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Kein Truthahnbraten für das brexitgebeutelte Vereinigte Königreich. Ein Kommentar von Helmut Herbert Fietzek M.A.

Es fehlt nicht an Truthähnen sondern an Personal, das die Truthähne schlachten kann im Vereinigten Königreich.

In den USA ist es Brauch, dass der Präsident jedes Jahr kurz vor Weihnachten einen Truthahn begnadigt, ihn quasi vor dem Schlachten bewahrt. Davon konnten in Großbritannien die Truthähne bisher nur träumen. Jetzt allerdings scheinen viele der britischen Truthähne ihrem Schicksal, an Weihnachten als Traditionsessen der Nation ihr Ende zu finden, entkommen zu können. Ein Teil der acht bis neun Millionen Tiere, nach dem Willen der Brexiteers von britischen Farmern auf der Insel aufgezogen, kann wohl nicht geschlachtet werden! Dies hat allerdings nichts mit einer plötzlich erwachten Tierliebe der Inselbewohner zu tun, oder damit, dass es plötzlich mehr Vegetarier gibt, sondern allein mit der Tatsache, dass das Personal fehlt, diese Tiere zu schlachten.

Anstatt auf Alternativen um zusteigen, etwa schottischen Fisch zu essen, den die Fischer nach dem Brexit nur noch mit Mühe in die EU exportieren können, bestellt man lieber Truthähne aus der EU, vornehmlich aus Frankreich oder Polen. Wenn schon die Polen, die man als Mitglieder der EU des Landes verwiesen hat, als Aushilfslastkraftwagenfahrer für drei Monate nicht zurückkommen, dann wenigstens polnische Truthähne.

Mit dem Brexit hat das alles nichts zu tun, weder der Mangel an Lastwagenfahrern, die eine Versorgung mit Benzin und Diesel sicherstellen sollten, noch die leeren Regale in den Supermärkten sind Folgen des Austritts aus der EU. Immerhin fehlen gegenwärtig bis zu 100 000 Fahrer. Dass laut Nationalem Schweinezüchterverband rund 120 000 bereits geschlachteter Schweine auf den Farmen auf ihre Verarbeitung und ihren Weitertransport warten, ist ein weiteres Problem, da es zu wenig Metzger gibt. Sollen die Tiere jetzt womöglich entsorgt werden? Vielleicht wären sie ja, wieder aufgetaut, eine Alternative für die Truthähne, die man jetzt wegen Mangel an Personal nicht schlachten kann.

Ob die jährlich bis zu drei Millionen Weihnachtsbäume aus der EU problemlos eingeführt werden können, und demnächst in den Pubs weitere Zapfhähne für das Bier, das großteils auch aus der EU kommt, abgeklebt werden, bleibt abzuwarten. Mit dem Brexit hat das laut Boris Johnson nichts zu tun.

Der ehemalige Anführer der Brexit-Partei, Nigel Farage, der 20 Jahre im Europaparlament saß und nur Hohn und Spott für die EU übrig hatte, twitterte kürzlich, er habe sieben Tankstellen anfahren müssen, bevor er schließlich eine fand, bei der er tanken konnte. Er griff sogar die Regierung von Boris Johnson an, die Krise herunterzuspielen.

Kaum zu glauben, dass von London aus einst ein Empire regiert wurde, das ein Viertel des Erdballs umfasste. Wie das die Vorfahren wohl gemacht haben? 

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