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Wolf Harlander: Hitze und Durst allerorten. Ein Interview mit dem Autor von Michael Fuchs-Gamböck

Wolf Harlander hat es mit seinem ersten Roman schnell in die Sp Foto: Harlander

Dießen/München – „Ganz Deutschland auf der Suche nach der wichtigsten Ressource der Welt - Wasser". So wird der Debütroman von Wolf Harlander, „42 Grad", beinahe marktschreierisch beworben. Allerdings ist das Thema des Buchs dermaßen brisant und radikal zeitgemäß, dass man ihm mit Hype oder Hysterie als Verkaufsargument nicht beikommen kann. Der Thriller spricht in seiner Direktheit und gelegentlich Gnadenlosigkeit für sich selbst.

Worum geht es? Um Hitze und um Durst, vereinfacht ausgedrückt. Doch während von drückender Sonnenbestrahlung viel zu viel existiert, gibt es in dieser 520-Seiten-Kladde von kühlendem Nass stetig weniger. Eine fatale, für die Menschheit extrem belastende Situation.

Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein während des beschriebenen Jahrhundertsommers: Volle Freibäder allerorten, mehr als laue Sommernächte Tag für Tag. Die Menschen in Europa, speziell in Deutschland, sind rundum glücklich. Bis Waldbrände außer Kontrolle geraten, aus manch Wasserhahn nur mehr müdes Getröpfel plätschert. Statt uneingeschränkter Lebenslust herrscht plötzlich die nackte Panik in der Bevölkerung.

Was nach einem düsteren,… nun ja…, trockenen Sachbuch klingt, ist tatsächlich fernab davon: Hoch-spannende Belletristik, die mitreißt. Was vor allem daran liegt, dass die nicht wenigen fiktiven Protagonisten die Handlung in die verschiedensten Richtungen vorantreiben. Bis zum überraschenden Showdown, der an dieser Stelle selbstredend nicht verraten wird.

Geboren wurde Wolfgang Zdral (so sein ziviler Name) 1958 in Nürnberg. Er studierte Journalistik, Politik und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München – wo er übrigens bis heute mit seiner Frau zu Hause ist. Nach dem Volontariat bei einer Tageszeitung und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule arbeitete er für diverse Blätter, Radio, Fernsehen sowie als Redakteur der Wirtschaftsmagazine „Capital" sowie „Wirtschaftswoche". Und jetzt also gibt es den Roman-Erstling „42 Grad". Der stieg übrigens nicht nur zügig in die Top 10 der „SPIEGEL"-Verkaufsliste ein. Sondern der Bestseller, mittlerweile in der 3. Auflage zu finden, wird auch verfilmt, sobald das Corona-Virus Dreharbeiten zulässt.

Wolf Harlander ist im Gespräch ein so entspannter wie aufmerksamer Zuhörer. Der sich Zeit lässt beim Beantworten der Fragen. Passend zum Thema seines nachdenklich stimmenden Buchs.

F-G.: Ihr Buch haben Sie vor der Corona-Krise verfasst, auch da herrschte schon in Teilen der Bevölkerung Endzeit-Stimmung, wenn auch auf Grund anderer Themen - steuern wir mehr und mehr auf die Apokalypse zu?

Wolf Harlander: Wenn man die Entwicklung der letzten Jahrzehnte rekapituliert, kommt man als denkender Mensch mächtig ins Grübeln. Plötzlich hat man es nicht nur mit Wasser-Mangel und schwelenden Waldbränden zu tun. Plötzlich haben wir es auch weltweit mit einem fiesen Virus zu tun, das dem Ganzen noch einen drauf setzt. Mit einem Mal gibt es gleich drei existentiell bedrohliche Krisen für unsere Spezies. Ich möchte nicht als der böse Mahner daher kommen. Trotzdem gebe ich den Leuten mit auf den Weg: Spart so viel Wasser als irgend möglich. Es kann nicht so weiter gehen, dass allein jeder Deutsche am Tag durchschnittlich 4.000 Liter von diesem wertvollen Nass verbraucht.

F-G: Sie sind ausgebildeter Journalist - wie viel Zeit an Recherche haben Sie für Ihren Roman investiert?

Wolf Harlander: Ich habe jede Menge Sachbücher zum Thema „das Wasser und seine Bedeutung für die Menschheit" gelesen. Wasser kostet aktuell kaum Geld. Doch was passiert, wenn es immer weniger fließt und nicht mehr der Allgemeinheit zugänglich ist? Diese Überlegung war die Ausgangsposition für mein Debüt. Klar ist das Ding eine Vision. Trotzdem möchte ich das darin beschriebene Szenario für die Zukunft nicht vollkommen ausschließen, dass es nicht Realität werden kann. Unsere Gesellschaft verschließt immer noch gerne die Augen davor.

F-G: In einem Gespräch mit dem „ZDF-Morgenmagazin haben Sie behauptet: „Die Wasser-Krise kommt über kurz oder lang" - wie beängstigt müssen wir sein?

Wolf Harlander: Wir haben noch etwa zehn halbwegs „normale" Jahre, danach werden die Sommer in Europa ultra-heiß.Als Konsequenz darauf werden unsere Grundwasser-Pegel peu á peu absinken. Konstant wird immer mehr Trinkwasser - ich rede nicht von Salzwasser – von unserem Planeten verschwinden. Und ich gestehe offen: Als Autor habe ich keine Lösung für dieses Problem. Ich kenne lediglich die Fakten.

F-G:Die Haupt-Protagonisten Ihres Romans - wie haben die sich in Ihrer Imagination entwickelt?

Wolf Harlander: Mir ist rasch bewusst gewesen, dass ich, neben ganz „normalen" Leuten, einige Spezialisten brauche, die sich mit „Wasser" auskennen. So was wie die Virologen in der aktuellen Corona-Berichterstattung. Meine Ehefrau half mir am meisten dabei, dass meine Figuren nicht zu abgedreht werden.

F-G: In Ihrem Werk ist auch von „Wasser-Flüchtlingen" die Rede, die im Laufe des Handlungsstrangs eine immer wichtigere Rolle einnehmen - wird der zunehmende Mangel an dieser Grund-Ressource die Menschheit entzweien?

Wolf Harlander: Es gibt aktuell schon, speziell in Afrika, nicht nur Polit- und Wirtschafts-Flüchtlinge, sondern auch vom Wassermangel Vertriebene. Ob es der globalen Solidarität hilft, wenn es irgendwann weltweit Wasser-Mangel gibt? Ich fürchte, die geht dann, im wahrsten Sinne des Wortes, den Bach runter. 

Cover des Buches. Foto: Rowohlt-Verlag

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