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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff": Epilog. Folge 95

Quelle: Portraitarchiv DIGIPORTA Foto: Nellie Liebmann, 1930  Mein echter Großonkel Richard Riemerschmid
Quelle: Portraitarchiv DIGIPORTA Foto: Friedrich Müller, ca. 1890 Tante Ida Hofmann-Riemerschmid (ist sie nicht schnuckelig?)

Folge 95

Tante Ida Hofmann scheint in ihrer Schaffensperiode als Schauspielerin eine jener bayerischen Schönheiten gewesen zu sein, von der gesagt wurde, König Ludwig I hätte sie seiner Schönheitsgalerie im Schloss Nymphenburg einverleibt, wenn sie zu seiner Zeit gelebt hätte. Urteilen Sie selbst nach ihrem Foto, auf dem sie fast noch ein Kind war.

Thomas Mann widmete ihr einen glühenden Verehrerbrief, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten will – und damit möchte ich Thomas Mann ein weiteres, bisher unbekanntes Denkmal setzen. Er wäre fast mein Großonkel geworden:

"Wir fingen einfach an". Zum 85. Geburtstag von Richard Riemerschmid, München 1953.
Zürich, den 5. November 1952

Ein „Brieflein" ist es wirklich nur, das ich beitragen kann zur Feier des 85. Geburtstag von Münchens großem Bürger, Richard Riemerschmid, und des 80. der Frau, die er einst, unter Possarts wohllautendem Widerspruch (den ich gerne gehört hätte!) der Münchner Hofbühne entführte. Dass ich mich gut, s e h r gut an sie erinnere aus der Zeit, da wir beide so fabelhaft jung waren, sie die zur Schau schimmernde süddeutsche Mädchenblüte, und ich als der scheue Gast aus dem Norden, das habe ich kürzlich schon einmal merken lassen: in der Festschrift zur Eröffnung des neuen Residenztheaters. Viel mehr tun kann ich auch hier und heute nicht. Ich kann nur sagen, dass Ida Hofmann zum wirklich Lieblichsten gehörte – Jugenderinnerung versucht mich, schlechthin zu sagen: das Lieblichste war, was die Schaubühne meinen Augen (und Ohren, - kurz meinem ganzen aesthetischen Sinn) je geboten hat. Sie hat mich nie gesehen und ich sie hundertmal, in allen ihren Rollen, den großen, wie Hannele Mattern, und den kleinen, wo sie nichts zu leisten hatte, als reizend auszusehen, wie als joli tambour in „Madame sans Gène". Ich habe ihr Bild – kein wirkliches Bild, eben nur das Gedenken an ihre süße Wirklichkeit von damals – mit mir geführt durch ein langes, bewegtes Leben bis in mein hohes, dem ihren nahekommendes Alter, und ich wünschte wohl, ich könnte sie jetzt wiedersehen in ihrem Würdenstande. Gewiß würde ich jene lieben Augen wiedererkennen, den beweglichen Mund, die holde Stimme und Sprechweise. Vielleicht fügt es sich einmal, wenn ich wieder in München bin. Jedenfalls möge sie lächelnd erfahren, dass sie einst, in ihrer von Kunst verklärten Jugend, das Herz eines einsamen, in der Menge verlorenen jungen Dichters hat zärtlich höher schlagen lassen.

THOMAS MANN "

Diesen Worten – und noch dazu aus dem Mund eines der größten Schriftsteller, den der deutsche Sprachraum (neben den Autor der vorliegenden Autobiographie) je hervorgebracht hat -, eines Thomas Mann, ist einfach nichts weiter hinzuzufügen... Man muss es einfach im Herzen bewahren: Die Liebe eines großen Geistes zu einem unerreichbaren Stern. 

Fortsetzung folgt

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