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Erste Sportwoche für Alle. „Traut Euch! Probiert es aus!" Anmeldefrist endet diese Woche

Genießt ihr neues Hobby: Eva Maria Lischka auf dem Surfbrett. Es war eine ihrer ersten Wellen 2009 in Spanien Foto: privat

Starnberg –Bewegung tut gut und gemeinsam im Verein macht das umso mehr Spaß. Aber welche Sportart liegt mir und wo kann ich das mal ausprobieren? Genau dafür ist die erste Sportwoche für Alle vom 20. bis 25. April im Landkreis Starnberg gedacht. „Zusammen Inklusiv" lautet das Motto der Woche in der zehn Sportvereine, 37 Sportangebote zum reinschnuppern anbieten. Programm und Anmeldeinformationen sind unter www.lk-starnberg.de/arge-aktuelles zu finden. Diese Woche endet die Anmeldefrist. Und eine die weiß, warum sich insbesondere Menschen mit Einschränkungen beteiligen sollten, ist die Starnbergerin Eva Maria Lischka.

Eva Maria Lischka strahlt eine Fröhlichkeit aus, das man nicht umhin kommt, sich davon anstecken zu lassen. Aber das war nicht immer so. Sie hat eine angeborene Bewegungsstörung in den Beinen. Infantile Cerebralparese nennt sich diese Einschränkung. Koordinations- und Balanceprobleme sind die Folge. Surfen als Hobby klingt da erst einmal widersprüchlich. Aber eben nur auf den ersten Blick. Was sie dazu gebracht hat, wie der Sport ihr Leben verändert hat und warum sie gerade auch Menschen mit Einschränkungen empfiehlt die Angebote in der Sportwoche für Alle im April zu nutzen, erzählt sie uns im Interview.

Sie haben eine angeborene Bewegungsstörung in den Beinen. Wie kommt man da zum Surfen?

Eva Maria Lischka: Ich kann das irgendwie ja selbst nicht recht glauben. Aber daran sieht man, was Überwindung und Motivation ausmachen. Viele Menschen, ob mit oder ohne Einschränkung, könnten häufig mehr, als sie sich selber und auch ihre Umgebung zutrauen.

Und Sie haben sich das Surfen zugetraut?

Eva Maria Lischka: Nein, anfangs überhaupt nicht. In der elften Klasse fuhren wir auf Klassenfahrt nach Nordspanien zu einer Art Teambuilding-Maßnahme. Im Vorfeld wurde entschieden, was wir machen wollen. An dem Tag, als die Klasse entschieden hat, war ich aber nicht im Unterricht. Am nächsten Tag hieß es „Wir gehen Surfen". Da wollte ich für die Klassenfahrt eigentlich sofort absagen. Doch dann hat mich mein Klassenlehrer motiviert, doch mitzufahren. Es geht ja nicht nur um den Sport, sondern um die Gemeinschaft. Mit der Zuschauerrolle hatte ich mich da bereits abgefunden.

Und dann kam es aber doch anders?

Eva-Maria Lischka: Ja! Unser Surflehrer vor Ort hat mich spontan gefragt, ob ich es nicht einfach mal versuchen möchte. Ich wollte keine Spielverderberin sein, also probierte ich es aus. Mein Surflehrer war die ganze Zeit an meiner Seite. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Im Liegen auf dem Brett, das kühle Wasser und dann die erste Welle, die Kraft des Meeres. Ich merkte: die Natur ist nicht gegen, sondern mit mir. Ich war früher schon oft am Meer, irgendwie war es also ein Gefühl „des Nachhause Kommens". Dieser Moment hat mein Leben völlig zum Positiven verändert.

Dieses Gefühl hat Sie auch nicht mehr losgelassen?

Eva Maria Lischka: Ich fühle mich auf dem Wasser einfach aufgehoben. Irgendwie ist es märchenhaft. Und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, Teil einer Sportlergemeinschaft zu sein. Beides zusammen hat mir die Kraft gegeben weiterzumachen. Seit dem trainiere ich viel, auch zuhause. Was mir natürlich auch im Alltag enorm weiterhilft. Bald konnte ich auf den Knien surfen und am 8. Juni 2011 stand ich das erste Mal auf dem Brett. Völlig unvorhergesehen half mir eine Welle aufzustehen.

Sind Sie da ein Einzelbeispiel, dass Inklusion und Sport kein Widerspruch sind?

Eva Maria Lischka: Nein, ganz im Gegenteil. Insbesondere durch meine spätere Teilnahme an Wettbewerben haben sich ganz viele Kontakte und Freundschaften ergeben, die zeigen, dass ich kein Einzelfall bin. Man muss mutig sein, etwas ausprobieren wollen und sich Trauen!

Den ersten Schritt zu machen, ist aber nicht immer ganz so einfach, wie ihr eigener Lebensweg zeigt.

Eva Maria Lischka: Manchmal dauert es, bis man das Richtige für sich gefunden hat. Ich kann jedem nur raten, diesen ersten Schritt zu machen und es auszuprobieren. Aber genau dafür ist die anstehende Sportwoche optimal. Es geht nicht immer nur um den Sport, sondern auch um die Teilnahme an der Gemeinschaft. Auch abseits des Sports gibt es Möglichkeiten verschiedenste Aufgaben zu übernehmen.

Wie geht es ihnen heute?

Eva Maria Lischka: Der Moment, als mein Surflehrer an mich geglaubt hat, hat mein Leben verändert. Ich bin fitter, selbstbewusster geworden, habe an Surf-Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen und studiere aktuell Sportwissenschaft. Kurz und knapp: Ich fühle mich willkommen auf dieser Welt.

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