Eine ganz besondere Bedeutung besitzt der Begriff Heimat für Christine Singer aus Hofheim (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Die Hauswirtschaftsmeisterin ist erste Stellvertretende Landesbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes und wurde für ihr vielseitiges Engagement kürzlich mit dem Ehrenring des Kreisverbands Weilheim-Schongau/Garmisch-Partenkirchen des Bayernbundes ausgezeichnet. 1997 war sie zur Ortsbäuerin gewählt worden, dann ging es mit der ehrenamtlichen Karriere steil bergauf als Kreis- und Bezirksbäuerin, Kreisrätin, Rundfunkrätin sowie Vorsitzende im Beirat für Landwirtschaft und Umwelt in der Zugspitzregion GmbH.
"Heu Heimat" heißt ein 146 Seiten starkes Buch, das die Zugspitz-Region GmbH auf Anregung von Singer und anderen Landfrauen herausgegeben hat. Es steht jedem Interessierten kostenfrei zur Verfügung und stellt unter anderem fest: "Weil Landwirte sehr standortgebunden und häufig schon seit vielen Generationen an einem Ort verwurzelt sind, liegt ihnen die Entwicklung ihrer Heimat besonders am Herzen."
Eine grosse Chance sieht Singer darin, dass die Landwirtschaft neue Impulse von außen bekommt: "Denn viele einheiratende Frauen und Männer kommen als Quereinsteiger auf den Betrieb und behalten entweder ihren Beruf oder machen etwas Eigenes. Durch sie kommen neue Kompetenzen auf den Hof, die neue Möglichkeiten bringen.
Die Angebote für Weiterbildungen werden genutzt und so können neue Betriebszweige wie Direktvermarktung, Bauernhofurlaub, Referententätigkeit oder andere Möglichkeiten der Diversifizierung entstehen und bereichern die Vielfalt der Betriebe in unserem Landkreis. Trotzdem bleibt die Verbundenheit zu Tradition und Brauchtum erhalten."
Wichtig seien frische Impulse, "damit auch junge Frauen den Mut haben, dass sie sich für ihre Interessen einsetzten, um Herausforderungen anzupacken und mit zu gestalten, egal, ob in der Politik oder im gesellschaftlichen Leben. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und netzwerken – das ist mir in meinem Ehrenamt wichtig!"
Die Heimatregion, Artenvielfalt und Kulturlandschaft zu bewahren und gleichzeitig wertvolle Lebensmittel zu erzeugen, sieht sie als wichtige Aufgabe. "In meinem Beruf kann ich das alles aktiv mitgestalten, das ist etwas Wunderbares!" Schon im Jahr 1538 ist der Hof in der Gemeinde Spatzenhausen, auf dem sie mit ihrer Familie lebt, in der Chronik erwähnt, seit sieben Generationen sind die Singers dort verwurzelt. "Zu spüren, wo man herkommt, bedeutet auch eine Verpflichtung. Wir Bäuerinnen und Bauern können mit unseren Betrieben nicht einfach den Standort wechseln. Deshalb versuchen wir, unser Umfeld aktiv mit zu gestalten." Dazu gehöre das Ortsbild durch die Anwesen genau so wie die Bereicherung der Aktivitäten und des gesellschaftlichen Lebens im Dorf.
Dialekt, Tracht, Blechmusik und Kirchenchor gehören für Singer ebenso zur Heimat wie das Gemeinsame der Generationen. Heimat unterliege aber ständigen Veränderungen, etwa durch die Herausforderung der Flüchtlingswelle oder den zunehmenden Tagestourismus in der Region. "Als Gesellschaft müssen wir daran arbeiten, das Miteinander zu pflegen. Da müssen auch wir Landfrauen uns anpassen und mit der Zeit gehen." So ist sie in den sozialen Medien gut vernetzt, um im Dialog mit der Gesellschaft zu bleiben.
Dass sie mit ihrem heutigen Leben als Bäuerin erfüllt und zufrieden ist, hätte sie sich als junge Frau und Bankangestellte nicht vorstellen können. "Ich bin nicht auf einem Hof aufgewachsen, aber meine Eltern waren fest in den Betrieb meines Onkels eingebunden. Unser Familienleben musste sich neben der Arbeitnehmertätigkeit des Vaters auch nach den Stallzeiten richten. Deshalb war ich mir sicher: Bloß keinen Bauern heiraten!"
Doch das Schicksal arrangierte eine Begegnung mit ihrem Mann Gottfried, den sie als Musiker kennenlernte und so steht sie heute mit an der Spitze des bayerischen Bauernverbandes und nimmt Einfluss auf soziale, gesellschaftliche und politische Themen. Das ist möglich, weil sie im Betrieb nicht mehr so stark eingebunden ist, nachdem Tochter Theresa als Landwirtschaftsmeisterin in den Milchvieh-Betrieb mit Nachzucht mit eingestiegen ist.
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