München/Pähl – Die meisten Corona-Beschränkungen sind zum Glück gefallen. Die Normalität kehrt zurück. Nicht so in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.
Kürzlich fand dort eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Leben im Alter. Zwischen Freiheit und Sicherheit" statt, zu meiner Freude nicht als eine Zoom-Veranstaltung, bei der die Teilnehmer nur auf dem Bildschirm erscheinen, sondern mit leibhaftigen Menschen auf dem Podium und mit Publikum im Saal. Doch die Freude wurde mir gründlich vergällt.
Als ich das Gebäude der Akademie betrat, begrüßte mich ein Schild mit der Aufschrift: Im gesamten Gebäude gilt Maskenpflicht. Ich war irritiert, nahm das aber weiter nicht Ernst. Die Akademie hat ihren Sitz in einem Seitenflügel der Münchner Residenz. Man steigt über breite Freitreppen in die oberen Etagen hinauf und gelangt durch weite Hallen zu den Zimmern der Wissenschaftler und zu den Vortragssälen. Dort ist es überall so luftig, dass keinerlei Ansteckung durch Aerosole gegeben ist. Zumal in der Akademie, wie ich bei meinen Besuchen über die Jahre feststellen konnte, keinesfalls reger Publikumsverkehr herrscht wie etwa in einer Behörde, so war es auch an diesem Abend.
Meine Irritation nahm weiter zu. Auf den, wie gesagt, breiten Freitreppen, waren rote Pfeile aufgeklebt, die anzeigten, dass man hinauf und hinab jeweils an der rechten Seite zu gehen habe. Die Leitung des Hauses, so ging es mir durch den Kopf, nahm also allen Ernstes an, die Wissenschaftler des Hauses beziehungsweise deren Besucher, seien nicht in der Lage einander auszuweichen, wenn sie sich auf der Treppe begegneten, sondern bedürften dazu einer Anleitung. In einem wuseligen Kindergarten mag das angebracht sein, aber in einer Akademie?
Es kam noch besser. Als ich den sehr locker besetzten Vortragsaal betrat, sah ich, dass etwa die Hälfte der Anwesenden eine Maske aufgesetzt hatten, die anderen nicht. Ich nahm in gebührendem Abstand von anderen Besuchern Platz, ohne die Maske aufzuziehen. Mir schien es auch deshalb nicht geboten, weil die Podiumsgäste ohne Maske dicht beieinander standen und sich angeregt unterhielten.
Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Als ein Mitglied der Akademie die Veranstaltung eröffnete, wurden wir Zuhörer als erstes belehrt, doch bitte eine Maske aufzusetzen, so sehe es die Hausordnung vor. Auch ich folgte dem und blieb aus purer Höflichkeit noch so lange sitze, bis die Dame von der Akademie ihre Einleitung beendet hatte, dann verließ ich den Saal.
Eine Akademie der Wissenschaft sollte, wie schon der Name sagt, ein Hort der Wissenschaft, der Vernunft sein. Von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften lässt sich das in Bezug auf ihre Corona Regeln nicht sagen. Für weitläufige Hallen, in denen sich nur wenig Menschen bewegen, eine Maskenpflicht vorzuschreiben, ist einfach unsinnig. Zumal sich durch Öffnen der großen Fenster, siehe das Foto, stets eine gute Durchlüftung herstellen lässt.
Die gleichen Bedingungen waren auch für den Vortagssaal gegeben. Aber anstatt die großen Fenster zu öffnen, oktroyierte man den Zuhörern eine Maskenpflicht. Das widerspricht allen Erkenntnissen der Aerosolforschung. Die beste Vorkehrung gegen Ansteckung in Innenräumen ist eine gute Durchlüftung. Das darf inzwischen als Schulbuchwissen gelten. Aber bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war diese Erkenntnis, Stand 23. Mai, noch nicht angekommen. Darüber mag ich nicht nur spotten, sondern es stimmt mich bedenklich. Wenn selbst in einer der Akademie der Wissenschaften die Unvernunft Einzug hält, was kann man dann noch gegen andere unsinnige vom Staat verordnete Corona Maßnahmen unternehmen.
Der Autor ist Dipl. Physiker und lebt in Pähl
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