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Parkplatz Demokratie: Führung und Diskussion am KZ-Außenlager Kaufering VII

Landsberg am Lech – Es hätte eine nette Führung werden können. Auf dem Parkplatz an der Erpftinger Straße, zwischen Landsberg und Erpfting, liegt das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII – eines von elf Lagern des Außenlagerkomplexes Kaufering, dem größten Außenlagerkomplex des KZ Dachau. Am 20. März 2026 hielten hier vierzehn Menschen inne. Was folgte, war anders als erwartet.

Wer gekommen war, hätte kaum verschiedener sein können: der Filmemacher Robert Fischer, der Journalist und Philosoph Alois Kramer, der frühere Schulleiter Christian Karlstetter, ein Schüler des Ignaz-Kögler-Gymnasiums, eine Fachkraft der sozialen Arbeit, Neuzugezogene aus dem Landkreis – und einige, die ehrlich gesagt nur einen Spaziergang mit App erwartet hatten.

Wolfgang Hauck, Vorstand des Vereins dieKunstBauStelle e.V., hatte den Rundgang mit einem Audio Walk in der App «BayernHistory» gestaltet. Zu hören war die Stimme des verstorbenen Manfred Deiler, ehemaliger Präsident der Europäischen Holocaustgedenkstätte-Stiftung – Aufnahmen, die Deiler noch in seinen letzten Wochen im Krankenhaus eingesprochen hatte. Das Gelände bewahrt die Ruinen sogenannter Tonröhrenbaracken sowie die letzten Spuren einstiger KZ-Erdhütten, erhalten durch das jahrzehntelange Engagement der 1983 gegründeten Bürgervereinigung Landsberg.

Was den Rundgang trug, waren Fragen, die Hauck am Ort selbst stellte: Warum ist der Zaun kein Zaun? Was steckt hinter einer Holzbank oder einer Informationstafel, wenn man weiß, was ihrer Aufstellung vorausging? Diese Irritationen, direkt vor Ort ausgesprochen, ließen niemanden kalt. Die Stunde verging wie im Flug.

„Erinnerungskultur muss nicht immer in der Vergangenheit ansetzen, sondern kann genau aus der Gegenwart und ihrem Umgang mit der Geschichte aufgerollt werden. Das ist gegenwartsbezogen wirksam und authentisch", sagt Wolfgang Hauck.

Die Diskussion danach moderierte sich selbst. Im FishBowl-Format – jeweils zwei Personen im inneren Kreis, Platzwechsel nach Bedarf – kam ins Gespräch, was sich auf dem Rundgang aufgestaut hatte. Robert Fischer nannte das, was engagierten Bürgerinnen und Bürgern früher als „Nestbeschmutzung" vorgeworfen wurde, schlicht „Nestbereinigung". Christian Karlstetter mahnte, Geschichtsvermittlung in der Schule dürfe nicht auf ein bloßes Abhaken von Lehrplaninhalten hinauslaufen. Und der Gymnasiast aus der elften Klasse sagte, was viele dachten: Exkursionen wirkten oft wie ein kurzer Besuch, ohne dass das Leid der Opfer wirklich nachvollziehbar werde.

Alois Kramer berichtete von einem Freund, dessen Eltern Auschwitz überlebt hatten. Er könne gut verstehen, sagte Kramer, dass es jüdische Menschen gebe, für die der Boden Deutschlands bis heute „verseucht" sei.

Was sich in dieser Runde herausschälte: Erinnerungsarbeit funktioniert nicht als Pflichtprogramm. Sie braucht zunächst den Raum, in dem etwas gefühlt und gemeinsam gedacht werden kann – erst dann führt sie zu Wissen und Urteilsfähigkeit.

Am Ende wurde ein Wunsch laut, den wohl niemand zu Beginn des Nachmittags hatte kommen sehen: Der neue Landsberger Stadtrat möge bei der nächsten Runde dabei sein. Wolfgang Hauck plant zudem Unterlagen für Schulen, die Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern eine echte Vorbereitung ermöglichen sollen – keine Pflichtrunde.

Der 20. März 2026 war der erste Tag der Demokratiegeschichte, bundesweit begangen unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dass er in Erpfting auf einem Parkplatz so begangen wurde – das war, wie so manches an diesem Tag, genau richtig. 

Alois Kramer, links, im Gespräch mit einem Gymnasiasten
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