Landsberg am Lech – Mit einer eindrucksvollen Schau im Altstadtsaal hat die VR-Bank Landsberg-Ammersee am 24. November eine Ausstellung eröffnet, die die fast 140 Jahre regionale Bankgeschichte lebendig werden lässt. Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Politik nahmen an der Eröffnung teil. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Jörg begrüßte die Besucherinnen und Besucher und betonte in seiner Ansprache, wie eng die Entwicklung der Genossenschaftsbank mit der Geschichte der Region verwoben ist. Mit dieser Ausstellung stimmt die VR-Bank Landsberg Ammersee auf das Jubiläumsjahr 2026 ein, in dem die Bank 140 Jahre alt wird. Der Festakt findet am 18. September nächsten Jahres statt.
Einen besonderen inhaltlichen Akzent setzte die Hauptrednerin des Abends, die Historikerin Dr. Sana'a Wittmann. Sie arbeitet im Genossenschaftsverband Bayern (GVB) und zählt zu den ausgewiesenen Expertinnen für die Geschichte des Genossenschaftswesens. In ihrem Vortrag spannte sie den Bogen von der Entstehung der Raiffeisenidee im 19. Jahrhundert bis zur Bedeutung der Genossenschaften heute.
Dr. Wittmann erinnerte daran, dass die Genossenschaftsbanken zu den wichtigsten sozialen und wirtschaftlichen Innovationen ihrer Zeit gehörten: Sie entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Menschen in wirtschaftlichen Notlagen „Hilfe zur Selbsthilfe" zu ermöglichen. Besonders bemerkenswert sei, so Wittmann, dass gerade der Landkreis Landsberg bereits früh zu einer Keimzelle der bayerischen Genossenschaftsbewegung wurde. Von insgesamt 41 im 19. Jahrhundert gegründeten Genossenschaftsbanken in Oberbayern entstanden elf allein im Landsberger Raum – ein Hinweis auf den stark ausgeprägten lokalen Gemeinschaftssinn. Führend war dabei der Eresinger Pfarrer Willibald Kaiser.
In ihrem Vortrag ging sie auch auf die Herausforderungen der Gegenwart ein. Trotz Digitalisierung und struktureller Veränderungen im Bankensektor hätten Genossenschaften ihre Relevanz nicht verloren – im Gegenteil: „Die Grundsätze von Selbstverwaltung, Partnerschaftlichkeit und regionaler Verantwortung sind aktueller denn je", betonte Wittmann. Besonders in ländlichen Regionen seien Genossenschaften oftmals stabile Anker institutioneller Versorgung und zugleich Ausdruck gelebter Bürgerbeteiligung.
Die Ausstellung selbst führt durch 130 Jahre Bankgeschichte: von den ersten Darlehenskassenvereinen über die Fusionen des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen modernen VR-Bank. Fotografien, historische Dokumente, frühe Sparbücher, technische Geräte, Werbetafeln zeigen eindrucksvoll, wie sich Bankwesen, Mitgliederstruktur und Serviceangebote gewandelt haben. Auch die Entwicklung der Region Landsberg-Ammersee, geprägt durch Landwirtschaft, Handwerk und wachsende Urbanität, wird anhand vieler Ausstellungsstücke sichtbar.
„Wir wollten nicht nur zurückblicken, sondern zeigen, wie lebendig das genossenschaftliche Prinzip bis heute ist", erklärte Stefan Jörg. Genossenschaften sind nach wie vor hochaktuell. In Bayern existieren rund 1200 davon, mit einer beeindruckenden Bandbreite von Taxiunternehmen über Kinos und Dorfläden bis hin zu Energiegenossenschaften. „Weltweit gibt es drei Millionen Genossenschaften mit über einer Milliarde Mitgliedern; sie haben insgesamt rund 280 Millionen Arbeitsplätze geschaffen", erläuterte Stefan Jörg.
Die Schau ist in den kommenden Wochen im Altstadtsaal während der regulären Öffnungszeiten der VR-Bank zu sehen. Der Eintritt ist frei.
When you subscribe to the blog, we will send you an e-mail when there are new updates on the site so you wouldn't miss them.
By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://aloys.news/
Kommentare