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"Ernesto, der Seebär – Vom Tretauto zum Schlachtschiff" Fortsetzungsroman eines bewegten Lebens. Folge 58

Das uneinnehmbare portugiesische Fort von Mombasa Foto: Ernesto R. Hofmann

Folge 58

Wie vorher schon erwähnt, verließen wir den Persischen Golf, um die Heimreise anzutreten. Unseren zweiten Steuermann mussten wir in Abadan zurücklassen. Es zeichnete sich ab, dass der Suezkanal immer noch geschlossen sein würde und so suchten wir mehrere Häfen an der kenyanischen Küste auf: Mombasa, Dar es Salaam, Tanga (von da, wo der Slip herkommt) und zurück nach Mombasa. Um es vorweg zu sagen: Ich habe in meinem Leben nach Bombay noch nie eine so verdreckte Stadt gesehen wie Mombasa. Besonders eklig und zahlreich waren die Fliegen. Natürlich ging ich an Land, was mir die Möglichkeit gab, mein Urteil zu bilden. Ich besuchte auch den deutschen Militärfriedhof, der im Gegensatz zum danebenliegenden, picobello gepflegten englischen Militärfriedhof, völlig heruntergekommen dalag. Es war beschämend. Wenn man sich mit der Geschichte Deutsch-Ostafrikas ein wenig auskannte, dann war der deutsche Soldatenfriedhof eine Fundgrube an militärhistorischen Artefakten. Es lagen dort Schutztruppler und Angehörige von bekannten Schiffen der Kaiserlichen Marine, wie die Grabsteine erzählten. Sicherlich und hoffentlich wird sich die Deutsche Botschaft mittlerweile um das Aussehen des deutschen Friedhofes gekümmert haben.


In Mombasa gab es ein altes portugiesisches Fort, das den Hafeneingang bewachte. Es war damals autark und konnte einer langen Belagerung, wie die damalige Praxis erwies, mühelos standhalten. Vor allem war man wegen des Wassers unabhängig von außen. Das machte man sich bei der Belagerung und versuchten Erstürmung durch die Araber zunutze auf eine ganz perfide Manier. Es gab nur einen Zugang zur Festung und der führte durch einen langen, schräg aufwärts führenden Tunnel. Irgendwann wurde das äußere Tor geöffnet und die Belagerer stürmten mit hurra in den Tunnel. Ihr Pech, denn hinter ihnen wurde das Tor wieder heruntergelassen und der Tunnel von oben her geflutet. Die Belagerten brauchten nichts weiter zu tun, als ein Weilchen zu warten und dann das untere Tor wieder zu öffnen. Die abschreckende Wirkung hatte zur Folge, dass die Belagerung abgebrochen wurde. Das Fort wurde nie eingenommen.


Der Suezkanal war inzwischen geöffnet worden und so blieb uns eine mühevolle Reise ums Kap nach Rotterdam erspart. Zum Bunkern wurde noch kurz Malta angelaufen, bevor man wieder in Rotterdam festmachte.

Was folgte, war eine schreckeinjagende Küstenreise nach Bremen und Hamburg. Aus mir unerfindlichen Gründen wurde die „Leopoldskerk" all seiner schweren Utensilien entledigt. Ich kann jetzt nicht beschwören, ob nicht auch die Ankerketten und die Anker zurückgelassen wurden, aber mir scheint so. Warum das alles zurück gelassen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Vermutlich sollte das Schiff in Rotterdam ins Dock. Aber dann wäre doch immer noch Zeit zum Entladen gewesen? Ich habe immer noch irgendetwas von einem sträflichen Leichtsinn im Hinterkopf. Und so stach man ab Hamburg wieder in See, als ein schwerer Sturm aufzog. Es ist ja bekannt, dass ein leerer Liberty-Frachter, der noch nicht mal mehr Ballast an Bord hat, ein Spielball von Wind und Wellen wird. Die Schiffsschraube steckt zu mehr als der Hälfte aus dem Wasser und zeigt keinerlei Wirkung mehr. Und so trieb uns der Sturm trotz meines warnenden Wetterberichtes quer über die noch nicht geräumten Minenfelder in Richtung englischer Ostküste, wo wir zu stranden drohten. Die Minen konnten uns nichts anhaben, da wir kaum noch Tiefgang hatten und so blieb uns wenigstens das erspart. Nicht auszudenken, wenn wir da mittendrin von anderen Schiffen gerettet hätten werden müssen. Dicht unter der englischen Ostküste ließ der Sturm nach und die „Leopoldskerk" erreichte mit einiger Verspätung wieder seinen Heimathafen Rotterdam.

Andere Liberties unserer Reederei scheinen im Verlauf ihrer Dienstzeit ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben (siehe Personalzeitschrift VNS-TNT Nr. 86, Seite 11 und 12)... Behauptungen, man würde sie auf diese Weise loswerden wollen, wären pure Verleumdung.

Fortsetzung folgt

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