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Rott-Trainer: Beim Johannifeuer wurde Andi Görlitz überredet. Von Thomas Ernstberger

Andi Görlitz Foto: Ernstberger


Rott – Zwei A- und neun U21-Länderspiele, 104 Bundes- und 63 Zweitliga-Einsätze, insgesamt 215 Pflichtspiele zwischen 2001 und 2010 für den FC Bayern München, den TSV 1860, den KSC und den FC Ingolstadt sowie noch drei für die San José Earthquakes in der amerikanischen MLS. Und zu seiner Bayern-Zeit 2005, 2006 und 2010 offiziell Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Und jetzt steht Andi Görlitz, mittlerweile 43, bei seinem Heimatverein TSV Rott/Lech an der Seitenlinie – als Trainer. Dabei hatte er mit dem Fußball, von ein paar Spielen für einen guten Zweck mal abgesehen, eigentlich abgeschlossen, wollte sich ganz auf die zweite Karriere als Gitarrist und Sänger seiner Band „Whale City" (mit dem Landsberger Michael Kratzl am Schlagzeug und Bassist Michael Eichele aus Dießen) konzentrieren. Der Name ist eine Reminiszenz an die „Whale City Bakery", Andis kalifornische Lieblings-Bäckerei zu seiner Zeit in Amerika. So war's schon eine kleine Amateur-Fußball-Sensation, als der Zugspitz-A-Klassist zu Saisonbeginn den ehemaligen „Roten" (bei den Bayern) als neuen Coach der Roten aus Rott vorstellte. „Das war eigentlich nie ein Thema, kam sogar für mich überraschend, zumal ich in Apfeldorf intensiv mit Tennis angefangen hatte", verrät der Ex-Profi.

Aber dann kam das Johannifeuer im Juni in Rott: „Da war die ganze Mannschaft da. Und ich wurde an der Bar mehrfach gefragt, ob ich nicht übernehmen könnte. Immer wieder hieß es: Wir haben doch keinen Trainer". So ließ sich Görlitz erweichen: „Aber nur, weil's der eigene Ort ist und ich alle im Verein kenne." Nach Beratung mit Ehefrau Melanie und ihrem Ok und der Zusage von Uwe Hoy (53), „einem erfahrenen Mann", für den Co-Trainer-Posten, schließlich innerhalb von ein paar Tagen kurz vor Saisonbeginn die Zusage im Gespräch mit der Vorstandschaft: „Ich würde es gerne machen. Schauen wir mal bis zum Winter, wie es läuft." Nach einem Vierteljahr steht fest: Es läuft gut. Auch wenn der Aufwand groß ist - „denn wenn ich was mache, will ich's richtig machen." So bereitet Andi das Training akribisch vor, macht sich ausführlich Gedanken über die Inhalte der Übungseinheiten - und es gibt in Rott seit seiner Amtsübernahme sogar Videoanalysen. Das Tennisspielen hat er allerdings inzwischen wieder aufgehört…

Der Aufstieg ist in dieser Saison zwar kein Thema, die Mannschaft ist aber hoch motiviert. Sie spielt im vorderen Tabellendrittel mit und dem Chefcoach macht's (genauso wie den Spielern) richtig Spaß: „Alle ziehen super mit". Und sie können vom ehemaligen Nationalspieler sogar auf dem Platz lernen: „Ich versuche, immer wieder mitzuspielen. Das mache ich gerne und es hilft, wenn ich selber mitkicke." Allerdings musste er erkennen: „Die Jungs sind viel fitter als ich. Da merkt man, dass ich lange, außer bei ein paar Benefizspielen, wenig gemacht habe." Zumal auch zwei Kreuzbandrisse (links 2004 zur Bayern-Zeit, rechts 2014 in Amerika) ihre Spuren hinterlassen haben.

Görlitz hatte prominente Trainer wie Felix Magath, Ottmar Hitzfeld, Werner Lorant, Peter Pacult - und Louis van Gaal. Vom holländischen „Tulpen-General" schwärmt er heute noch: „Von ihm ist 95 Prozent hängengeblieben. Das Jahr bei den Bayern unter ihm hat mich am meisten geprägt. Das war eine ganz andere Liga." Das ist es jetzt natürlich auch in Rott – aber die A-Klassen-Fußballer profitieren da von den Erfahrungen, die ihr Trainer während seiner langen Zeit im Profigeschäft mit seinen hochkarätigen Übungsleitern gemacht hat: „Ein bisschen habe ich von jedem mitgenommen."

Und wie sieht die Zukunft aus? Die Auftritte mit „Whale City" (Debüt-Album 2022 „Forever") sind weniger geworden – „seit Corona. Da hat man gemerkt, dass die Musik ein sehr fragiles Gebilde ist", erzählt Görlitz. „Letztes Jahr sind wir nur bei einem Festival aufgetreten, dieses Jahr haben wir ganz wenig gemacht. Wir haben uns ein bisschen umorientiert. Ich mache Fotos und Imagefilme im Immobilienbereich, produziere Musikvideos und arbeite als Tontechniker daheim im eigenen Tonstudio in der alten Scheune immer wieder mal mit anderen Bands."

So bleibt Zeit für seine Melanie, die Töchter Mila (7) und Lea (5) – und den Fußball. Beim TSV Rott hat der einstige Bundesliga-Star ein bisschen (Trainer)-Blut geleckt. Weitere Engagements, auch höher als A-Klasse, nicht ausgeschlossen: „Ich will nichts ausschließen. Mein Anspruch ist lediglich, nicht umziehen zu müssen."

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