Gilching – Volles Haus, konzentrierte Aufmerksamkeit und eine zentrale Botschaft: Demokratie entsteht nicht abstrakt – sie wächst im Alltag. In Familien, Kitas, Schulen und Kommunen. Unter dem Titel „Familie macht Politik" diskutierten am Freitagabend im Rathaus Gilching Autorin Caro Matzko, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag Katharina Schulze, Gilchings Bürgermeisterkandidatin Melanie Kude sowie Rebecca Albat, stellvertretende Vorsitzende des Starnberger Familienbeirats und Unternehmensberaterin für Organisations- und Personalentwicklung, darüber, warum Familienpolitik immer auch Demokratiepolitik ist.
Durch den Abend führte Lilian Boehme, politische Kommentatorin und Moderatorin des Formats Klartext mit Lilly, die das Podium mit persönlicher Erfahrung als dreifach Mutter, pointierten Fragen und klarer Haltung zusammenführte. „Als ich noch keine Kinder hatte, war ich die perfekte Mutter. Dann kam das erste Kind – und diese Perfektion löste sich auf wie angeschlonzter Zwieback." Gerade deshalb, so Boehme, sei es entscheidend, dass Menschen mit echter Familienpraxis in Räten und Parlamenten vertreten sind.
Die Organisatorin des Abends, Gemeinderätin und Sozialreferentin Diana Franke (Bündnis 90/Die Grünen), setzte gleich zu Beginn den Rahmen: „Demokratie passiert nicht irgendwo da draußen. Sie passiert am Küchentisch, in der Kita, in der Schule – und in den Entscheidungen unserer Kommunalpolitik."
Das Podium war ausschließlich weiblich besetzt – ein bewusstes Signal und zugleich ein Spiegel der Realität. Gilching hatte seit 1946 noch nie eine Bürgermeisterin, im Gemeinderat stellen Frauen nur rund ein Drittel der Mitglieder.
Autorin und Moderatorin Caro Matzko, die kurzfristig für die erkrankte Natascha Sagorski eingesprungen war, brachte ihr Buch „Alte Wut" mit und sprach über politische Prägung im familiären Kontext: „Wenn wir Kindern Demokratie beibringen wollen, müssen wir sie ernst nehmen und ihnen zuhören. In vielen Familien wirkt ungelöste Wut aus früheren Generationen fort – sie schlägt schnell in Angst und Radikalisierung um.
Katharina Schulze lenkte den Blick auf das oft übersehene Engagement von Frauen: „Viele Frauen sind längst politisch aktiv – im Elternbeirat, im Sportverein, in der Nachbarschaftshilfe. Aber den Schritt in die formelle Politik schaffen noch zu wenige. Genau das wollen wir ändern." Familienpolitik dürfe sich nicht in Appellen erschöpfen, betonte Rebecca Albat: „Der Familienbeirat gibt jenen Familien eine Stimme, die selbst keine Kraft mehr haben, laut zu sein. Solche Strukturen sind die Grundlage für echte demokratische Mitbestimmung."
Die kommunale Perspektive brachte Melanie Kude ein. Sie hob die Bedeutung von Begegnungsorten hervor: „Wer sich engagieren soll, braucht Räume. Ein Bürgerhaus stärkt den sozialen Zusammenhalt und schafft Raum für Beteiligung." In einem persönlichen Schlusswort sagte sie: „Ich bin in die Politik gegangen, weil ich meinem Kind die Zukunftsangst nehmen will. Lasst uns gemeinsam eine gute Zukunft gestalten."
Ein Grußwort sprach Bejamin Barho, Landratskandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Als einziger Mann auf der Bühne betonte er den Perspektivwechsel: „Eine Situation, die Frauen umgekehrt nur zu gut kennen. Familie ist vielfältig – und Demokratie braucht mehr Menschlichkeit. Auch von Männern."
Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie viel Kompetenz, Erfahrung und Gestaltungskraft Frauen in politische Debatten einbringen – und wie zentral Familien für eine lebendige Demokratie sind.
Wer über Demokratie spricht, muss über Familien sprechen. Und wer Teilhabe stärken will, braucht Strukturen, Zeit und Räume – konkret, vor Ort und im Alltag.
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