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Bei Michi gibt's den Spucktest. Wie Gastronomen vom Ammersee und im Landkreis auf die Lockerungen der Corona-Regelungen reagieren

Heidi (vorne im Bild) von der Cinebar macht erst morgen auf. Foto: Alois Kramer
Dießen – Geimpft, einmal geimpft, vollständig geimpft, genesen, PCR-Test, 7-Tage-Inzidenz, 24-Stunden-Regel, 48-Stunden-Regel, FFP2-Masken, Abstandsregeln, Spucktest, Negativbescheinigung, Terminabsprache, Ein-Haushalts-Regelung. Das sind einige der Parameter für einen Besuch der Außengastronomie heute. Hört sich kompliziert an, ist es auch. Wer im Jahr 2019 in einen bayerischen Biergarten gehen wollte, tat das einfach. Fahrrad abstellen, Auto parken, oder einfach zu Fuß einen Einkehrschwung üben, Platz suchen, sich setzen, bestellen. Eine freundliche Bedienung oder ein Ober brachten das gewünschte Bier und den obligatorischen Schweinsbraten, die Sonne schien, der Himmel war blau, die Tischnachbarn nett. Für heutige Ohren klingt das alles wie ein Märchen aus vergangenen Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hatte. 

Selbst voriges Jahr war es noch einfacher einen Biergarten zu besuchen. Man trug sich in eine Liste mit Namen und Adresse zur Kontaktnachverfolgung ein, desinfizierte die Hände, hatte die Maske bis zum Tisch auf, dann durfte diese abgenommen werden. Das war's. Seit dem heutigen Montag, 10. Mai darf die Außengastronomie in Bayern wieder Gäste bewirten. Doch halt, so wie in früheren Jahren läuft das nicht. Vorausgesetzt sind eine Reihe von Regelungen, zu denen die eingangs genannten gehören. Außerdem muss sich die Lokalität in einem Landkreis befinden, der in den vergangenen sieben Tagen die Inzidenz von 100 Infizierten auf 100.000 Einwohner nicht überschritten hat. Das gilt aktuell für den Landkreis Landsberg am Lech, nicht jedoch für den Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau oder etwa Fürstenfeldbruck. 

Noch am Sonntagabend des 2. Mai hatte Ministerpräsident Markus Söder bei Anne Will zur Vorsicht gemahnt. Dann keine 16 Stunden später war in den Nachrichten des Bayerischen Rundfunks zu hören, dass Söder Lockerungen für den Freistaat verkündigen will. Am späten Freitagnachmittag, 7. Mai, erreichten die Presse die neuen Regelungen durch das Landratsamt Landsberg: Die Öffnung der Außengastronomie für Besucher mit vorheriger Terminbuchung mit Dokumentation für die Kontaktnachverfolgung ist erlaubt. Sitzen an einem Tisch Personen aus mehreren Hausständen, ist ein vor höchstens 24 Stunden vorgenommener POC-Antigentest oder Selbsttest oder ein vor höchstens 48 Stunden vorgenommener PCR-Test in Bezug auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mit negativem Ergebnis der Tischgäste erforderlich. Jeweils unter Beachtung von Hygienekonzepten, die das Bayerische Gesundheitsministerium veröffentlicht hat. Es gilt, dass Personen aus einem Hausstand ohne Testpflicht an einem Tisch sitzen dürfen. 

Nun kann man nicht einfach so mal von heute auf morgen einen Biergarten öffnen, meint Stefan Henle von der Kultwirtschaft „Hex" in Denklingen. Tische wollen aufgestellt sein, Personal muss aktiviert werden und wer weiß, so Jumbo, wie der Wirt genannt wird, ob die auch alle schon verfügbar sind und nicht schon anderweitig Jobs haben. Allerdings befürchtet Jumbo einen Biergartentourismus aus Landkreisen, deren Inzidenz über 100 liegt, wie etwa Weilheim-Schongau. Wenn es nach dem Denklinger gegangen wäre, dann sollten einfach noch ein paar Wochen die Gastronomen still halten, bis endlich die Inzidenzen kräftig gesunken sind. So besteht die Gefahr, meint Henle, dass jetzt die Zahlen der Infizierten wieder nach oben gehen könnten. 

