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Sonne trifft Denkmalschutz. Jungforscher beschäftigen sich mit Landsberger Altstadt

Landsberg am Lech – Wie kann die Nutzung erneuerbarer Energien mit den Aspekten des Denkmalschutzes zusammengeführt werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich 21 Studentinnen und Studenten des Architekturstudiengangs des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Rahmen einer Seminarwoche und Exkursion nach Landsberg am Lech.

Durch eine Änderung des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes von 2023 gehen Denkmalschutz und Klimaschutz noch stärker als zuvor Hand in Hand. Gemäß Art. 6 Abs. 2 BayDSchG sind Eigentümerinnen und Eigentümern Maßnahmen erlaubt, die der Gewinnung von erneuerbaren Energien für den Bedarf im Baudenkmal dienen, sofern keine überwiegenden Gründe des Denkmalschutzes entgegenstehen. An dieser Stelle setzt die Erstellung eines sogenannten Solarrahmenplans an. Ein Solarrahmenplan ist ein Planungsinstrument für Kommunen mit historischer Bausubstanz, das Potenziale und die Anforderungen für erneuerbare Energien definiert. Grundlage ist die Analyse von Einsehbarkeit, historischen Raumqualitäten und Gestaltungskriterien. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und die Beratung und Entscheidungsfindung durch die Untere Denkmalschutzbehörde zu unterstützen. Auf diese Weise kann die Dachlandschaft als „fünfte Fassade" weiterentwickelt werden, die aufgrund der topographischen Situation Landsbergs besonders zur Geltung kommt. „Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege betont dabei die Bedeutung einer denkmalverträglichen Energieversorgung, die Denkmalschutz und Klimaschutz vereint", so Sabrina Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).

Mit dem Beschluss vom 11.09.2024 im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss hat die Stadt Landsberg am Lech den Prozess gestartet, einen Solarrahmenplan als Kommunales Denkmalschutzkonzept (KDK) aufzustellen. In Zusammenarbeit mit dem KIT und unter Anleitung und Begleitung durch Sabrina Sommer vom BLfD wird ein neuer Ansatz zur Erstellung eines Solarrahmenplans entwickelt. Dabei stehen die Einsatzmöglichkeiten Urbaner Digitaler Zwillinge (UDZ), sowie die Auseinandersetzung mit Geodaten, deren Aufbereitung, Analyse zur Bewertung von räumlichen Situationen im urbanen Kontext im Fokus, um ein Maximum an Objektivität, Transparenz und in der Folge Nachvollziehbarkeit zu erzielen. Ein Zwischenstand hierzu wurde im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Landsberg am 26.03.2025 präsentiert.

Während sich die Studierenden des KIT im vorangegangenen Semester auf virtuellem Wege mit Landsberg am Lech beschäftigten, galt es nun, die zwischenzeitlich gewonnen Erkenntnisse vor Ort zu überprüfen und zu einer Grundlage für einen Solarrahmenplan zusammenzuführen.

Auf Einladung durch die Stadt Landsberg fanden sich in der Folge 21 Studentinnen und Studenten mit ihrem Dozenten Dr. Peter Zeile von der Professur Stadtquartiersplanung (STQP) des KIT in Landsberg ein, um sich mit der Altstadt zu beschäftigen. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde zunächst eine intensive Recherche durchgeführt, die einerseits außerordentliche Einzeldenkmäler als sogenannte Points-of-Interest (POI) definiert und andererseits kunsthistorisch bedeutsame Stadtansichten identifiziert, die besonders schützenswerte Bereiche repräsentieren. Eine der bekanntesten Ansichten, die sich kunsthistorisch immer wiederholt, ist die Ansicht vom Westufer des Lechs mit Blick auf die Altstadt mit ihrer Topographie in Richtung Osten. Im Austausch mit Dr. Daniel Broschart vom städtischen Referat „Digitaler Zwilling, Klimaschutz und Mobilität" wurden in einem nächsten Schritt Geodaten aufbereitet, um die Einsehbarkeiten aus der Ferne, sowie dem Platz- bzw. Straßenraum analysieren und bewerten zu können. Auf diese Weise konnten die einzelnen Teildachflächen der Landsberger Altstadt klassifiziert werden.

Anhand eines entwickelten Entscheidungsbaums wurden den, zuvor klassifizierten, Teildachflächen Kategorien mit Gestaltungsanforderungen hinsichtlich der Anlagenart (Aufdach oder Indach), Anlagenform, Anlagenfarbe und Oberflächenbeschaffenheit zugeordnet. Die Spannweite geht dabei von Kategorie 0 „individuelle Abstimmung mit dem BLfD erforderlich", über Kategorie 1 „hohe Gestaltungsanforderungen" und Kategorie 2 „mittlere Gestaltungsanforderungen" bis hin zu Kategorie 3 mit „niedrigen Gestaltungsanforderungen".

Die entstandenen Karten bieten eine ideale Diskussionsgrundlage, anhand derer die Auswirkungen unterschiedlicher Gestaltungsanforderungen bewertet werden können. Wie geht es im nächsten Schritt weiter? Da der Solarrahmenplan als Kommunales Denkmalkonzept (KDK) verabschiedet werden soll, wird im nächsten Zuge ein Partizipationsschritt vorbereitet.
„Ich bin beeindruckt von den Arbeiten, die die Jungforscherinnen und Jungforscher in der kurzen Bearbeitungszeit hervorgebracht haben", so Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl. „Die klar strukturierte Methodik zeichnet sich insbesondere durch die Nachvollziehbarkeit und Objektivität aus und hilft daher sowohl den Stadträten als auch der Verwaltung gerechte und nachvollziehbare Entscheidungen nach sachlichen Kriterien zu treffen. Mit dem zu erwartenden Solarrahmenplan können wir die Entwicklung und Gestaltung der Landsberger Altstadt erfolgreich fortführen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Studentinnen und Studenten des KIT, ihrem Dozenten Dr. Peter Zeile und insbesondere bei Sabrina Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für die Betreuung und Begleitung des Verfahrens bedanken."

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