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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Teil 3: Hat sich mein Leben gelohnt. Folge 67

Ernesto R. Hofmann ist der Seebär. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 67

So, da stand ich nun. Optimist. In der grenzenlosen Überzeugung, dass mir der nächste Job sofort auf einem Tablett dargeboten wird. Pustekuchen! Ja, hieß es, alles gut und schön, dass Sie Verantwortung über Passagiere, Schiff und Ladung hatten, aber was können Sie sonst noch, was wir brauchen können?? - Ich hatte tatsächlich sonst nichts zu bieten.

Und deshalb jobbte ich ein Jahr, um mich erst einmal zu orientieren, was sich so alles an Voraussichten für die Zukunft bietet.

Um nicht ganz ohne Einkommen zu sein, nahm ich vorläufig einen Bürojob im staubigen Archiv des Gesundheitsministeriums an. Dafür reichten die Anforderungen meines Arbeitgebers gerade noch. Ich will nicht behaupten, dass sich daraufhin der Gesundheitszustand der niederländischen Bevölkerung rapide verbesserte, aber ein Traumjob war es nun wirklich nicht, auch wenn ich jetzt tagtäglich mit der Unterschrift von Königin Juliana konfrontiert wurde, die ja alle möglichen Dekrete zu unterschreiben hatte, aber davon konnte man schließlich nichts von abbeißen. Der uralte, verstaubte Archivhengst stand jeden Morgen mit der Stoppuhr oben an der Treppe und notierte: „Schon wieder eine Minute zu spät!"

Nach diesem angestaubten Jahr kam ich zu der Erkenntnis, dass nicht die Firmen mir einen Traumjob zu bieten hatten, sondern ich hätte ihnen im Gegenteil einen brauchbaren Mitarbeiter zu bieten. Mit einer Empfehlung für die niederländische Diplomatenschmiede Kasteel Nijenrode bei Utrecht in der Tasche, landete ich aber irrtümlicherweise in dem nahegelegenen Ort Driebergen, wo sich das Institut für Automanagement, die IVA, befand. Es empfing mich die Sekretärin und ich traute meinen Augen nicht, als sie sich vornüber beugte, um mir ein Schriftstück vorzulegen, das ich durchlesen sollte und ihre beiden Kronjuwelen sich selbstständig machten und aus ihrem eh schon tiefen Ausschnitt kullerten. Es wird wohl nicht das erste Mal gewesen sein, denn sie steckte ihre beiden Kostbarkeiten ganz ungeniert und gelassen wieder dorthin zurück, wo sie eigentlich dauerhaft hingehörten. Nijenrode war vergessen und in meiner Verwirrung unterschrieb ich alles, was sie mir zur Unterschrift vorlegte, auch wenn es mein eigenes Todesurteil gewesen wäre und schon war ich Student an dieser berühmten Management-Akademie statt später Botschafter in Washington. Mein weiterer schöner Lebensweg wurde mir sozusagen durch zwei unsagbar schöne Körperteile, die eigentlich ab dann unser Familienwappen hätten ergänzen müssen, vorgezeichnet.

Zunächst hatte ich ein Aufnahmeverfahren zu absolvieren, dem sich 180 Bewerber zu unterziehen hatten. Dieses lief in mehreren Stufen ab, die Tests wurden immer schwieriger und schließlich blieben wir zu fünfzehnt übrig, die „Crème de la Crème", wie Direktor Riemer uns willkommen hieß. Ab dem Moment schwoll unsere Brust und unser Ehrgeiz. Das Lustige an der Sache war, dass sich unter diesen nicht nur ein ehemaliger Funkoffizier, sondern auch ein ehemaliger 2. Steuermann und ein dito 3. Schiffsingenieur befand. Wir hätten ad hoc eine Reederei gründen können.

Nebenher spezialisierte ich mich auf weitere angebotene Techniksparten, unter anderem Dieselmotoren, was mir in meinem späteren Berufsleben noch sehr nützlich sein würde. 

Fortsetzung folgt

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