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Großer Andrang beim AgrarForum der Sparkasse Landsberg-Dießen: Was passiert mit meiner Solaranlage nach Ende der Förderung?

Von links: Roland Böck (Vorstand Sparkasse Landsberg-Dießen), Wilhelm Heisse (Solar Heisse), Christian Leis (Vorstand Maschinenring Landsberg) Fotos: Alois Kramer

Weil – Das AgrarForum der Sparkasse Landsberg-Dießen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Orientierungspunkt für viele Landwirte im Landkreis entwickelt. Mehr als ein Dutzend dieser Veranstaltungen wurden mittlerweile organisiert, stets mit großem Zuspruch aus der regionalen Landwirtschaft. Auch das jüngste Forum, das am Donnerstag, 4. Dezember, im Gasthof Probst in Weil stattfand, war restlos ausgebucht. Rund 150 Teilnehmer hatten sich im Vorfeld angemeldet, etwa 20 bis 30 weiteren Interessierten musste wegen Platzmangel abgesagt werden – ein deutlicher Hinweis darauf, wie relevant das Thema Photovoltaik derzeit für viele Betriebe ist.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie ältere Photovoltaikanlagen nach dem Auslaufen der EEG-Förderung sinnvoll weiterbetrieben werden können. Viele Anlagen im Landkreis nähern sich dem Ende ihrer ursprünglichen Vergütungsperiode und stellen Betriebe damit vor wichtige Weichenstellungen. Für die fachliche Einordnung war mit Wilhelm Heisse ein ausgewiesener Experte geladen – ein Solarunternehmer aus dem Landkreis Landsberg, der seit mehr als drei Jahrzehnten Solartechnik vertreibt, montiert und weiterentwickelt. Heisse zählt zu den frühen Pionieren der regionalen Photovoltaikbranche; sein Erfahrungsschatz reicht von den ersten Modulgenerationen der 1990er-Jahre bis zu modernen Hochleistungsanlagen. Entsprechend praxisnah und dicht an der Realität vieler Landwirte war sein Vortrag.

Heisse machte deutlich, dass das sogenannte Repowering – also der Austausch alter Module durch neue – bei zwanzig Jahre alten Anlagen in der Regel nicht praktikabel ist. Moderne Module sind mit den Unterkonstruktionen und Wechselrichtern vergangener Jahrzehnte meist nicht kompatibel, weshalb ein vollständiger Tausch wirtschaftlich selten sinnvoll erscheint. Stattdessen empfahl er, bestehende Anlagen möglichst effizient weiterzuführen und den Fokus auf den Eigenverbrauch zu legen. Gerade landwirtschaftliche Betriebe mit ständigem Strombedarf könnten deutliche Vorteile erzielen, wenn sie selbst erzeugte Energie stärker im eigenen Betrieb nutzen – für Maschinen, Warmwasser, Kühlung, E-Mobilität oder Prozesswärme. Auch eine Batterie könne diese Autarkie zusätzlich erhöhen.

Gleichzeitig zeigte Heisse Möglichkeiten auf, die sich in der Theorie zwar interessant anhören, in der Praxis aber kaum umsetzbar sind. Der Verkauf von selbst erzeugtem Strom an Nachbarn, die Einbindung einer Kleinanlage in ein Mieterstrommodell oder der Verkauf an der Strombörse seien zwar denkbare Ideen, scheiterten jedoch meist an Bürokratie und gesetzlichen Vorgaben – insbesondere bei Anlagen mit nur wenigen Kilowatt Leistung. Ebenso wenig zielführend sei es, eine Altanlage einfach abzuklemmen und anschließend als Neuanlage neu anzumelden. Auch solare Ladevorgänge für fremde Elektrofahrzeuge oder regionale Energieplattformen seien derzeit für Ü20-Anlagen kaum realistisch.

Für Anlagen, die tatsächlich außer Betrieb genommen werden müssen, erinnerte Heisse an die formalen Pflichten: Sowohl der Netzbetreiber als auch die Bundesnetzagentur müssen über den Abbau informiert werden, damit die Anlage im Marktstammdatenregister korrekt abgemeldet wird.

Besonders hilfreich für viele Zuhörer war Heisses zeitliche Einordnung. Wer eine Ü20-Anlage zum Jahresende 2025 betreibt, sollte frühzeitig den Kontakt zu einem Solarbetrieb suchen und eine Umrüstung auf Überschusseinspeisung für 2026 einplanen. Betreiber, deren Anlage erst 2026 das Förderende erreicht, sollten bereits jetzt Überlegungen anstellen und sich gegebenenfalls erste Angebote einholen – jedoch abwarten, wie sich Marktpreise und Bedingungen entwickeln. Für Anlagen, die ab 2027 aus der Förderung fallen, riet Heisse vor allem zur Ruhe: Vieles sei derzeit in Bewegung, und Entwicklungen im Energiemarkt könnten innerhalb weniger Jahre komplett neue Optionen eröffnen.

Als gemeinsame Empfehlung des Abends kristallisierte sich heraus, dass eine zügige Umstellung von der Volleinspeisung auf eine Überschusseinspeisung häufig der sinnvollste Weg ist. Eine moderne Batterie kann diesen Effekt verstärken, ebenso wie der gezielte Einsatz des Solarstroms im Haushalt oder im Betrieb. Gleichzeitig bleiben neue Modelle wie eine mögliche Direktvermarktung oder Energie-Sharing-Konzepte in der Diskussion – allerdings sind sie aktuell noch nicht praxistauglich. Für viele Anlagenbetreiber gilt deshalb: informiert bleiben, technische Voraussetzungen prüfen und Entwicklungen beobachten.

Der Abend zeigte erneut, warum das AgrarForum der Sparkasse Landsberg-Dießen so erfolgreich ist: Die Kombination aus fachkundigen Referenten wie Wilhelm Heisse, praxisnahen Einblicken und der Möglichkeit zum Austausch mit anderen Landwirten macht die Veranstaltung zu einer wertvollen Orientierungshilfe in einer Phase großer Veränderungen.

Wilhelm Heisse
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