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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Teil 3: Hat sich mein Leben gelohnt? Folge 78

Jetzt ist der Seebär in München bei BMW. Graphik: Pax et Bonum Verlag

Folge 78

Die schwedische Firma Kockums gab mir ein kurzes Stelldichein in München. Sie hatte die so genannte Rote Linie: die Erdbewegungsmaschinen, die Blaue Linie: die Werften in Göteborg (mit der wir nichts zu tun hatten) und die Grüne Linie, die Forsttechnischen Maschinen. Man holte mich als Kundendienstleiter nach München, zunächst für die Rote Linie. Hier sollten 34Tonner Muldenkipper den Abraum von A nach B transportieren. Ich bin bald verzweifelt an den schleppenden oder gar ausbleibenden Ersatzteillieferungen aus Schweden und die Maschinen standen jeweils für längere Zeit still, denn irgend ein Teil fehlte immer oder war kaputt. Sie standen in Reihen auf dem Hof oder auf dem Areal eines Bauernhofes, als der Direktor einmal persönlich einflog. Pech für unseren Chef war, dass der Boss gerade auf der Seite des Flugzeugs saß, an der er die Ansammlung der unverkauften oder defekten Muldenkipper auf dem Bauernhof aus dem in Riem landenden Flugzeug sehen konnte.


Die Getriebe zum Beispiel kamen aus England und einmal streikten die Hafenarbeiter dort. Was habe ich alles versucht: holländische Fischkutter zu bestechen, uns die Getriebe 'rüber zu bringen, Angebote bei LuxAir eingeholt, es verlief alles im Sande. Zudem wurden die Muldenkipper in Deutschland angeboten wie Sauerbier. Kein Unternehmer wollte sie haben. Dabei hatte alles einen ganz winzigen Grund, auf die ich das schwedische Stammwerk immer und immer wieder vergeblich hinwies: die Schraubengewinde entsprachen nicht der DIN-Norm, sodass Ersatzteillieferung ohne die entsprechenden Schrauben sinnlos war. Noch nicht einmal die Glühbirnen konnten gegen deutsche Birnen ausgetauscht werden, was insbesondere die Forstmaschinen hart traf, die auch nachts im Wald ihre Entrindungsmaschinen betreiben mussten. Aufgrund meiner freundschaftlichen Beziehungen zur Oberforstdirektion war ich zusätzlich für die Forstmaschinen verantwortlich. Auch mit den Hydraulikkränen gab es fortwährend Ärger, es ging in der Hauptsache immer nur ein winziges kleines billiges Teilchen kaputt. Ich hätte eine ganze Kiste davon gebraucht, aber man schickte mir sie einzeln, wenn überhaupt oder nach langer Zeit, als wären sie aus Gold. Ich reichte Verbesserungsvorschläge ein noch und nöcher, aber die blieben ungehört. Man beantwortete keinen meiner Briefe.

Irgendwann bekamen wir einen neuen Geschäftsführer, dessen erste Aufgabe er darin sah, erst einmal sein Büro komplett zu erneuern und für seine beiden Hunde goldene Futternäpfe zu kaufen. Irgendwann sah auch Kockums in Deutschland kein Betätigungsfeld mehr und musste seine Niederlassung in München schließen. Selbst verschuldet, würde ich mir anmaßen zu sagen. Eines Tages versammelte der Chef seine Belegschaft um sich, um ihr mitzuteilen, dass Kockums jetzt schließen würde.

Mittlerweile hatte ich mich bei BMW beworben und man wollte mich, vorbehaltlich einer in Aussicht stehenden Planstelle, sofort einstellen. Das ließ noch etwas auf sich warten, weshalb ich mich bei Zündapp bewarb. Man suchte dort den Nachfolger des Kundendienstleiters. Einen Monat war ich dort und ich bin schier verzweifelt an den kleinen Spielzeugkölbchen von 1 cm Durchmesser, wo ich doch bei der MAN Motoren am Probestand hatte, die einen Kolbendurchmesser von 105 cm und einen Hub von 180 cm hatten (Typ 105/180 mit 5000 PS pro Zylinder). - Zündapp meldete kurz darauf Konkurs an, sämtliche Maschinen wurden an Ort und Stelle abgebaut und nach China verschifft.

Die Planstelle bei BMW wurde endlich frei und ich verbrachte 18 glückliche Jahre in meiner Traumfabrik. Ich erinnerte mich plötzlich an die Vorhersage der Hellseherin in Den Haag, ich solle einen Arbeitsplatz „in einem futuristisch anmutenden Gebäude" finden. Nun, wenn der „Vierzylinder" von BMW kein futuristisches Gebäude ist?


Fortsetzung folgt

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