Wie in einem Brennglas sammeln sich in der Ammersee-Gemeinde die unterschiedlichen Einstellungen der Gastronomen zu den neuen Regelungen. Sie gehen von Ablehnung bis zu verhaltener Akzeptanz.

Heidi von der Cinebar in Dießen hat am Sonntag Tische und Stühle aufgestellt, öffnet aber erst am morgigen Dienstag. Das Stammpublikum freut sich. Mario Arbia vom La Gondola macht sein Ristorante am Marktplatz nicht auf. Das rentiere sich nicht, so die Auskunft des singenden Ristorante-Besitzers. Denn, wenn es in wenigen Tagen wieder kalt wird, dann ist der Aufwand zu hoch.

Marco Rauch und Hansi Rieß vom Strandhotel in den Dießener Seeanlagen werden voraussichtlich erst am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, öffnen. Dann wird es Kuchen und Kaffee geben. Michi Risch von "Michi hoch Zwei" wartet mit einem Spucktest auf seine Kunden, wenn sie nicht schon die obligatorischen negativen Testergebnisse in der Tasche haben. Dann darf der Gast gerne sein Bier trinken. Sollte ein Gast positiv getetest sein, dann so Risch "rufe ich schnell 116 117 oder das Gesundheitsamt Landsberg an". 

Martin Brink, Wirt vom Unterbräu, sieht Söders Ankündigung als populistische Massnahme. Der Gastronom hat schon seit Wochen mit seinem „Heißen Häusl" am Untermüllerplatz ein Möglichkeit geschaffen, Kunden mit Braten vom Spieß zu versorgen. Das Geschäft hat sich gut entwickelt. Er und sein Team haben sich ein Stammpublikum aus Geschäftsleuten und Handwerkern erarbeitet, die den Service vom Unterbräu schätzen. Die „Gäste" nehmen das Angebot vor dem Wirtshaus gerne an. Brink sieht das Instrument des Kontrollierens durch die Wirte skeptisch, scheut sich aber nicht vor dem Aufwand. Im Moment bleibt er lieber bei seinem Geschäftsmodell des „Heißen Häusl". „Bis sich das Wetter stabil entwickelt. Denn für einen Tag den Biergarten öffnen, dann wegen schlechten Wetters wieder schließen, das machen wir nicht". Genau so sehen es auch die Betreiber vom Essens Art, die Nachbarn vom Unterbräu. Sie wollen erst mal ein, zwei Wochen abwarten, wie sich das Wetter entwickelt. Vorerst stellen sie regelmäßig ihre Speisekarte auf facebook. Die Akzeptanz ist gut. Sandrine Houillot vom Seehaus Riederau öffnet ab dem heutigen Montag, weist aber auch gleich auf die Regelungen hin. Auch ihr Speisenangebot ist auf Facebook zu sehen.  

Seit heute steht den Dießener Bürgern auf dem hinter der Römhild-Apotheke gelegenen Parkplatz eine Schnelltestmöglichkeit zur Verfügung. Allerdings beklagt Uschi Wacke, die Vorsitzende des Dießener Gewerbeverbands, dass nicht am Wochenende getestet werden darf: „Aus versicherungsrechtlichen Gründen, wie von der Römhild-Apotheke zu hören war. Hier würde gerne die Wasserwacht einspringen. Aber ob die auch die Genehmigung bekommen und jeweils für die Wochenenden eine Versicherung abschließen können, ist fraglich" . Allerdings weist Andrea Wesely, Vorstand von der Wasserwacht Dießen darauf hin, dass die Wasserwacht Dießen so etwas allein nicht stemmen kann. "Das muss über den Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes laufen", erklärt sie. Außerdem seien ihre Leute bereits drei mal in der Woche in der Mehrzweckhalle bei den Testungen tätig.

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