, weil man dort zügiger voran kommt.

Auch beim Straßenbauamt in Weilheim, das für die Straßen des Freistaates Bayern zuständig ist, hat eine Umfahrung bereits eine hohe Priorität! Warum wir noch nicht längst eine wirksame Verkehrsentlastung in Schondorf haben, liegt gemäß deren Auskunft hauptsächlich an der Unentschlossenheit der Kommunalpolitik, die das Projekt bisher nicht entschlossen genug vorangetrieben hat. Nach mehrfacher Rücksprache mit unserem Stimmkreisabgeordneten aus dem Landtag, Alex Dorow, würden wir an dieser Stelle mit Unterstützung rechnen können, denn über diese Projekte wird in München entschieden. Herr Dorow hatte mich in der Vergangenheit bereits zu Vor-Ort Terminen mit dem Straßenbauamt Weilheim mitgenommen. In diesen Gesprächen haben die Mitarbeiter die beschriebene Varianten aufgezeigt und die hohe Priorität hervorgehoben.

Als erster Schritt sollte eine Planung in Auftrag gegeben werden, die entweder das Straßenbauamt Weilheim durchführt, jedoch ist die Auslastung der Mitarbeiter sehr hoch. Alternativ könnte ein externes Planungsbüro diese Aufgabe übernehmen. Die Planungskosten würde zu 90 % der Freistaat Bayern tragen und nur zu 10 % die Gemeinde Schondorf. Maßnahmen, die mal längst hätte auf den Weg bringen können. Gerade bei der großen Lösung wäre es sehr sinnvoll die anderen Gemeinden mit ins Boot zu holen.

In Pähl z. B. konnte die Entlastungsstraße von der Entscheidung bis zur Fertigstellung in 8 Jahren realisiert werden.

Die neue Entlastungsstraße würde dann die St2055 sein und die Uttinger- bzw. Greifenbergerstraße würde dann keine Staatsstraße mehr sein, wodurch wir als Entscheidungsträger in der Kommune volle Gestaltungsmöglichkeit hätten, wie Geschwindigkeitsregulierungen, Fahrrad- und Fußwege oder Oberflächenbelege. Wenn der Durchgangsverkehr nicht mehr durch Schondorf fließt, könnte ich mir sogar einen „Shared Space" im Ortskern vorstellen, bei einer Ortsdruchgangsstraße halte ich dieses Konzept aus Sicherheitsgründen für nicht umsetzbar, denn wer nur durchfährt hat weniger Verständnis und Rücksicht für andere Verkehrsteilnehmer. Entschleunigende Maßnahmen werden die Wirksamkeit einer Entlastungsstraße laut Prof. Kurzak noch erhöhen. 

Herzliche Grüße,

Rainer Jünger

Schondorf, 26. März 2021

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Kommentare 1

Martin Gensbaur am Samstag, 03. April 2021 07:07

Über Entlastungsstrassen der Gemeinden Schondorf, Utting UND auch Dießen muss endlich ernsthaft gesprochen werden! Danke für den wichtigen Impuls!

Über Entlastungsstrassen der Gemeinden Schondorf, Utting UND auch Dießen muss endlich ernsthaft gesprochen werden! Danke für den wichtigen Impuls!
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