The Beat Goes On. Nachrichten aus dem Gemeindebau, von Edmund Epple gen. Discy.

The Beat Goes On. Nachrichten aus dem Gemeindebau, von Edmund Epple gen. Discy. Foto: Jens Müller/Radicaleye

Landsberg am Lech – Wenn man immer nur Nachrufe verfasst, schlägt sich das irgendwann aufs Gemüt. Man beginnt zu denken, warum musste es jetzt ausgerechnet wieder den oder diejenige erwischen, während andere Gesichter und Gesichtinnen immer noch munter weiter nerven...

So sollte man aber nicht denken. Ich vermeide daher meistens Nachrufe, obwohl man fast jeden Tag einen verfassen könnte. Vor einigen Jahren gab es dazu noch das Kalendarium "The Beat Goes On" mit Todestagen berühmter und auch weniger berühmter Musiker. Mangels Nachfrage wurde das dann eingestellt. Auch in dem Fall verzichtete ich auf einen Nachruf, obwohl er sehr angebracht gewesen wäre.

Aber es ist nunmal eine Binsenweisheit, dass, wer lebt, auch sterben muss. Da braucht's keinen Pfarrer um das einzusehen. Und das es nie den richtigen Zeitpunkt für's Abtreten gibt, leuchtet hoffentlich auch allen ein. Wobei ich mir beim derzeitigen Faseln von "nur die Alten" und "Hochrisikogruppen" da nicht so sicher bin. "Warte nur bis Du selbst zur Hochrisikogruppe gehörst, Freundchen!", denk ich mir ... Dann reden wir weiter. Aber darauf wollte ich jetzt gar nicht hinaus.

Chick Corea war bei Scientology. Damit hat er es sich bei vielen ehemaligen Fans verscherzt. Und, statt über seine Musik zu schreiben, hatte die Presse immer Stoff, wenn es um seine Person ging. Da war er nicht ganz schuldlos dran. Jetzt war er natürlich in allen Qualitätsmedien wieder zunächst "ein legendärer Pianist". Scientology ist ja nicht so schlimm wie Kindesmissbrauch. Kann man auch mal ein Auge zudrücken. Eigentlich lehrt einem ja gerade die Kunst - und da ganz besonders auch die Musik - Mehrdimensionalität. Oder sagen wir weniger esoterisch: Vielfältigkeit. Vielfalt ist aber nicht der Sammelbegriff für viele unterschiedliche Individuen. Auch das Individuum selbst besteht aus vielen Seiten, auch Facetten genannt. So kann man zwar ein veritables Arschloch sein, aber trotzdem einen genialen Song wie "Billy Jean" zustande bringen. Das Arschloch war vielleicht auch nicht immer ein Arschloch, sondern wurde eins, wurde krank. Hatte auch andere Seiten. Heißt ja nicht, dass man jemand dafür nicht zur Rede stellen und zur Verantwortung ziehen sollte. Aber einen Menschen auf irgendwas zu reduzieren ist im Kern menschenverachtend. Und die Suche nach dem perfekten Menschen, dem unfehlbaren Führer gar... na, wir sollten alle wissen wo das hinführt.

Trotzdem fordern wir fast immer Perfektion statt Kreativität. Fullfiller statt Freigeister!

Der Jazz steht dafür nicht. Auch wenn sich gerade in Deutschland der Begriff der Jazzpolizei nicht von Ungefähr entwickelt hat. Chick Corea war keiner von den Jazzbürokraten. Er war ein Pianist mit Herz und ist selbstbewusst eigene Wege gegangen. In der Musik. Privat geht uns Chick Corea einen Sch***...an! "Das private ist immer auch politisch" klingelt es da an meiner Tür. Mag sein, aber trotzdem möchte ich entscheiden wann ich die Türe aufmache und wann nicht.

Vielleicht habe ich ja Wichtigeres zu tun und höre gerade das ECM Album "Return To Forever" oder "Light As a Feather" mit unfassbar federndem E-Pianospiel von Chick Corea und mit Flora Purims schwebendem Gesang. Oder ich höre "Crystal Silence" mit Vibraphonist Gary Burton oder gar "Bitches Brew" oder oder oder....

Auf dem Grabstein von Françoise Cactus, der formidablen Künstlerin und "Stereo Total"-Gründerin könnte stehen: "Hier liegt sie, so wie sie zu liegen pflegte. Nur dass sie, solange sie lebte, den Po dazu bewegte." Ein Spruch, den sie selbst für einen Roman erfunden hatte.

Und so verneigen wir uns vor zwei ziemlich unterschiedlichen menschlichen Wesen, die es geschafft haben ihre kurze Zeit auf dem Planeten dazu zu nutzen uns zu unterhalten, aber auch aus der Reserve zu locken und uns auch etwas beizubringen.

Heute neu von (noch) lebenden Künstlern:

Mogwai - As the Love continues

Das mittlerweile 10.Studioalbum. Als CD, ltd DoCD, LP Boxset Ltd. (rote 3erLP +CD), gelbe oder schwarze DoLP

Tindersticks - Distractions

neues Album auf CD und Vinyl. Außerdem im Angebot in sehr begrenzter Stückzahl eine limitierte blaue Vinyl

Tash Sultana - Terra Firma

Erscheint am 19.02., und zwar als CD oder als schwarze DoLP für ca. EUR 30,00 oder im luxuriösen Boxset mit 2 x rotem Vinyl im Gatefold-Cover, Poster, Booklet & T-Shirt für ca. EUR 60,00

und nicht mehr ganz so lebendig, aber immer noch sehr präsent:

Soundtrack - Zappa

umjubelt, aber leider aus Gründen immer noch nicht in die Kinos gekommen ist diese erste umfassende Doku über Frank Zappa. Den Soundtrack gibt es jetzt schonmal, als Dreifach-CD ab 19.02. Im Mai folgt dann Vinyl. Eine farbige Doppel-LP und eine kleine Auflage als 5-fach-Deluxe-Box. Wir nehmen Reservierungswünsche entgegen

um nur ein paar wenige zu nennen. Weitere Infos und Tipps wie immer im Gemeindebau.

Wir sehen uns! 

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