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Gestörter Dorffrieden. Im Gemeinderat Oberhausen gibt es erneut Ärger. Von Peter Stöbich

Oberhausen – Der Gemeinderat in Oberhausen kommt nicht zur Ruhe und ist kurz vor der Neuwahl des Bürgermeisters am 24. April erneut zerstritten. Jetzt haben fünf Ratsmitglieder ihren Kollegen Stefan Reichert (Tradition und Fortschritt) schriftlich zum Rücktritt aufgefordert, um endlich den Dorffrieden wieder herzustellen, wie sie in ihrem Brief feststellen. Der Hintergrund für dieses ungewöhnliche Vorgehen sind die vorangegangenen Rücktritte des ersten Bürgermeisters Thomas Feistl und seiner Stellvertreterin Anneliese Reichert zum Beginn dieses Jahres sowie eine folgende juristische Auseinandersetzung. Die Aufforderung seiner Kollegen hatte Reichert in der jüngsten Sitzung öffentlich gemacht.

Die Vorgeschichte: Zum Jahresbeginn hatten Feistl und Anneliese Reichert innerhalb weniger Wochen ihr Mandat niedergelegt. Grund dafür waren laut Feistl Einschüchterungs- und Erpressungsversuche seitens Reicherts, die alle Vorwürfe zurückwiesen und eine Verleumdungsklage erhoben, die am Landgericht München II noch verhandelt werden wird.

Nun nehmen fünf Gemeinderäte den ehemaligen Bürgermeister in Schutz und verlangen, Stefan Reichert solle die Klage zurückziehen. Den entsprechenden Brief unterzeichneten Albert Heringer, Christian Schödlbauer, Leonhard Strobl, Michaela Winkler und Rudolf Sonnleitner, der als einziger Kandidat am 24. April zum neuen Bürgermeister gewählt werden will.

Reichert solle den Weg für einen Neuanfang in der Gemeinde freimachen und sein Ehrenamt niederlegen, so die Verfasser des Schreibens: "Bring Frieden in den Gemeinderat und in unseren Ort - es geht um Oberhausen!" Weiter heißt es in dem Brief, eine Falschaussage Feistls sei nur schwer vorstellbar, zumal er mit seinem Rückzug auch finanzielle Nachteile in Kauf nehme.

"Von dieser Forderung und dem Tonfall war ich äußerst überrascht", sagt Reichert im Gespräch mit unserer Zeitung, "denn der Dorffrieden hängt gewiß nicht von meiner Person ab." Der 53-jährige Rechtsanwalt arbeitet in einer Kanzlei in München und gehört dem Oberhauser Rat seit 2016 an. Er sehe nicht den geringsten Grund, warum er sein Mandat niederlegen solle, so Reichert, der das Schreiben ("Du würdest dir Nerven, Zeit und Geld sparen") als massiven Versuch der Einschüchterung empfindet. "Statt den Ball möglichst flach zu halten, sorgen die fünf Schreiber für neuen Ärger, weil sie nicht zur Kooperation bereit sind!"

Die Probleme in der Oberhauser Kommunalpolitik reichen laut Reichert bis ins Jahr 2014 zurück, als sich die Sitze im Gemeinderat erstmals verschoben und sechs Jahre später dann die Mehrheitsverhältnisse änderten. Enttäuscht zeigt er sich darüber, dass keiner dieser fünf Ratskollegen das persönliche Gespräch mit ihm gesucht habe und er im Gremium quasi als Sündenbock herhalten solle.

Deshalb machte er in der jüngsten Sitzung den Vorschlag, er sei zum Rücktritt bereit, falls er den Prozess verlieren sollte - allerdings nur, wenn auch die fünf Unterstützer von Feistl dieselben Konsequenzen zögen und ihrerseits zurückträten, falls Feistl verurteilt würde. Sie hätten sich dann schließlich die unwahren Vorwürfe ungeprüft zu eigen gemacht und wären damit für Oberhausen nicht mehr tragbar. Alle fünf verneinten.

"Dem Druck werde ich auf keinen Fall nachgeben", so Reichert gegenüber unserer Zeitung. "Aber unter den aktuellen Umständen macht die Arbeit als Kommunalpolitiker natürlich keine rechte Freude." Es werde Aufgabe des künftigen Bürgermeisters Sonnleitner sein, die schwierige Situation zu beruhigen. Ein Problem sieht Reichert bei der Kommunalwahl in vier Jahren: "Wer hat schon Lust, sich unter solchen Umständen ehrenamtlich zu engagieren?"

In der Gemeinde Oberhausen gibt es seit Wochen Ärger im Ratsgremium. Foto: Stöbich
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